Für Händler ist die Talfahrt noch nicht vorüber
Euro unter 0,86 $

Anhaltende Spekulationen über mögliche Zentralbank-Interventionen zu Gunsten der Gemeinschaftswährung haben den Euro am Freitag nicht dauerhaft über der Marke von 86 Cents gehalten. Nach Aussagen von Händlern ist der Euro derzeit wieder auf einem Niveau angelangt, bei dem man mit einer Intervention der Europäischen Zentralbank rechnen müsse.

Reuters TOKIO. Die Ankündigung des japanischen Vize-Finanzministers Haruhiko Kuroda, bei einem weiteren "unnatürlichen" Kursverlauf des Euro Maßnahmen zu ergreifen, hatte bereits am Donnerstag für Spekulations-Gerüchte gesorgt. Nach Einschätzung vieler Händler ist das Ende der jüngsten Euro-Talfahrt noch nicht vorüber. Der Dollar reagierte kaum auf die Warnung von US-Notenbankchef Alan Greenspan, die US-Konjunktur könne sich stärker abschwächen als bisher angenommen und weitere Zinssenkungen nötig machen.

Gegen 10.40 Uhr MESZ kostete ein Euro 0,8565/68 und damit fast genau so viel wie am Vorabend in New York. Zum Yen notierte der Euro mit 102,84/96 Yen nach 102,63/81 Yen im späten New Yorker Handel. Die US-Valuta kostete 120,15/20 Yen nach 119,83/93 Yen am Vorabend.

Kuroda hatte am Donnerstag den rapiden Kursverfall des Euro in dieser Woche als unangemessen bezeichnet und Maßnahmen angekündigt, sollten die unnatürlichen Wechselkursbewegungen anhalten. Auch Spekulationen über mögliche Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) kursieren Händlern zufolge am Markt, da sich der Euro derzeit auf einem ähnlichen Niveau befinde wie im vergangenen Jahr, als die EZB Euro-Stützungskäufe getätigt hatte. So könne es am Montag zu Interventionen kommen, wenn der Markt feiertagsbedingt in New York und in Großbritannien geschlossen ist und somit Liquidität fehle. "Bei dem momentanen Eurokurs könnte die EZB jederzeit intervenieren", sagte Yasuji Yamankana, Devisenmanager bei Nikko Trust and Banking. "Interventionen haben jedoch nur dann Einfluss, wenn sie die Märkte überraschen." Somit wäre nun kein guter Zeitpunkt mehr für eine Intervention gegeben, fügte er hinzu.

"Nebenprodukt" der Euro-Schwäche

Auf die Warnung des Chefs der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan am frühen Freitagmorgen, die US-Wirtschaft könne sich stärker abschwächen als derzeit angenommen, reagierte der Dollar nur mit leichten Kursverlusten zum Yen. "Diese Periode des unterdurchschnittlichen Wachstums ist noch nicht vorbei", sagte Greenspan vor Wirtschaftsvertretern am Donnerstag in New York. Auf die Äußerungen Weltekes zum Wechslkurs des Euro reagierte die Gemeinschaftswährung kaum. "Die Euro-Schwäche ist mit ein Grund für den jüngsten Anstieg der Inflation", sagte Welteke in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Händlern zufolge ist der Kursverfall des Dollar zum Yen um knapp vier Prozent in dieser Woche ein "Nebenprodukt" der Euro-Schwäche. Zudem deute der Kursverfall des Yen auf das weiterhin mangelnde Vertrauen in die Währung und Konjunktur Japans hin. Händler rechnen jedoch nicht mit einer Trendwende des Yen-Wechselkurses. "Die Fundamentaldaten haben sich in dieser Woche nicht geändert, so dass niemand an den Beginn eines aufwärtstrends des Yen glaubt", sagte Tkashi Toyahara, Devisenhändler bei Normura Trust and Banking. Die jüngsten Konjunkturdaten aus Japan hätten diese Haltung unterstützt. Die japanischen Einzelhandelsumsätze sind den Angaben nach im April um 1h,2 % zum Vorjahr gesunken. Die Verbraucherpreise in Japan rutschten im April bereits zum neunzehnten Mal in Folge ab.

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