Für gute Kandidaten wird Karriere fast unvermeidbar
Assessment-Center halten auch in Führungsetagen Einzug

Über Assessment-Center (AC) zu sprechen heißt fast immer zu polarisieren: Zwischen innovativ und altmodisch schwanken die Beurteilungen, zwischen Bewährung oder Chance einerseits und Zumutung oder Angst andererseits. Vor allem gestandene Führungskräfte reagieren mehr als erstaunt, wenn Sie zum AC eingeladen werden.

Und doch stehen sie immer häufiger auf dem Prüfstand: in mehrtägigen Top-Management-Foren, in denen Strategie-Fallstudien, Auftreten in der Öffentlichkeit eines Empfangs, Umgang mit Journalisten und die schwierige Balance im Umgang mit wettbewerbsorientierten Kollegen im Vordergrund stehen. Foren, die Stil, Selbstprofilierung, Durchsetzung und Loyalität gleichzeitig verlangen. Und das vor den Augen mehrerer Vorstandsmitglieder eines Großkonzerns, die aus der Gruppe erfolgreicher Geschäftsführer, starker Bereichsleiter und dominanter Vorstände kleinerer Tochtergesellschaften die Persönlichkeiten kennenlernen wollen, die aufgrund ihrer generalistischen Fähigkeiten und der Erfüllung des unternehmensspezifischen Anforderungsprofils in die Top-Etage des Konzerns aufsteigen können.

Solche Aufstieg-Assessments sind möglichst nah der Alltagsrealität, setzen klare Anforderungsprofile, verhindern die Einseitigkeit der Beurteilung, wie sie für viele Einzelinterviews typisch sind. In zwei oder zweieinhalb AC-Tagen gibt es zudem viele persönliche Begegnungen außerhalb des Übungsprogramms mit wichtigen Persönlichkeiten innerhalb des Gesamtunternehmens: mit Informationsgewinn, Kontakten, Netzwerken und dem Einblick in andere als die bekannten Unternehmensteile.

Ein Problem sollte nicht verschwiegen werden: die Folgen für Gewinner und Verlierer. Wer gut abschneidet, hat ein positives Image im Haus. Karriere wird fast unvermeidbar. Auf der anderen Seite wird es schwieriger: Auch wer schlecht abschneidet, bekommt einen Ruf, selbst wenn die Ergebnisse höchst vertraulich behandelt werden. Hier hängt alles von der Kultur des Hauses und dem Realitätssinn der Verantwortlichen ab: Wer erfolgreiche Führungskräfte nach einem Misserfolg im Aufstieg-AC schlecht aussehen lässt und ihre Karriere stoppt, schafft Opfer. Angst vor der Prüfung und Ablehnung des Instruments sind noch die geringsten Folgen. Demotivation und Abwanderung können schwerer wiegen. Nur wer das schlechte Resultat in einem AC als ein (zwar bedeutsames, aber einzelnes) Datum zur Beurteilung von Spitzenleuten gelten lässt, schafft Lernen. Und Lernen ist der Vorzug in einem Aufstieg-AC - bei den Teilnehmern und den Beobachtern.

Hier einige Tips für den Umgang mit (Aufstieg-)Assessments - und für den Rest des Lebens:

  • Mit 70 Jahren brauchen Sie vermutlich kein Assessment mehr, aber vorher sollten Sie jede Chance nutzen, daran teilzunehmen. Dann erfahren Sie, wo Sie stehen.
  • Glauben Sie bloß nicht, ein AC sei brutal, denn beurteilt werden Sie immer. Hier erfahren Sie wenigstens das Ergebnis. Wer nach oben will, muss das ertragen. Und wer oben ist, sollte es akzeptieren - als Vorbild.
  • Wie stark ein Aufstieg-AC Sie stresst, hängt von Ihren Erwartungen ab. Die Strapaze spielt sich in Ihrem Kopf ab, sonst würden andere nicht so leicht und motiviert damit umgehen.
  • Glauben Sie nicht, dass es nur um Sachfragen geht. Im Vordergrund stehen Ihr beobachtbares Verhalten und Ihre Persönlichkeit, es geht um Kerneindrücke - und die hinterlassen Sie.
  • Kämpfen Sie sich nicht an der falschen Stelle ab: Ein AC bildet die Realität und Ihre Persönlichkeit recht gut ab, wenn auch nicht alles erfasst wird.
  • Bereiten Sie sich auf ein Aufstieg-AC vor - oder lassen Sie es. Wer Theater spielt, erhält die Quittung. Entscheidend ist Authentizitzät. Wenn Sie einen Coach nehmen, üben Sie nicht eine Rolle, sondern trainieren Sie den offensiven Selbstausdruck.
  • Ein AC ist kein Gottesurteil, sondern nur Teil einer Gesamtbeurteilung.
  • Nutzen Sie das Ergebnis und eventuelle Zwischeninformationen während des Verlaufs: Nur wer lernt, kommt weiter. Wer seine Fehler zu lange rechtfertigt, bleibt stehen.

Als Fazit lässt sich nur noch eine Fußballweisheit zitieren, die Sie nie vergessen dürfen: Nach dem Spiel ist immer vor dem Spiel!

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