Furcht vor neuen Terroranschlägen in den USA
Alcatel-Kurssturz belastet Technologieaktien

Am Morgen war die Welt für die Börsianer noch in Ordnung: Nach einem rabenschwarzen Dienstag eröffneten die meisten europäischen Börsen am Mittwoch im Plus. Doch die Zuwächse bröckelten schon bald wieder ab. Als die US-Börsen nachmittags ebenfalls positiv starteten, steuerten der DJ-Euro-Stoxx-50 Index und der Deutsche Aktienindex (Dax) zunächst noch kurz in Richtung Gewinnzone. Doch nach Bekanntgabe "durchwachsener" US-Konjunkturdaten setzten sich erneut die Pessimisten durch.

tmo/Reuters FRANKFURT/M. Der DJEuro-Stoxx 50 schloss bei rund 2928,94 um 2,34% schwächer. Der Dax lag zum Schluss um 1,38 % niedriger bei 4138,15. Technologie- und Telekomkonzerne mussten hohe Kursverluste hinnehmen. Ein Grund war laut Händlern die wachsende Sorge um eine Kreditklemme für hoch verschuldete Konzerne. Dazu zählen z.B. die beiden französischen Großunternehmen Alcatel und Vivendi Universal.

Aktien des Telekomausrüsters Alcatel verloren zeitweise 19 %, weil Investoren eine Herabstufung der Bonität durch Ratingagenturen fürchten. Alcatel schlossen dann um 16 % niedriger. "Ein Zeitungsbericht deutet an, dass Alcatel nächstes Opfer sein könnte", so ein Pariser Händler. Die Zeitung La Tribune hatte berichtet, die niedrige Notierung von Alcatel-Anleihen könne zum Problem werden, wenn der Konzern einen Teil seiner Schulden refinanzieren müsse. Vivendi Universal schlossen um 21,9 % schwächer auf dem niedrigsten Niveau seit 14 Jahren. Die Titel des Medienkonzerns haben in diesem Jahr 76 % eingebüßt.

Allgemeine Bilanzsorgen drückten die Vodafone-Aktie um 6,4 % auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren. Das Unternehmen erklärte, spezifische Befürchtungen um die Bilanz des weltgrößten Mobilfunkkonzerns seien ihm nicht bekannt. Allerdings gilt Vodafone seit längerem als Kandidat für eine massive Abschreibung von Goodwill. Denn nach der Übernahme von Mannesmann haben die Briten immaterielle Vermögenswerte weit über ihrem aktuellen Marktwert in der Bilanz stehen.

Infineon verlor zwischenzeitlich mehr als 8 Prozent

In Frankfurt fielen Metro, MLP und TUI stark zurück. Unter Gewinnwarnungen der US-Konkurrenz litten Epcos, Infineon und SAP. Der Halbleitersteller Infineon verlor zeitweise mehr als 8 %. Zum Schluss verblieb dann ein Verlust von etwa 3 %. Grund: Der US-Konzern AMD hatte seine Umsatzprognose zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen gekappt. "Da wird Infineon sofort in Sippenhaft genommen", sagte ein Händler der Privatbank HSBC Trinkaus. Bei SAP belastete die Umsatzwarnung des US-Konkurrenten i2. "Es ist ironisch, dass SAP wegen i2 fällt, weil es i2 gerade wegen SAP schlechter geht", sagte der Aktienstratege einer deutschen Großbank. Die Deutschen hätten den Amerikanern Marktanteile abgejagt.

Als Belastungsfaktor nannten Händler auch die Furcht vor neuen Terroranschlägen am heutigen Unabhängigkeitstag in den USA. Hinzu kamen durchwachsene US-Konjunkturdaten: So fiel die Zahl der Arbeitslosenanträge in den Vereinigten Staaten unerwartet niedrig aus. Dagegen ging der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe stärker zurück als von Volkswirten prognostiziert.

Positiv stachen an den Börsen erneut die so genannten defensiven Aktien hervor. Zu den Tagessiegern zählten wie bereits am Vortag der Konsumgüterhersteller Henkel und der Pharmakonzern Schering. Beide Aktien gelten als vergleichsweise unempfindlich gegenüber Konjunkturschwankungen. Zudem bekräftigte Schering nach Angaben des HSBC-Händlers erneut, an seinen Jahresprognosen festzuhalten. In London zählten Tabak- und Energieversorger--Aktien zu den Tagessiegern. Imperial Tobacco und Gallaher verbuchten kräftige Zuwächse. Gleiches galt für den Hedge-Fund-Anbieter Man Group plc.

Versicherungsaktien stemmten sich gegen den Trend. Kurszuwächse von 13,7 % bzw. 2,9 gab es bei Swiss Life und Baloise. Die Schweizer Versicherer profitierten von Plänen der Regierung, die Mindestverzinsung von Pensionsplänen zu senken. Münchener Rück profitierten nicht von dieser Entwicklung.

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