Für und Wider muss jeder für sich und seine Branche abwägen
Jobrotation ist keine Garantie für die große Karriere

Jobrotation - so sagt der Marketing-Manager eines weltweit operierenden Konzerns mit Umsätzen in Milliarden-DM-Höhe - habe ihm den Weg nach oben erleichtert. Er wollte von Anfang an das Unternehmen aus unterschiedlichen Perspektiven kennen lernen, die Vorgehensweise der Verantwortlichen in den einzelnen Bereichen nachvollziehen und Handlungsbedarf einschätzen können.

Sein Weg führte ihn über ein Traineeprogramm ins Controlling eines Werkes, von dort für zwei Jahre in die strategische Unternehmensplanung. Er erhielt dann die Vertriebsleitung eines Geschäftsbereiches, ehe er vor drei Jahren die Gesamt-Marketing-Leitung übernahm. Mit jedem dieser Schritte erklomm er eine Stufe auf der Karriereleiter. Und er sieht sich noch nicht am Ende angekommen, sondern strebt eine Aufgabe in der Geschäftsführung an. Der Marketingmann ist ein Paradebeispiel für erfolgreiche Jobrotation: Man muss sich möglichst viel Wissen aneignen und praktische Kenntnisse in diversen Unternehmensbereichen und Funktionen beweisen, dann ist es eine Frage der Zeit, bis man einen Bereich eigenverantwortlich übernehmen kann.

Aber ist Jobrotation immer wichtig auf dem Weg nach oben? Trifft das wirklich für jede karrierebewusste Führungskraft mit Potential zu? Der Förderung von High-Potentials gilt die besondere Aufmerksamkeit aller Führungsverantwortlichen. Wesentliche Kriterien sind neben einer überdurchschnittlich gut abgeschlossenen Ausbildung Mobilität, Flexibilität und klare Zielvorstellungen. Nicht immer werden diese Attribute durch entsprechend überzeugende Persönlichkeitsmerkmale unterstützt. Unsere Gesellschaft braucht aber insbesondere in der Wirtschaft Persönlichkeiten: mit Verantwortungsbewusstsein und-gefühl, mit Durchsetzungsvermögen - und mit Visionen. Diese werden bei Jobrotation keineswegs gratis mitgeliefert.

Personalentwicklung war lange kein Thema

Wo sind die Vor- und die Nachteile? Wenn wir uns die Vergangenheit anschauen, in der der Erfolg der deutschen Wirtschaft in bedeutendem Maße auf mittelständisch geprägte Unternehmen zurückzuführen war, dann muss man festhalten, dass die Verantwortlichen über viele Jahre in einem Unternehmen und in einer Position tätig und mit dem Unternehmen verwurzelt waren. Erfolge wurden insbesondere dieser Tatsache zugeschrieben. Zugegebenermaßen haben nur wenige Unternehmen sich in überzeugender Weise mit dem Thema Personalentwicklung befasst. Rotation wurde eher nachteilig gesehen, man förderte lieber einseitig Fachkenntnisse.

Wie viele Talente blieben dabei auf der Strecke? Als man entdeckte, dass neben einem erfolgreichen Produkt der Mensch der wichtigste Faktor im Unternehmen ist, wurde der Führungsnachwuchs im Schnelldurchlauf geschult und gefördert. Jobrotationprogramme galten als besonderer Anreiz für qualifizierte Nachwuchsmanager. Nicht nur die interne Rotation durch die Abteilungen, der Einsatz in unterschiedlichsten Niederlassungen im Inland, sondern insbesondere ein oder mehrere gezielte Auslandsaufenthalte, vorzugsweise in schwierigen Märkten, galten als Muss. Möglichkeiten dieser Art wurden bei Personalengpässen gerne als Köder eingesetzt. Aber die Förderprogramme waren immer nur dann erfolgreich, wenn eigene Zielsetzung, persönliche Leistung und Erwartungshaltung des Unternehmens oder der unmittelbaren Vorgesetzten in Einklang zu bringen waren oder gar noch übertroffen wurden.

Jobrotation birgt auch Gefahren

Mittlerweile schlägt das Pendel zurück. Ein übertriebenes Maß an Jobrotation führt dazu, dass niemand mehr verwurzelt ist - weder funktional noch in der Branche. Schenkt man Beratern Glauben, so müssen bei Projektbeginn die Manager der ersten denen der zweiten Ebene eines Unternehmens das eigene Geschäft erklären. Ist das vertretbar? Sicher nicht. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Jobrotation im positiven Fall ein Vorsprung an Wissen bedeutet. Man ist eher in der Lage, Netzwerke auf- und auszubauen, die in der späteren Karriere von Nutzen sein können. Aber es besteht leicht die Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren und ständig über den Dingen zu schweben. Denn in die Wirklichkeit ist man immer nur bedingt eingebunden. Die Auswirkung von Entscheidungen müssen oft die Nachfolger verantworten - im positiven wie im negativen Sinne. So kann es zu kontraproduktiven Entscheidungen kommen - getroffen für die eigene Karriere, was nicht zwangsläufig identisch ist mit Firmeninteressen.

In Zeiten der immer größeren Spezialisierung, insbesondere im Bereich moderner Technologien, ist Rotation kaum mehr möglich, ohne einen Verlust an Spezialisten-Know-how in Kauf zu nehmen. In unserer Wettbewerbsgesellschaft kann das schwerwiegende Negativfolgen haben. Selbstverständlich gibt es Branchen und Dienstleistungen, wie die öffentliche Verwaltung oder das Hotelgewerbe, in denen Rotation bis in die obersten Ebenen ein unabdingbarer Bestandteil der Karriere ist. Doch das Für und Wider muss jeder für sich und mit Blick auf seinen Arbeitgeber und seine Branche abwägen.

Überzeugende Persönlichkeit bleibt mitentscheidend

Jobrotation positiv genutzt erlaubt es, ein Übermaß an Bildung, praktischem Wissen und Erfahrung zu kanalisieren. Mitentscheidend für den Erfolg bleibt aber eine überzeugende Persönlichkeit. Nur dann wird es dem Einzelnen möglich sein, sich anbahnende Veränderungen zielgerichtet in positive Aktionen zu wandeln, visionär zu agieren und Mitarbeiter in überzeugender und pragmatischer Weise mitzureißen und so eigene Erfahrungen weiterzugeben.

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