Furcht vor milliardenschweren Konzernen wächst – Schon starke Basis in Großbritannien
US-Autoketten könnten Europas Kfz-Handel aufrollen

Von den deutschen Automobilherstellern wird eine Gruppe potenzieller Gegner besonders gefürchtet: die großen, milliardenschweren Autohandelsketten aus den USA.

zel/ajo STUTTGART/DÜSSELDORF. Autonation aus Florida bringt es mit 30 000 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von 30 Mrd. $, die United Auto Group (UAG) ist mit einem Umsatz von gut 6 Mrd. $ immerhin noch größer als Porsche.

"Sollten diese Unternehmen jetzt massiv auf den europäischen Markt drängen, könnten wir echte Probleme bekommen", sorgt sich ein Vorstandsmitglied eines deutschen Automobilherstellers. Autonation und UAG sind mit den Dimensionen des mittelständisch geprägten europäischen Autohandels überhaupt nicht vergleichbar - an der Börse notierte Großkonzerne stehen Familienunternehmen gegenüber.

Die milliardenschweren US-Ketten hätten vor allem das Potenzial, sich gegenüber den Autoherstellern zu behaupten. Bislang sind die Machtverhältnisse in Europa eindeutig: Der kleine Autohändler auf dem Land hat kaum eine Chance gegen die Großkonzerne aus Stuttgart, München und Wolfsburg.

UAG und Autonation unterscheiden sich auch noch in einem anderen Punkt von ihren europäischen Handelskollegen: In Deutschland oder Italien sind die meisten Handelsunternehmen ausschließlich einem einzigen Hersteller oder gar nur einer einzigen Marke zugeordnet. Wechsel gibt es selten, in Europa halten die Hersteller meistens langjährige Beziehungen zu ihren ausgewählten Händlern.

Den großen US-Ketten sind Kontakte zu einem einzigen Hersteller viel zu wenig. Sie brauchen alle Automarken, um auf ihre milliardenschweren Umsätze zu kommen. Deshalb gibt es bei UAG- und Autonation-Betrieben alles: amerikanische Autos, japanische Marken und natürlich auch Produkte aus Deutschland.

Ganz ist die Sorge nicht von der Hand zu weisen, die finanzstarken US-Ketten könnten sich jetzt massiv in Europa ausbreiten. Denn allen voran UAG hat bereits eine starke Basis auf dem europäischen Automarkt. Die Amerikaner haben in den vergangenen Jahren fast 50 Betriebe in Großbritannien zusammengekauft, der Sprung auf den europäischen Kontinent fiele nicht mehr sonderlich schwer.

Im Vorgriff auf die europäische Liberalisierung des Autohandels hat sich UAG im Frühjahr in Deutschland eingekauft: In Hessen ist das Unternehmen ein Joint Venture mit einem Toyota-Betrieb eingegangen. Wahrscheinlich ist das der erste Schritt, Zukäufe könnten folgen.

Die finanzielle Stärke besäße der US-Konzern ohne Zweifel. "Ich bin extrem zufrieden mit einem weiteren Quartal mit Rekordumsätzen", sagte UAG-Chef Roger Penske vorgestern bei der Veröffentlichung der Drei-Monats-Zahlen. Der Umsatz ist um 25 % gestiegen, der Ertrag um 78 %.

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