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Für jede Phase das richtige Konzept

Der Vermögensaufbau braucht eine klare Strategie. Dabei spielt die jeweilige Lebenssituation eine entscheidende Rolle. Experten geben Empfehlungen.

Nach einem guten Geschäft solltest du eine Pause machen", sagt ein italienisches Sprichwort. Bedauerlicherweise folgen nur wenige Anleger dieser Devise. So verbuchten Aktionäre in den Börsenjahren 1998 und 1999 enorme Gewinne, verpassten dann jedoch - in der Hoffnung auf noch größeren Geldsegen - den Ausstieg.

Geldprofis bringen dieses Phänomen auf eine kurze Formel: "Die Gier ist stärker als die Vernunft." Dabei sollte ihrer Meinung nach nicht Gewinnmaximierung, sondern Risikominimierung im Vordergrund jeder Anlagestrategie stehen. Genau dieser Maxime folgen Berater, die ihre Kundendepots ausschließlich mit Investmentfonds bestücken. Denn Fonds ermöglichen eine optimale Risikostreuung. Der "Investor" hat von Vermögensberatern, die bei der Fondsauswahl bislang große Geschicklichkeit bewiesen haben, für vier Anlegerprofile Fondsdepots zusammenstellen lassen.

>>Die Depotvorschläge der Vermögensberater

Wer sich über Fonds informieren will, der findet im Internet ein reichhaltiges Angebot. Um sicher zu gehen, dass die Daten nicht veraltet sind, sollte man Anbieter unabhängiger Webseiten mit den Auftritten der Fondsgesellschaften im Netz vergleichen.

www.funds-sp.de: Frei zugängliche Datenbank von Standard & Poor s. Fondssuche nach Wertpapierkennnummer und Anlageregion.

www.fondsweb.de: Suchfunktionen über Performance, Fondstyp etc. plus E-Mail-Service.

www.onvista.de: Im Supermarkt für Finanzdaten gibt es ein Werkzeug für die Suche nach einer bestimmten Aktie in den Top-Holdings.

Fondsgesellschaften:
www.dws.de: Fondsdaten und Investmentkonto online.
www.dit.de: Suche nach Anlageklasse und Risiko.
www.deka.de: Fondsrechner für Performance-Check. www.union-investment.de: Investmentlotse durch die weltweiten Anlageregionen.

"Nur selten kommen Neukunden mit einem breit gestreuten Portfolio zu uns", berichtet Wolfgang Klosterhalfen, Vorstand der Hamburger Vermögensberatung BSL Asset Management. Er hat vielmehr den Eindruck, dass die Auswahl der Fonds "sehr freihändig" vorgenommen werde. Der Vermögensberater räumt ein, dass angesichts der rund 5 600 Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind, die Wahl zur Qual werden kann. "Es reicht nicht, allein auf die Wertentwicklung zu schauen und die vermeintlichen Spitzenreiter der Ranglisten zu kaufen", betont Klosterhalfen. Wichtiger sei vielmehr das Verhältnis von Rendite und Risiko. Gerade in Phasen der Kursschwäche trenne sich die Spreu vom Weizen.

Für bedenklich hält der Hamburger Vermögensberater die Tatsache, dass Anleger immer wieder versuchten, Verluste auszusitzen. Sie hielten zum Beispiel gegenwärtig an Fonds mit Ausrichtung auf den Neuen Markt fest. Dabei sei es häufig sinnvoller, umzuschichten und zu versuchen, die Verluste mit anderen Fonds wettzumachen. Klosterhalfen: "Ein kaputtes Auto würden die Leute viel eher zum Verkauf an die Straße stellen."

Günter Schlösser, geschäftsführender Gesellschafter der Kölner Vermögensberatung Portfolio Concept, findet es dagegen bedenklich, dass einige Kunden dazu neigen, von einem Extrem ins andere zu fallen. Noch im Frühjahr letzten Jahres standen Technologiefonds ganz oben auf der Prioritätenliste der Anleger. "Heute wollen einige Kunden, die besonders hohe Verluste erlitten haben, am liebsten ganz aus Aktienfonds aussteigen." Solche Überreaktionen zeigten, dass Beratung unerlässlich sei.

Bei der Auswahl der Aktienfonds bevorzugen die Anlagestrategen von Portfolio Concept derzeit überwiegend Produkte, die ihr Schwergewicht auf Substanztitel und nicht auf Wachstumstitel legen. Neben Wertentwicklung und Risikokennziffern bildet für die Kölner die langjährige Erfahrung des Fondsmanagements ein wichtiges Auswahlkriterium.

Von einigen Fondsprodukten rät Schlösser grundsätzlich ab. Bei Garantiefonds etwa seien die Kosten für die Kursabsicherung zu hoch. Durch die Beimischung von Rentenfonds könne man ähnliche Absicherungseffekte kostengünstiger erzielen. "Zu spekulativ" lautet Schlössers Urteil gegenwärtig bei Schwellenländerfonds sowie bei Aktienfonds, die den Schwerpunkt auf den Neuen Markt legen.

Auch nach Meinung von Klosterhalfen lohnt es sich in der Regel nicht, hohe Risiken einzugehen. Im Detail unterscheiden sich die Anlagekonzepte der beiden Vermögensberatungen jedoch erheblich: So stuft BSL Asset Management ein Engagement in Branchenfonds sowie in Aktienfonds, die in einzelne Industrieländer investieren, als zu spekulativ ein. Portfolio Concept hält deren Einsatz bei langfristiger Anlage für sinnvoll (siehe Depots für "Berufsanfänger" und "Doppelverdiener").

Gegensätzliche Meinungen auch bei offenen Immobilienfonds: Während Portfolio Concept deren Beimischung im Rahmen einer sicherheitsorientierten Strategie vorsieht, bezeichnet BSL Asset Management offene Immobilienfonds wegen "zu geringer Rendite" als uninteressant. Klosterhalfen: "Solche Bremsklötze sollte ich mir nicht ins Depot holen, wenn der Anlagehorizont mindestens zehn Jahre beträgt."

In Dachfonds sehen beide Vermögensberatungen dagegen prinzipiell ein gutes Instrument für die Altersvorsorge, allerdings sei ein genauer Blick auf die laufenden Gebühren ratsam.

Die grundsätzliche Empfehlung der Finanzexperten lautet, möglichst früh mit einer gezielten Vermögensplanung zu beginnen. Das gelte auch für Berufsanfänger, die sich bislang häufig darauf beschränkten, die ein oder andere Versicherung abzuschließen. Wichtig sei auch, dass eine Veränderung der Lebensumstände keinesfalls zu finanziellen Engpässen führen dürfe. Deshalb müsse der Anteil relativ illiquider Vermögensanlagen wie Lebensversicherungen oder Immobilien begrenzt sein. Doch gerade bei der Finanzierung des Eigenheims gingen viele Menschen fatalerweise bis ans Limit, warnen die Anlageberater. Dabei dürfe ein Hauskauf nicht dazu führen, dass sämtliche Wertpapierdepots aufgelöst würden und die Vermögensstruktur nicht mehr ausgewogen sei.

Das Timing spiele beim langfristigen Vermögensaufbau keine Rolle, betonen die Experten einhellig. Deshalb sollte auch gar nicht erst der Versuch unternommen werden, Aktienfonds auf dem Kurstief einzukaufen. "Mehr Sinn macht es, über regelmäßige Ansparpläne das Vermögen kontinuierlich aufzustocken", ergänzt Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Dadurch verringerten sich die Durchschnittskosten beim Kauf der Fondsanteile.

Bleibt die Frage, ob die Anleger angesichts der Kursrückschläge der letzten Monate aus Schaden klug geworden sind. Einige Experten sprechen zwar von einer neuen Bescheidenheit und geringeren Renditeerwartungen. Andere - wie BSL-Chef Klosterhalfen - sind allerdings skeptisch: "Die Anleger wissen, dass die Herdplatte heiß ist. Aber sie haben immer noch nicht verstanden, dass man nicht drauffassen darf."

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