Für Wartung und Service noch keine fertigen Lösungen
Auf dem Meer ist alles komplizierter

Wer schon einmal mit einem Ausflugsdampfer nach Helgoland gefahren ist, kennt das Problem. Weit draußen vor der Küste ist die See unruhiger als am Festland. Bei starkem Wind oder Sturm baut sich binnen weniger Stunden eine kräftige Dünung mit Wellenhöhen von mehr als zwei oder sogar drei Metern auf - harte Bedingungen, nicht nur für die Ausflügler, sondern für all jene, die dort arbeiten müssen.

DÜSSELDORF. Viele sollen dort vom Jahr 2005 an arbeiten, wenn die ersten Offshore-Windparks in der Deutschen Bucht oder der Ostsee gebaut werden. Bis zu 100 Kilometer sollen die Windradmasten von der Küste entfernt sein. So weit draußen hat bisher noch niemand Windräder errichtet. Die Ingenieure betreten allerdings nicht allein im Hinblick auf den Bau der Offshore-Windparks Neuland. Offen ist bisher auch, wie die zukünftigen Anlagen gewartet werden sollen. Noch kann niemand mit Sicherheit sagen, wie groß der Pflegeaufwand sein und vor allem, was er kosten wird.

Experten vom Germanischen Lloyd und seiner Tochtergesellschaft Germanischer Lloyd Wind-Energie (GL-Wind) in Hamburg gehen davon aus, dass nach Fertigstellung der Windparks - und Errichtung von insgesamt mehreren Hundert Anlagen - Wartungen an jedem Tag mit geeigneten Wetterbedingungen stattfinden werden. "Wenn man die Schlechtwettertage mit Sturm und schwerer See abzieht, bleiben nur etwa 200 Tage pro Jahr übrig", sagt Christan Nath, GL-Wind-Geschäftsführer. "Die wird man allein für die obligatorische Jahresinspektion benötigen."

Am Festland werden Windenergieanlagen bisher halbjährlich gewartet. Selbst wenn es durch technische Verbesserungen gelänge, den Wartungszeitraum auf ein Jahr zu erhöhen, müsste ständig ein Team draußen sein, um die Arbeit überhaupt bewältigen zu können. Nath ist deshalb davon überzeugt, "dass man auf die Errichtung einer stationären Versorgungsplattform im Windparkgebiet letztlich nicht verzichten wird". Unabhängig vom Wetter wäre so ständig Wartungspersonal vor Ort. Nicht allein für die Routineinspektion, sondern vor allem auch für Reparaturen.

Lange Ausfallzeiten kann sich keiner leisten

Auch Heiko Wuttke, Offshore-Vertriebsleiter beim Bremer Windradhersteller AN Windenergie, hält die Errichtung von Versorgungsplattformen nach Bohrinselvorbild für realistisch: "Schließlich muss nicht nur das Personal vor Ort sein. Auch Ersatzteile sollten in Windparknähe gelagert werden - Getriebe oder Rotorblätter etwa." Denn Zeit ist Geld.

Lange Ausfallzeiten, weil ein Ersatzteil erst vom Festland herantransportiert werden muss, kann sich niemand leisten. "Derzeit werden bereits Umspannwerke für den Einsatz in den Windparks geplant", sagt Wuttke, "da liegt es nahe, die Umspannplattformen gleich etwas größer zu dimensionieren und Unterkünfte sowie Lagerkapazitäten vorzusehen."

AN Windenergie gehört zu jenen Herstellern, die bereits Offshore-Erfahrung gesammelt haben. So errichtete das Unternehmen gemeinsam mit dem dänischen Hersteller Bonus Energy im Ostseewindpark "Middelgrunden" wenige Kilometer vor dem Kopenhagener Hafen vor zwei Jahren 20 Rotoren. Mit den Hochseebedingungen weit draußen auf dem Meer sei das aber nicht ganz vergleichbar, räumt Wuttke ein.

Pläne für "Windparktender" liegen in der Schublade

Kritiker geben inzwischen zu bedenken, dass die Offshore-Idee schließlich am hohen Wartungsaufwand scheitern könnte. Optimistischere Experten stellen sich den Herausforderungen. "Entscheidend für eine effektive Wartung ist im Grunde, das Personal schnell und auch unter schlechten Wetterbedingungen auf die Windräder zu bringen", sagt Thomas Haake, Sales-Manager der Schiffswerft Abeking & Rasmussen in Lemwerder bei Bremen.

Für diese Aufgabe hat das Unternehmen ein Versorgungsschiff kreiert. Die Pläne für den "Windparktender" liegen bereits in der Schublade. "Natürlich könnte man auch Helikopter benutzen, um die Techniker auf den Windrädern abzusetzen", sagt Haake, "diese Einsätze sind aber auf Dauer sehr kostspielig und bei starkem Wind auch gefährlich." Bei dem neuartigen Wasserfahrzeug handelt es sich um ein so genanntes Swath-Schiff (Small Waterplane Area Twin Hull), ein Gefährt mit einem Spezialrumpf, das äußerst stabil im Wasser liegt. Im Vergleich zu anderen Schiffen rollt und stampft es bei schwerer See kaum. Somit eignet es sich hervorragend, um Personal auch an stürmischen Tagen auf den Windradmasten abzusetzen.

Das Swath-Boot ähnelt einem Katamaran. Anders als bei den herkömmlichen Doppelrumpfbooten befinden sich die beiden Schwimmkörper aber unter der Wasseroberfläche und gleiten wie zwei Torpedos dahin. Sie liegen so tief im Wasser, dass sie von den Wellen nicht erreicht werden. Das eigentliche Schiff ist durch je zwei Stelzen mit den Schwimmkörpern verbunden. Damit durchschneidet es das Wasser geradezu. Seit drei Jahren werden Swath-Schiffe in der Deutschen Bucht als Lotsenboote eingesetzt. Im Dauereinsatz erwiesen sie sich tatsächlich als deutlich seefester als andere Schiffe.

Bis dato hat keiner eine Lösung

Um Schäden an den Masten durch versehentliche Kollision mit dem Windparktender zu vermeiden, sollen die Swaths verhältnismäßig klein sein. Ersatzteile und schweres Arbeitsgerät müssten deshalb mit größeren Schiffen herantransportiert werden. Christian Nath geht davon aus, dass sich dafür die altbewährten Bohrinselversorger eignen - seetüchtige Schiffe mit langem Arbeitsdeck. Um die Ersatzteile auf die Windräder zu hieven, sollen die Offshore-Mühlen schließlich mit bordeigenen Arbeitskränen ausgestattet werden, die sich bei Bedarf ausklappen lassen. Auf schwerfällige Schwimmkräne könnte so verzichtet werden, was den Wartungs- oder Reparaturaufwand wiederum verringert.

Wie die Offshore-Anlagen letztlich gewartet und repariert werden sollen, weiß bis dato aber noch niemand ganz genau. "Viele Fragen sind noch offen", resümiert Heiko Wuttke, "wer Offshore-Anlagen weit draußen in der Nordsee plant, gehört derzeit zweifellos zur technologischen Avantgarde."

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