Für kleinere Anbieter lohnt sich die Produktion nicht
Analyse: Der Handymarkt konsolidiert sich

Big ist Beautyful. Nur die großen Hersteller können sich die Handyproduktion derzeit noch leisten. Trotzdem bleiben die kleinen Hersteller ernstzunehmende Konkurrenten.

DÜSSELDORF. Der größte europäische Unterhaltungselektronik-Hersteller, Philips Electronics, will die eigenständige Produktion von Mobiltelefonen aufgeben. Die Sparte hatte zu hohe Verluste verbucht, teilte der niederländische Konzern heute in Amsterdam mit. Der Konzern will nur noch als Technologielieferant agieren. Als Folge dieser Entscheidung baut Philips in Frankreich 1 235 Stellen ab. Dies betrifft allein 1 142 der 2 600 Arbeitsplätze im europäischen Zentrum der Mobilfunkgeräte-Produktion in Le Mans im Nordwesten Frankreichs.

Die Sparte Philips Consumer Communications (PCC), die seit 1997 gemeinsam von Philips und dem US-Telekomausrüster Lucent betrieben wird, hat dem Mehrheitseigentümer Philips bislang Verluste von rund 850 Millionen Euro eingebracht. Bei den Wettbewerbern im Handymarkt sieht die Situation ähnlich aus: Siemens kündigte vor ein paar Wochen an, im Mobilfunk- und Netzwerkbereich über 6 000 Stellen zu streichen. Vorstandschef Pierer musste einräumen, dass die Umsätze mit Siemens-Handys weiter zurückgehen. Den weltweiten Absatzmarkt gab er daher nur noch mit 450 Millionen an, nach 500 Millionen im vorigen Jahr.

Trotzdem zieht der Siemens-Konzern andere Konsequenzen als Philips. Der Münchener Konzern investiert kräftig in den Forschungs- und Marketingbereich dieser Sparte. Erklärte Ziel sei es, so Pierer " weltweit die Nummer zwei zu werden" und damit Motorola zu überrunden.

Nokia schließt weitere Auslagerungen aus

Auch Marktführer Nokia wird sich Philips nicht anschließen. Unternehmenssprecherin Birgit Opladen betonte am Dienstag im Gespräch mit Handelsblatt.com, dass keine weitere Auslagerung geplant sei . "Die Produktion ist unser ureigenes Know-how. Das werden wir nicht aus der Hand geben", sagte sie. Zwar leide Nokia auch unter dem Kostenwettbewerb, aber durch die eigene Produktion habe man eine bessere Kosten- und Effektivitätskontrolle. Nokia werde nicht mehr als 20 % der Produktion auslagern.

Aber Handys sind teuer. "Für die kleineren Player lohnt sich die Produktion nicht," meint Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck. Eine eigenständige Produktion lohne sich nur, wenn der Marktanteil mindestens im zweistelligen Bereich liege. Eine Trennung sei daher der beste Weg.

Ericsson geht diesen Weg schon: Mit Sony hat das schwedische Unternehmen ein Joint Venture gegründet, das für Produktion und Vermarktung der Mobiltelefone zuständig ist. Zusätzlich sitzen in der Produktion noch zwei taiwanesische Unternehmen im Boot. Durch die Kooperation mit Sony hofft man auf Know-how-Transfer. Für die neuen UMTS-Handys, die Bilder und Musik übertragen, bringe Sony "einiges an Erfahrung" mit, betonte eine Ericsson-Sprecherin gegenüber Handelsblatt.com. Und auch Alcatel, einer der kleineren Player, lässt seine Handys von Massenfertiger Flextronics produzieren.

Während Alcatel das offen kommuniziert, macht Siemens das eher heimlich: Flextronics produziert auch für die Münchener bereits ein Drittel der mobilen Telefone.

Auch NTT Docomo wird mitmischen

Die Zukunft der Gewinner auf dem Handymarkt hängt davon ab, wie sie sich auf GPRS und vor allem UMTS einstellen. Dem Gespann Ericsson und Sony und Analyst Kitz gibt gute Chancen. Der Mobiltelefonanbieter und der Spezialist für Unterhaltungselektronik setzen auf Synergieeffekte und planen Modelle mit Photoapparat oder Empfangsprodukte für Ton- und Bildübertragungen. In diesem Bereich hat aber auch noch ein anderer Anbieter Erfahrung: NTT Docomo mit der Übertragungungstechnik i-Mode. Kitz sieht in dem Unternehmen einen starken Wettbewerber für Siemens im Kampf um Platz 3 in der Rangliste.

Für den Verbraucher stellt sich noch eine ganz andere Frage: Trifft er im Handymarkt bald die selbe Situation wie im Hardwarebereich an? Dort enthalten Computer wie Apple, Compaq und IBM nahezu die selben Komponenten, weil sie von dem selben Zulieferer kommen. Schaut man sich an, mit wie vielen Herstellern Flextronics zusammenarbeitet, ist dort eine ähnliche Entwicklung erkennbar.

An der Börse büßten die Aktien von Philips trotz des weithinerwarteten Schritts über vier Prozent auf 28,74 Euro ein. Händler und Analysten sagten, obwohl die Ankündigung als vorteilhaft für Philips gelte, herrsche am Markt Enttäuschung darüber, dass kein Käufer für die Sparte gefunden worden sei. Zudem könne die anfallende Sonderaufwendung Philips in diesem Jahr in die Verlustzone treiben. Auch die Aktien anderer Handyhersteller gaben bei einem schwachen Branchentrend zwischen drei und fünf Prozent nach. Der Branchenindex Dow Jones Stoxx Telecom sank mit minus drei Prozent auf einen Jahrestiefstand.

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