Für neue Mittelstands-Initiative
SAP kauft fremde Software ein

Der Softwarekonzern SAP AG startet eine neue Mittelstandsinitiative, setzt dabei aber erstmals auf ein fremdes Produkt. Nach Informationen des Handelsblatts wird das Unternehmen am Mittwoch die Übernahme einer israelischen Software-Firma bekannt geben.

FRANKFURT/M. Deren Programm soll zu einer neuen Produktlinie neben den bestehenden SAP-Programmen aufgebaut werden. Ein Unternehmenssprecher wollte die Informationen nicht bestätigen, verwies aber auf die heutige CeBIT-Pressekonferenz.

Wie es in unternehmensnahen Kreisen heißt, beschäftigt die israelische Firma rund 80 Mitarbeiter. Sie soll 800 Kunden mit rund 5 000 Nutzern betreuen. Bislang sei die Gesellschaft vor allem in Südamerika, dem Mittleren Osten sowie Teilen Osteuropas aktiv. Die Software gelte als einfach zu installieren und sei zudem bedienerfreundlich.

SAP hat in der Vergangenheit mehrere Mittelstands-Initiativen gestartet, allerdings mit bescheidenem Erfolg. Zwar kann das Unternehmen im oberen Segment durchaus Erfolge vorweisen, weiter unten fehlt es den Walldorfern aber an Akzeptanz bei den Kunden.

Hinzu kommt nach Angaben von Yvonne Genovese von der Gartner-Group ein weiteres Problem: Zwar hätte SAP in den Zentralen der Großkonzerne Erfolg; in den Werken würden aber häufig die einfacheren Produkte der Wettbewerber wie QAD, IFS, Intentia, JD Edwards oder Microsoft Great Plains zum Zuge kommen. Angesichts des wachsenden globalen Erfolgs dieser Wettbewerber müsse SAP reagieren, sagte Genovese.

Auch Aktienanalysten begrüßen die jetzt eingeschlagene Strategie. "Das ist für SAP der einzig gangbare Weg. Ihre eigene Software ist in vielen Fällen für den Mittelstand zu schwerfällig und kostspielig", sagt Friederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank. Dass SAP sich erneut den Mittelstand vornehme, sei richtig. "Beispiele wie die Erfolge der Soft-M mit spezifischen mittelstandsorientierten Branchenlösungen zeigen, dass in dem Markt noch einiges geht", sagt Herkommer.

Die Übernahme des israelischen Unternehmens ist nur ein Teil einer umfassenden Mittelstands-Strategie. Der Vorstand, allen voran Co-Sprecher Henning Kagermann, hat das Thema zur Schlüssel-Initiative erklärt. Seit Jahresanfang wurde eine eigene Unternehmeneinheit "Small and Medium Businesses" (SMB) mit rund 100 Mitarbeitern in Walldorf und im amerikanischen Palo Alto aufgebaut.

Das deutet darauf hin, dass der Mittelstand eine große Bedeutung für die künftige Entwicklung der SAP haben wird. "SAP braucht etwas, um das Wachstum abzusichern", bestätigt Hypo-Vereinsbank-Analystin Herkommer.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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