Für Mol, OTP, Richter wird der Inlandsmarkt zu eng
Ungarns Konzerne drängen ins Ausland

Ungarn ist nicht nur ein Land, das ausländische Direktinvestitionen aufnimmt und dadurch seine internationale Konkurrenzfähigkeit stärkt. Es wird zunehmend auch selbst zum Kapitalexporteur. Gerade die führenden Unternehmen drängen über die Grenzen und nutzen die Chance, in Mittel- und Osteuropa zu multinationalen Akteuren zu werden. Das gilt besonders für den Öl- und Gasmulti Mol, der mit dem polnischen Konzern PKN Orlen und der österreichischen OMV um die Marktführerschaft in der Region kämpft.

BUDAPEST. Durch den Erwerb der slowakischen Slovnaft für 650 Mill. $ kam Mol in den Besitz einer Raffinerie in Bratislava sowie eines umfangreichen Tankstellennetzes in der Slowakei, in Südpolen und in Tschechien. Nächster Schachzug war der Kauf von 25 % der Aktien der kroatischen Ölgesellschaft INA. So verfügt die gesamte Gruppe Mol-Slovnaft-INA, zu der auch das ungarische Chemieunternehmen TVK gehört, inzwischen über 2300 Tankstellen in 9 Ländern.

Diese Expansion zeigt, dass die großen Unternehmen aus ihren ungarischen Kleidern herausgewachsen sind. Ihre Größe hat ein kritisches Maß erreicht, das Wachstum innerhalb der Grenzen kaum noch zulässt. Wollen Sie ihre Gewinnmargen und auch ihre Investitionsfähigkeit behalten, müssen sie auf größere Märkte vordringen. Damit vergrößern sie auch ihre Chance, im Kampf mit den Multis aus dem Westen nicht unterzugehen. Ob sie damit tatsächlich vor einer Übernahme durch westliche Akteure gefeit sind, wird sich zeigen.

Seit dem Ende des sozialistischen Systems vor mehr als einem Jahrzehnt haben ungarische Unternehmen mehr als 3 Mrd. Euro im Ausland investiert, davon gut 2 Mrd. Euro in den letzten vier Jahren. Davon entfielen allein auf Mol und die OTP, Ungarns größte Bank, mehr als 800 Mill. Euro. Im Rahmen der ab 1997 beschleunigten Expansion suchte man zunächst eher nach Möglichkeiten in Ländern der EU, konzentriert sich inzwischen aber auf die östliche Hälfte des Kontinents.

Die OTP erwarb im Dezember 2001 die slowakische Investitions- und Entwicklungsbank (IRB), die nach dem Abschluss der Transaktion in OTP Banka Slovensko umbenannt wurde. Nach dem Erwerb dieser zweitgrößten Bank der Slowakei war die OTP auch siegreich im Rennen um die bulgarische Retailbank DSK, bis dato das größte Kreditinstitut des Landes.

Ungarns führender Telefonkonzern Matáv, der mehrheitlich im Besitz der Deutschen Telekom ist, erwarb 2001 als führende Kraft des Konsortiums Stonebridge Communications 51 % der nationalen mazedonischen Fernmeldegesellschaft Maktel. Auf die Frage nach weiteren derartigen Investitionen antwortete Matáv-Chef Elek Straub bislang eher sibyllinisch, man prüfe fortlaufend die Situation in der Region. Ungarns führender Pharmahersteller Richter hat inzwischen Produktionsbetriebe im rumänischen Nagyvarad und in Russland. Wichtigste Transaktion von Richter war aber der Erwerb des polnischen Pharmakonzerns Polfa. Ebenso sind das Chemieunternehmen Pannonplast, der Elektronikhersteller Szeles, die Hotelkette Danubius sowie der Lebensmittelverarbeiter Globus Konzervipari außerhalb Ungarns aktiv.

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