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Für SAP wird das Geschäft mühsamer

Der Wind, der dem Walldorfer Softwarekonzern SAP entgegen bläst, wird schärfer, das Geschäft mühsamer: Sinkende Umsätze mit Softwarelizenzen, die bisher das große Geld brachten, aber wenig Aufwand kosteten.

rtr WALLDORF. Weniger große Vertragsabschlüsse, zugleich aber weniger Personal, um kleinere Kunden zu beackern. Rund 600 Mitarbeiter könnte SAP noch vor dem Jahresende von der Lohnliste streichen, wenn die Fluktuation in dem Maß weitergeht wie bisher. Ihre Stellen sollen frei bleiben, hat Co-Vorstandssprecher Hasso Plattner angekündigt. Ein "Sturm" sei es, den SAP bestehen müsse, beschrieb er in einem Nebensatz die Lage.

"Fürchterlich" sei das Ergebnis bei den Lizenzumsätzen in den vergangenen drei Monaten, sagte Analyst Derek Browon von SG Cowen Securities in London. 496 Mill. ? erreichte SAP aus dem Software-Verkauf noch, mit 553 Mill. ? hatten Analysten im Mittel gerechnet, 646 Mill. ? waren es im gleichen Quartal des vergangenen Jahres. Das sei ein Zeichen dafür, dass der Markt für betriebswirtschaftliche Software sich nicht so rasch erholen werde, sagte Morgan-Stanley-Analyst Chuck Phillips. "Ich weiß nicht, wie SAP weiter gegen den Strom schwimmen will", fügte er hinzu.

Dass es den Konkurrenten wie Siebel oder Oracle nach eigenem Bekunden nicht besser geht, auch wenn SAP mit seiner Warnung diesmal vorpreschte, ist den Analysten nur ein schwacher Trost. Vor allem das Klima am europäischen Markt habe sich seit Anfang April sukzessive eingetrübt, berichtet Phillips von Gesprächen mit den Unternehmen.

Zwei Millionen hier, zwei Millionen da

Auch SAP-Co-Chef Henning Kagermann sieht den Markt jetzt mit anderen Augen: Die Kunden investierten vorsichtiger und nur mehr Schritt für Schritt. "Dieses Kaufverhalten sehen wir nun als beständiges Merkmal unseres Marktes an", sagte Kagermann. Zwei Mill. hier, zwei Mill. später - statt des Gesamtpaketes für zehn Millionen, beschreibt ein Mitarbeiter die Situation. Diese Beschreibung lässt auch die Analysten zweifeln, dass das Jahres-Endgeschäft in diesem Jahr läuft wie bisher gewohnt. 45 % des Konzernumsatzes entfielen im vierten Quartal 2001 auf Software, weil die Unternehmen ihre Budgets ausschöpften. Während des Jahres machen die Lizenzen 25 % vom Umsatz aus.

In der Konjunkturflaute werden nicht ausgegebene Beträge für Software eher gestrichen. Eine Herausforderung für den Vertrieb von SAP, die Ausgaben vorher abzuschöpfen. In den Kernmärkten - Deutschland, Österreich und Schweiz - gelingt das dem Vernehmen nach bereits, in Schlüsselregionen wie den USA weniger. Deshalb auch hat der erfolgreiche Europa-Vertriebschef Leo Apotheker im Juni auch in Amerika die Verantwortung übernommen.

Mitarbeiterzahl soll um 600 abschmelzen

Bei den verstärkten Anstrengungen muss er allerdings künftig mit weniger Personal auskommen. Hatte SAP im vergangenen Quartal noch 200 Mitarbeiter eingestellt, könnte ihre Zahl von weltweit 29 350 Ende Juni durch den verhängten Einstellungsstopp bis zum Jahresende um 600 abschmelzen. Plattner setzt dabei allein auf natürliche Fluktuation, die zuletzt bei 4,1 % lag.

Wett machen will SAP die rückläufigen Lizenzumsätze mit dem Beratungsgeschäft. Das allerdings ist auch personalintensiv und verspricht geringere Renditen. Analysten glauben erste Erfolge des Sparkurses schon jetzt zu erkennen. "Die Margen waren nicht schlimmer als gedacht", sagte Alla Gorelova von Sal. Oppenheim. "Mich würde es nicht wundern, wenn SAP die 21 % (Rendite) schaffte."

Das Festhalten an dem Renditeziel bedeutet freilich unter dem Strich weniger Gewinn, weil SAP sein Umsatzziel reduziert hat: Bei einer Umsatzsteigerung um fünf Prozent kommen am Ende des Jahres operativ nur 1,62 Mrd. ? heraus statt 1,77 Mrd. ?, bei zehn Prozent Wachstum wären es 1,70 Mrd. ?.

Commerce One wenigstens braucht SAP-Finanzvorstand Werner Brandt künftig kein Kopfzerbrechen mehr zu machen. Bis auf einen Restbuchwert von 22 Mill. ? hat der Konzern die 20-Prozent-Beteiligung an dem Anbieter von Internet-Marktplätzen abgeschrieben. Nach Angaben eines Sprechers beschränkt sich auch die Verbuchung anteiliger Verluste bei Commerce One - das waren in den ersten sechs Monaten nach Analystenberechnungen über 100 Mill. ? - künftig auf maximal diesen Betrag. Dass auch am Jahresende bei SAP wie nach den ersten sechs Monaten rote Zahlen stehen, ist damit nicht zu befürchten.

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