Fundamentaldaten geben der Biotechnologie weiteren Spielraum nach oben
Biotech-Aktien bleiben auch für Profis ein schwieriges Terrain

Nach langer Durststrecke konnten Biotech-Investoren in den vergangenen Wochen endlich wieder einmal aufatmen. Ob mit dem jüngsten Kursplus von mehr als 50 % beim Nemax-Biotech-Index und einem Zuwachs von gut 20 % beim Nasdaq-Biotech-Index bereits eine generelle Trendwende eingeleitet ist, bleibt indes schwierig zu beurteilen.

HB FRANKFURT/M. Experten zeigen sich überwiegend vorsichtig optimistisch. Sie sehen fundamental weiteren Spielraum nach oben, kurzfristig aber auch weitere Unsicherheit auf Grund der generellen Nervosität an den Märkten.

Christa Bähr etwa, die das Life Science Team der ehemaligen DG Bank leitet, sieht nach wie vor ein attraktives Einstiegsniveau, "vor allem bei Unternehmen mit guter Marktposition solider Finanzierung, bei denen die Gewinnzone in nicht zu großer Entfernung ist". Ihre Analysten empfehlen derzeit Eurofins , Lion, Rhein Biotech , Qiagen und Biotissue zum Kauf. Auch für die Nasdaq bleibt die Biotech-Expertin positiv gestimmt, insbesondere bei Unternehmen mit aussichtsreichen Produkten und positiven Nachrichten. Was relative Bewertungsdifferenzen betrifft, gehen die Meinungen allerdings zum Teil auseinander: Die DG Bank attestiert deutschen Biotechaktien nach wie vor Nachholbedarf gegenüber der US-Konkurrenz. Im Widerspruch dazu betrachtet der Münchner Fondsberater Michael Fischer amerikanische Firmen, vor allem solche mit Produkten in fortgeschrittener Entwicklung, als tendenziell attraktiver.

Fischer verweist zudem auf Erfahrungen, wonach der Biotech-Sektor in Krisensituationen zunächst stark unter Druck gerät, nach einigen Monaten aber die stabile Performance des Pharmasektors wieder übertrifft. Das scheint sich auch diesmal zu bestätigen. Das zeigt aber auch, wie stark die Aktien der Branche noch immer von psychologischen Faktoren beeinflusst werden - ein Umstand, der die Biotechnologie auch für Profis zu einem schwierigen Terrain macht. Ein Beleg dafür ist die vergleichbar schwache Performance der meisten Biotech-Fonds.

So schafften es sowohl über einen Zeitraum von einem Jahr als auch auf kurze Sicht nur ganz wenige Fonds, den Nasdaq - oder Amex-Biotech-Index zu schlagen. Auch die Analysten der Investmentbanken verfügen nur über begrenzten Einfluss. Obwohl zum Beispiel Goldman Sachs bereits Anfang September mit deutlichen Worten auf eine Unterbewertung vieler europäischer Biotechaktien verwies, geriet der gesamte Sektor nach dem 11. September zunächst besonders stark in der Sog der allgemeinen Konjunkturängste. Und als Begründung für die nachfolgende Korrektur musste an der Börse später die wachsende Furcht vor biologischen Terrorangriffen herhalten. Beide Faktoren haben mit der fundamentalen Entwicklung der Branche kaum etwas zu tun: Eine Rezession im Gesundheitssektor ist nicht zu sehen.

Und die Vorsorge gegen den Bio-Terrorismus wird bestenfalls einigen wenigen Firmen direkt zu Gute kommen. Was ihre generelle Rolle im Pharmageschäft betrifft, präsentiert sich die Branche weiter in starker Verfassung. Daten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppe Ernst & Young zufolge verfügt die Biotech-Industrie derzeit über gut 300 Produkte in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklung und damit über eine solide Basis für weiter deutlich zweistelliges Umsatzwachstum.

Zwar hat die extrem vorsichtige Haltung der US-Zulassungsbehörde FDA im ersten Halbjahr vielfach einen Schatten auf die Chancen und Zeitpläne für Neueinführungen geworfen. Einige jüngere Entscheidungen zeigen jedoch klar, dass kein ein Moratorium bei Zulassungen droht. Auch hat die Pharmaindustrie nach wie vor Appetit auf erfolgreiche Neuentwicklungen aus dem Biotechsektor. Zumindest auf längere Sicht dürften diese Faktoren ihren Einfluss auf die Bewertung nicht verfehlen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%