Für Führungskräfte wird es schwieriger, Versicherungsschutz zu bekommen
Manager-Haftpflicht verzweifelt gesucht

Auf die Anbieter von Manager-Haftpflichtpolicen rollt durch Insolvenzen und zunehmende Klagewut eine Schadenswelle zu. Daher wird es für die Kunden schwieriger, diesen wichtigen Schutz zu bekommen. Verhandlungen mit Versicherern sollten daher gut vorbereitet werden, raten Makler.

DÜSSELDORF. In der Schlussphase des Versicherungsjahres herrscht Hochspannung: Versicherer, Firmen-Kunden und ihre Makler ringen - wie immer in den letzten Septembertagen - um die Verlängerung der Policen. Besonders spannend sind in diesem Jahr die Verhandlungen um die Managerhaftpflicht-Verträge. Diese so genannten D&O-Policen (Directors & Officers) sollen Manager davor schützen, dass sie mit ihrem privaten Vermögen für Fehlentscheidungen haften, durch die ihrem Unternehmen Schaden entstanden sind. Ein unversicherter Manager kann hier bei Klagen schnell Millionensummen verlieren.

Einige Versicherer wollen Managern von Unternehmen, die als "riskant" gelten, am liebsten gar keinen Haftpflichtschutz mehr verkaufen. Zu den Risiko-Unternehmen zählen zum Beispiel junge Gesellschaften, die nicht älter als drei Jahre sind, Biotech-Unternehmen, Internet-Dienstleister, Finanzdienstleister oder auch Gesellschaften der Baubranche.

Der Hintergrund: Durch die Insolvenz-Welle in Deutschland und der gestiegenen Anspruchshaltung von den Unternehmensgesellschaftern verzeichneten die D&O-Anbieter in jüngster Zeit stark steigende Schadensmeldungen. Zudem haben Vertreter der Bundesregierung bereits angekündigt, die Haftung von Vorständen und Aufsichtsräten weiter zu verschärfen (Handelsblatt vom 28. August 2002).

Mit der richtigen Verhandlungsstrategie können Führungskräfte verhindern, dass sie ihren Versicherungsschutz verlieren, meinen Versicherungsmakler. "Das fängt zum Beispiel damit an, dass die Kennzahlen des Unternehmens vernünftig aufbereitet werden müssen", rät Steffen A. Müller, Geschäftsbereichsleiter und D&O-Experte beim Makler Marsh. Versicherer würden zum Beispiel besonders auf die Gewinn- und Verlustrechnung sowie die erwirtschaftete Eigenkapitalrendite schauen. "Sollte ein Verlust angefallen sein, müssen die Verantwortlichen plausibel machen können, warum dies den Fortbestand des Unternehmens nicht gefährden wird", mahnt Müller. Hintergrund: Nach der beispiellosen Insolvenzwelle reagieren Versicherer allergisch auf Verluste.

Matthias Hübner, Kundenbetreuer der SEB Assekuranz Makler GmbH, geht davon aus, dass Kunden schlechtere, allerdings kalkulierbare Konditionen ihrer D&O-Versicherungen schlucken müssen. "Die Versicherer fordern zum Teil drastische Prämienerhöhungen von Unternehmen, die sie als riskant einschätzen. Ebenso wollen sie im Einzelfall in den verlängerten Policen nur noch geringere Summen versichern. Diese Verschlechterungen sind in ihren Folgen aber kalkulierbar und damit eher zu akzeptieren", sagt Hübner. Allerdings ist seiner Meinung die rückwirkende Kürzung der Deckungssummen unbedingt zu vermeiden.

Manager von Unternehmen der oben genannten Risikogruppe sollten zudem unbedingt verhindern, dass ihre Police nicht verlängert wird. "Für diese Betroffenen eine Deckung bei einem neuen Versicherer zu bekommen, ist fast unmöglich", hat Hübner beobachtet.

Und selbst wenn ein junges Start-Up-Unternehmen einen neuen Versicherer findet, bleiben Probleme. Denn in den neuen Policen sind Altfälle, die vor Abschluss der neuen Police vorgefallen sind, im Regelfall nicht mehr versichert - die so genannte Rückdeckung wird dabei eingeschränkt. Aber sobald eine neue Police abgeschlossen ist, haftet der ehemalige Versicherer auch nicht mehr.

Ein Beispiel: Zum 1. Januar 2003 schließt die "Start-Up AG" für seine Manager und Aufsichtsräte eine neue D&O-Police ab. Diese deckt aber nicht Schadenfälle aus Verstößen ab, die vor diesem Stichtag begangen wurden. Der alte Versicherer kommt aber auch nicht mehr für sie auf. Nun strengt ein Großaktionär einen Prozess gegen das Management an, weil durch eine angebliche Fehlentscheidung des Vorstands vom 12. Oktober 2002 dem Unternehmen Schaden entstanden ist. In diesem Szenario ist der Vorstand nicht versichert.

Nach Einschätzung von Steffen A. Müller von Marsh haben aber weniger risikoexponierte Unternehmen durchaus eine Chance, nach einer Kündigung durch ihren Alt-Versicherer einen neuen Anbieter für die Managerhaftpflicht zu finden. "Der Kunde ist nicht verpflichtet zu sagen, warum er den Versicherer wechseln will", sagt Müller. Nach wie vor würden einzelne Anbieter bestimmte Kunden verschieden behandeln: "Die Versicherer haben unterschiedlich großen Risikohunger".

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