Furse: Keine Rückkehr zu iX
LSE streckt Fühler nach Frankfurt aus

Trotz der positiven Ergebnisse des ersten Halbjahrs standen bei der gestrigen Präsentation der Londoner Börse strategische Fragen im Vordergrund. Teilnehmer bekamen den Eindruck, als hätte sich die LSE von ihrem Scheitern im Kampf um die Terminbörse Liffe noch nicht richtig erholt.

fs LONDON. Die Londoner Börse (LSE) schließt eine Verbindung mit der Deutschen Börse für die Zukunft nicht aus. Chief Executive Clara Furse sagte bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in London, man sei in Gesprächen mit mehreren Parteien, um das Ziel als "europäischer Marktplatz der Wahl" zu erreichen. Vor Analysten deutete Furse jedoch an, dass es eine Rückkehr zu "iX" nicht geben werde. Im vergangenen Jahr war die unter dieser Bezeichnung firmierende Fusion von Deutscher Börse mit der LSE noch an der englischen Seite gescheitert.

Die Deutsche Börse reagierte eher verhalten auf das Kooperationsangebot der LSE. Man werde alles tun, was im Sinne der Aktionäre und der Kunden sei, sagte ein Sprecher.

LSE-Chefin Furse stand vor der Präsentation der Zahlen unter Druck: Sie musste dem Markt nach der jüngsten Niederlage im Übernahmepoker um die Londoner Terminbörse Liffe strategische Alternativen aufzeigen. Doch überzeugt waren die Teilnehmer der Analystenkonferenz nach ihrer Präsentation offenbar nicht.

Auch Kooperation mit der Nasdaq möglich

So betonte Furse, die Übernahme der Liffe sei "niemals die einzige Strategie der Londoner Börse" gewesen. Auch eine Kooperation mit der Nasdaq sei möglich, um "Umfang und Reichweite" des Geschäfts zu erweitern. Auf allzu konkrete Nachfragen blieb die Chief Executive offenbar Aussagen schuldig. "Es war kein guter Anblick", sagte ein Teilnehmer der Konferenz. Furse setzte sich zudem für ein effizientes Clearing- und Settlement-System in Europa ein sowie für die Abschaffung der Stempelsteuer in Großbritannien.

Die Zahlen des ersten Halbjahres selbst waren positiver ausgefallen als erwartet. Der Vorsteuergewinn stieg um mehr als 70 % gegenüber dem Vorjahr auf 34,9 Mill. Pfund. Dies geht vor allem auf die geringere Kostenbelastung in den ersten sechs Monaten 2001 zurück. Im vergangenen Jahr hatte der gescheiterte IX-Versuch hohe Kosten verursacht. Das Börsenlisting 2001 fiel dagegen weniger stark ins Gewicht. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2001 lag bei 106,8 Mill. Pfund (+18 %). Der (bereinigte) Gewinn je Aktie erreichte 9,0 p. Von den drei Haupt-Geschäftsfeldern der Börse entwickelten sich zwei besser: Der Umsatz des Bereichs Broker Services (37 % des Gesamtumsatzes), worunter sich vor allem elektronische Handelssysteme verbergen, stieg um mehr als ein Drittel. Der Sektor Information Services (43 % des Umsatzes), also das Bereitstellen von Handels- und Real-Time-Daten, legte um 14 % zu. Dagegen fiel der Issuer-Service (13 % Anteil am Umsatz) im Halbjahr um mehr als 11 %, was an der schwachen Entwicklung am Markt für Neuemissionen liegt.

Trotz der insgesamt positiven Überraschung stufte Merrill Lynch seine kurzfristigen Erwartungen auf "neutral" herunter, weil der Kursspielraum ausgereizt sei. Die Aktie legte gestern aber noch einmal um mehr als 2 % auf gut 370 p zu.

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