Furcht vor US-Militäraktionen belastet Aktienmärkte
Der Dax fällt auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren

Die Furcht vor militärischen Vergeltungsaktionen der USA und ihrer möglichen Auswirkungen auch auf den Nahost-Konflikt haben an den Finanzmärkten am Freitag erneut zu hektischen Kursausschlägen geführt.

rtr/dpa FRANKFURT. Der pan-europäische Aktienindex FTSE Eurotop 300 gab bis zum Abend um gut fünf Prozent auf knapp 1 080 Punkte und damit den tiefsten Stand seit Ende 1998 nach. In Deutschland sackte das Börsenbarometer Dax um rund 6,29 Prozent auf unter 4 115 Punkte.

Zu den größten Verlierern gehörten die Aktien von Fluggesellschaften. Für die erwartete Wiederaufnahme des Handels an den New Yorker Börsen am Montag rechnen Experten mit einem Kursrutsch um bis zu fünf Prozent. Wegen der Furcht vor Militärschlägen legten auch die Preise von Gold und Rohöl zu, der Dollar fiel zum Euro auf den tiefsten Stand seit März.

Nach Angaben von Händlern hat die wachsende Furcht vor Militäraktionen die Aktienkurse nochmals einbrechen lassen. "Es ist fürchterlich. Niemand will angesichts drohender Militäraktionen über das Wochenende Handelspositionen halten", sagte ein Händler. In Frankfurt verwiesen Börsianer ebenfalls auf die Angst vor Militärschlägen. Europaweit gehörten die Aktien von Fluggesellschaften zu den größten Verlierern, da die Konzerne wirtschaftlich stark unter der andauernden Unterbrechung des Flugverkehrs von und in die USA leiden.

An den Finanzmärkten werden die Belastungen durch strengere Sicherheitsvorkehrungen und Einschränkungen im Flugverkehr für die Flugbranche in aller Welt auf bis zu zehn Milliarden Dollar geschätzt. In Deutschland brach die Aktie der Lufthansa um gut ein Zehntel auf 11,20 Euro und damit den tiefsten Stand seit April 1997 ein. Die Anteilsscheine des Konkurrenten British Airways stürzte an der Londoner Börse um 16 Prozent auf 165 Pence ab. Die Aktie der italienischen Gesellschaft Alitalia verlor ebenfalls fast ein Zehntel an Wert.

Aktien von Unternehmen aus der Energiebranche behaupteten sich besser, die Aktie von BP legte zeitweise um ein Prozent auf 555 Pence zu, rutschte später aber auch ins Minus.

Die Aktien der Swiss Air gaben in Zürich bis zum Abend 5,03 Prozent auf 58,50 Schweizer Franken ab. Damit war der Anteilsschein so billig wie zuletzt vor zehn Jahren. Der Schweizer Leitindex verlor ebenfalls. Er sank um 4,73 Prozent auf 5.628,30 Punkte. Neben den Anschlägen hätten die finanziellen Probleme der Airline den Kurs in den Keller gedrückt, sagten Händler.

Unter Verkaufsdruck standen auch die British Airways -Aktien, die um 15,82 Prozent auf 165,00 Pence einbrachen. Air France verloren 10,37 Prozent auf 10,98 Euro.

Händler begründeten die Kursentwicklungen auch mit der Verunsicherung an den Märkten vor der Wiedereröffnung der New Yorker Aktienbörsen, die für Montag vorgesehen ist. Die Wall Street und die Technologiebörse Nasdaq sind seit Dienstag geschlossen. Für die Wall Street, die in der Nachbarschaft des zerstörten World Trade Center liegt, ist dies die längste Handelspause seit dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Händler sagten, die Stimmung sei natürlich schlecht. "Es wird nicht leicht sein, in die Wall Street zurückzukehren und Bilder wie im Krieg zu sehen", sagte Peter Cardillo von Westfalia Investments.

Analysten gehen davon aus, dass sich durch die Handelspause die erste Panik bei Investoren als Folge der Anschläge bereits wieder gelegt hat. "Die erste Reaktion dürfte negativ sein, aber ich denke nicht, dass dies lange anhalten wird", sagte Cardillo. Fondsmanager in London gehen von einem Kursrückgang in New York um vier bis fünf Prozent aus, andere Börsianer rechnen mit Minus zwei bis drei Prozent. Einige Experten halten aber auch eine durch Patriotismus der Investoren angefachte kleine Kursrally an der Wall Street für denkbar. Nach Einschätzung von Experten sind bei einigen Titeln wie etwa Fluggesellschaften jedoch deutliche Abschläge zu erwarten, während Titel aus den Branchen Bau und Baumaterialen zulegen dürften.

Der US-Dollar fiel im Vergleich zum Euro auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten, der Euro notierte am Abend mit rund 0,9210 Dollar um rund einen Cent über dem New Yorker Vortagesschluss. Auch am Goldpreis war die Verunsicherung abzulesen, der Preis für die Feinunze stieg in London zum Fixing um 4,25 Dollar auf 284,50 Dollar. Ein Barrel Öl (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im November verteuerte sich am Nachmittag um 1,33 Dollar auf 29,70 Dollar. Anleger steuerten ihre Mittel außerdem verstärkt in fest verzinsliche Wertpapiere. Händler begründeten die steigenden Preise unter anderem mit der Erwartung, dass die US-Notenbank Fed bald die Leitzinsen senken werde, um die US-Konjunktur nach den Anschlägen zu stützen. In Europa lag der richtungweisende Bund-Future am Abend mit 108,93 Zählern mit 41 Ticks im Plus.

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