Furiose Aufholjagd der SPD läßt Teufel alt aussehen
Bei Wahl in Baden-Württemberg ist alles drin

afp STUTTGART. Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) kann die Erfolgsdaten seines "Musterländles" im Schlaf herunterbeten: Die niedrigste Arbeitslosenquote, in Wirtschaft und Wissenschaft das führende Land und "eine der ersten Adressen in Europa und der Welt", beschwört der 61-Jährige die Wähler auf den Veranstaltungen für die Landtagswahlen am 25. März.

Doch dem Wahlvolk scheint der Glaube abhanden gekommen zu sein: Nach einer Umfrage sind zwar 63 Prozent der Bürger zufrieden mit der Arbeit der schwarz-gelben Koalition in Stuttgart, gleichwohl wünschen sich aber 47 Prozent einen Regierungswechsel. Den Meinungsforschern von Infratest Dimap zufolge ist der Wahlausgang völlig offen; von einer schwarz-gelben Neuauflage über eine große Koalition bis hin zur schwarzen Ampel, der "Schwampel", ist alles drin.

Die SPD, die bei den Wahlen 1996 noch mit 25,1 Prozent historisch schlecht abschnitt, legte laut Infratest gegenüber der Januar-Umfrage von 32 auf 35 Prozent zu. Die CDU (1996: 41,3) verlor von 40 auf 39 Prozent, die FDP (1996: 9,6) hielt sich bei zehn Prozent und die Grünen (1996: 12,1) verloren im Vergleich zu Ende Januar von zehn auf acht Prozent. Die rechtsextremen Republikaner (1996: 9,1) kämen mit fünf Prozent zum dritten Mal in Folge in den Landtag.

Situation bestürzend

Für die CDU, seit mehr als 40 Jahren an der Macht, ist die Situation bestürzend: Teufel ist seit zehn Jahren Ministerpräsident und auf ihn ist der Wahlkampf zugeschnitten. Doch der farblose Sachwalter, der dem Spott der Sozialdemokraten zufolge "im Zeitalter des Inlineskating noch Politik in Wanderstiefeln macht", hat es gleich mit zwei ernst zu nehmenden Gegnern zu tun. Zum einen muss Teufel nach eigenen Worten gegen das "verheerende Bild" seiner Bundespartei ankämpfen. Und zum anderen stiehlt ihm die 36-jährige, frisch und unverbraucht wirkende SPD-Herausforderin Ute Vogt oft die Schau.

Im vergangenen Sommer erst wurde die damals im Land weithin unbekannte Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses zur SPD-Spitzenkandidatin gekürt. Nach einer furiosen Aufholjagd lässt sie Teufel jetzt alt aussehen: Laut Infratest können sich drei Wochen vor der Wahl immerhin schon 57 Prozent der Bürger die junge Vogt als gute Landesmutter vorstellen. Teufel schnitt zwar bei der Sachkompetenz besser ab als Vogt, wurde von ihr aber überflügelt bei sozialer Einstellung, Ideenreichtum und sympathischem Auftreten.

Fällt die CDU bei den Wahlen am 25. März deutlich unter 40 Prozent und ist die von Teufel gewollte Neuauflage der schwarz-gelben Koalition nicht mehr möglich, dann sind seine Tage als Ministerpräsident gezählt. "Die Nachfolgedebatte würde noch am Wahlabend losgetreten", sagt ein CDU-Mitglied. Es wäre die Stunde des Chefs der CDU-Landtagsfraktion Günther Oettinger. Der 47-jährige Parteistratege wartet schon lange auf das Teufel-Erbe und hat im Gegensatz zum konservativen Landesvater keinerlei Berührungsängste anderen Parteien gegenüber; Oettinger wäre selbst für eine "Schwampel" zu haben - ein Bündnis gemeinsam mit FDP und Grünen. Darum wird allerdings auch Ute Vogt buhlen. Ihr ist eine Ampel nach eigenem Bekunden allemal lieber, als die Neuauflage der großen Koalition von 1992.

Doch bis zum amtlichen Wahlergebnis bleibt alles Kaffeesatzleserei: Selbst die Prognosen der Meinungsforscher können daneben liegen - wie bei der Landtagswahl 1996. Damals sagte Infas für die CDU 44 Prozent voraus, Allensbach sah sie gar mit 46,5 Prozent vorn, doch gewählt wurde die CDU nur mit 41,3 Prozent. Den Sozialdemokraten verhieß Infas damals 30 Prozent, Allensbach 29 Prozent, doch die SPD rutschte mit 25,1 Prozent in den Keller. Und die Reps, die alle unter der Fünf-Prozent-Hürde sahen, triumphierten mit 9,1 Prozent. Seitdem will Teufel "keine Umfragen mehr gewinnen, sondern Wahlen". Der "Genosse Trend" spricht derzeit zwar gegen ihn, doch verloren hat Teufel längst noch nicht.

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