Fundamentaldaten gewinnen Oberhand: Finanzmärkte haken Krieg ab

Fundamentaldaten gewinnen Oberhand
Finanzmärkte haken Krieg ab

Wenn Euro, Gold, Aktien- und Anleihekurse ausschlagen, dann wird dafür seit Wochen der Irak-Krieg verantwortlich gemacht. Doch das Bild "schnelles Kriegsende beflügelt die Börsen" bekommt Risse. Nur noch kurzzeitig vermochten gestern Eilmeldungen von Auflösungserscheinungen der irakischen Führung und Berichte, wonach Amerikaner weite Teile Bagdads kontrollierten, die Aktienkurse zu beflügeln. Rasch verpufften die Gewinne wieder. Zudem hielten sich Krisenanlagen wie Gold und der Euro stabil.

DÜSSELDORF. Investmentstrategen warnen davor, weiter mit steigenden Kursen zu rechnen, wenn die Amerikaner zunehmend die Kontrolle über Bagdad gewinnen. "Nun wird sich wieder auf die Fundamentaldaten konzentriert", ist sich Larry Wachtel von Prudential Securities sicher. Grund für die Blick-Verlagerung: Der Krieg läuft wie erwartet, die Wirtschafts- und Unternehmensdaten fallen dagegen schlechter aus als prognostiziert. "Der Optimismus, dass der Krieg im Irak bald zu einem Ende kommt, wird zunehmend von Sorgen über die weitere konjunkturelle Entwicklung und die Gewinnsituation der US-Konzerne abgelöst", sagte Helaba - Stratege Christian Schmidt.

Sichtbar wurde die Hinwendung zu harten Unternehmensfakten erstmals am Montag. Während Europas Märkte ausgelassen das Vorrücken der Truppen auf Bagdad feierten und der Dax zeitweise 6 % in die Höhe schnellte, machte sich in den USA Ernüchterung breit. Nach wiederholten Siegesmeldungen der US-Truppen nahmen Anleger Gewinne mit: Schlechte Arbeitsmarktdaten und Stimmungsindikatoren der Verbraucher und Firmenmanager gewannen die Oberhand und zehrten Tagesgewinne im Dow-Jones- Index von über 200 Punkten auf.

Am Dienstag gaben die US-Märkte für Europa die Richtung vor: Schlechte Firmenprognosen dominierten die Stimmung und drückten die Börsen trotz vorrückender US-Truppen im Irak nach unten. Gestern zogen schlechte Zahlen des Chipherstellers Microchip Technology weite Teile des Technologie-Sektors ins Minus. Die Gewinnwarnung der Lufthansa sorgte zeitweise für mehr Aufmerksamkeit als die Entwicklung im Irak.

Ganz dürfte der Irak-Krieg seinen Einfluss auf die Märkte allerdings noch nicht verlieren. "Verzweiflungstaten der Iraker, Selbstmordattentate und Terroranschläge können die Börsen rasch um 10 % nach unten drücken", sagt der Aktienresearchleiter der ING BHF-Bank, Kai Franke. Auf der anderen Seite sehen Investmentstrategen noch Potenzial nach oben: "Die letzten Investoren werden auf den Börsenzug aufspringen, wenn der Krieg wirklich zu Ende geht oder Saddam Hussein gefangenen genommen oder getötet wird", sagt HSBC-Stratege Volker Borghoff. Er sieht den Dax bis auf 3 000 Punkte steigen. Viel mehr Luft nach oben gibt er der Börse aber nicht. Dafür seien die Gewinnerwartungen bei den Unternehmen und das Wirtschaftswachstum in Deutschland mit knapp 0 % im laufenden Jahr - "unabhängig vom Ausgang des Krieges" - zu schlecht. Borghoff: "Anders als nach dem Irak-Krieg 1991 wird diesmal das Kriegsende nicht der Beginn einer neuen Hausse. Vielmehr ergeben sich dann gute Ausstiegskurse."

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