Furioser Lauf nach schwachem Springen - Erste Kombi-Medaille seit 14 Jahren: Deutsche Kombinierer stürmen zu Silber

Furioser Lauf nach schwachem Springen - Erste Kombi-Medaille seit 14 Jahren
Deutsche Kombinierer stürmen zu Silber

Mit einer sensationellen Laufleistung haben sich Deutschlands Kombinierer ihre erste Olympia-Medaille seit 14 Jahren gesichert. Im Team-Wettbewerb machte Schlussläufer Ronny Ackermann nur 7,5 Sekunden hinter dem erschöpft zusammenbrechenden Doppel-Olympiasieger Samppa Lajunen die Silbermedaille hinter Finnland perfekt.

HB/sid/dpa SOLDIER HOLLOW. Das nur von Position fünf nach dem Springen in die Loipe gegangene Quartett gewann das erste Edelmetall seit Calgary 1988.

"Alle waren super locker beim Lauf und haben das Maximale rausgeholt. Wir wollten Bronze, jetzt haben wir Silber und sind überglücklich. Da bleibt kein Gedanke an das vielleicht verpasste Gold wegen der Sprungleistungen", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt), Georg Hettich (Rohrhardsberg), Marcel Höhlig (Oberhof) und Ackermann fielen sich im Ziel überglücklich in die Arme und tanzten durchs Stadion von Soldier Hollow. Schlussläufer Ackermann hatte im Zielspurt noch seinen Rivalen Felix Gottwald und damit Österreich auf den Bronzeplatz verwiesen. "Diesen Moment sollten wir genießen. Mit Silber konnten wir nicht rechnen. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Ich wusste, wenn ich an dem letzten Anstieg nicht mehr als 20, 30 Meter auf Gottwald verliere, habe ich auf den letzten 100 Metern eine Chance", sagte Ronny Ackermann, der genau eine Woche nach seiner bitteren Niederlage gegen den Österreicher den Spieß umdrehte. Im Einzel-Wettbewerb hatte Gottwald ihm Bronze vor der Nase weggeschnappt, doch diesmal bewies der Thüringer das bessere Stehvermögen. "Wir sind überglücklich und werden feiern", sagte der Vierte der Einzelkonkurrenz.

In der Loipe zeigten die Deutschen das eingeforderte "Feuer"

In der Stunde seines größten Triumphs als Chefcoach dachte Weinbuch auch an den letztjährigen Sprint-Weltmeister Marko Baacke, dem nach einem schweren Sturz eine Niere und die Milz entfernt werden mussten: "Die Medaille haben wir auch für Marko gewonnen." Das deutsche Quartett war als Fünfter des Springens (Weinbuch: "Das waren brave Sprünge, aber damit gewinnst du nichts") mit einer schlechten Ausgangsposition in die 4x5-km-Langlaufstaffel gegangen. Finnland nahm 1:51 Minuten Vorsprung in die Loipe.

Doch in der Langlaufspur zeigten die Deutschen endlich das vom Bundestrainer eingeforderte "Feuer". Der erst 19-Jährige zweifache Junioren-Weltmeister Kircheisen "kassierte" als Startläufer schon nach einem Kilometer den viertplatzierten Japaner Kenji Ogiwaramachte und machte noch auf der ersten 5 km-Schleife den 17 Sekunden- Rückstand auf die nach dem Springen drittplatzierten Amerikaner wett. Der Olympia-Fünfte im Einzelrennen lief wie entfesselt, machte auf den führenden Finnen Jari Mantila eine Minute gut und übergab mit einem Rückstand von nur noch 49,7 Sekunden auf Spitzenreiter Finnland an dritter Stelle liegend an Hettich. "Ich musste voll auf Angriff gehen und das ist mir gelungen. Woher ich die Kraft genommen habe, weiß ich auch nicht", staunte der Sachse nach seinem Rennen.

Ackermann konterte Gottwalds Angriff erfolgreich

Auch der Schwarzwälder Hettich, der vorher als Achillesferse des deutschen Quartetts galt, ging bis an die Leistungsgrenze und rehabilitierte sich für seine schwächere Vorstellung auf der Schanze. Er nahm dem Amerikaner Bill Demong zehn Sekunden ab und übergab mit nur noch 15 Sekunden Rückstand auf die zweiplatzierten Österreicher an Höhlig, der auf seiner Schleife mit einem fulminanten Antritt Mario Stecher überholte und die DSV-Staffel erstmals auf Platz zwei brachte. "Gestern beim Springen hatte ich noch ein Kopfproblem, aber heute wollten wir Reinkeulen, was geht", meinte Höhlig. Mit weißem Piratenkopftuch hatte er nach drei Kilometern das Austria-Team eingeholt und brach anschließend völlig erschöpft zusammen: "Ich bin zur richtigen Zeit richtig schnell gewesen. Björns Ski waren traumhaft."

Auf dem letzten Abschnitt holte der Österreicher Gottwald wie schon im Einzelrennen Ackermann ein und ließ ihn bei einem Abstieg stehen. Doch der Gesamtweltcup-Zweite konterte und lief jubelnd ins Ziel: "Ich wusste genau, wo Gottwald antritt. Dann habe ich ihn mir noch gegriffen."

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