Fusion der Bezahlsender Telepiu und Stream gsetoppt
Vivendi lässt News Corp beim Pay-TV auflaufen

Wegen Wettbewerbsauflagen kauft Vivendi dem Konkurrenten News Corp seinen italienischen Pay-TV-Sender Stream nicht ab. Doch dürfte News Corp die Absage nicht einfach auf sich sitzen lassen.

PARIS/MAILAND. Der französische Mischkonzern Vivendi Universal S.A. hat beschlossen, sein Bezahlfernsehgeschäft Telepiu nicht mit der zu Rupert Murdochs News Corp. gehörenden Konkurrenzgesellschaft Stream zu verschmelzen. Die von den italienischen Kartellwächtern zusätzlich festgesetzten Auflagen für die Fusion "erlauben es nicht, das fusionierte Unternehmen mittel- und langfristig lebensfähig zu halten", teilte der Konzern mit.

Allerdings ist es in Paris ein offenes Geheimnis, dass dem von US-Aktionären heftig bedrängten Vivendi-Vorstandschef Jean-Marie Messier die Auflagen gerade recht kommen: Mit seiner Absage an Murdoch demonstriert er Handlungsfähigkeit und beruhigt Frankreichs Politik. Diese hatte angesichts gesunkenen Aktienkurses und der angeblichen Liquiditätsengpässe schon eine Übernahme samt anschließender Zerschlagung des Konzerns durch angelsächsische Investoren befürchtet.

Doch jetzt braucht Messier die mit News Corp. vereinbarten knapp 400 Mill. Euro für Stream nicht auszugeben. Und die von Analysten mit 550 Mill. Euro bezifferten Schulden von Stream wandern nicht in die Bücher der Vivendi-Fernsehsparte Canal Plus.

Die Fusion der italienischen TV-Sender hätte die Vivendis Kasse in genau dem Moment belastet, wo auch 1,8 Mrd. Euro Zahlungen im Zuge der Beteiligung an US Networks Inc. fällig geworden wären, kommentieren die Medienanalysten von Morgan Stanley. Die Märkte nähmen die Absage der Fusion in Italien gut auf. Die US-Investmentbank erwartet aber, dass Murdoch Schadensersatz fordern wird.

Murdoch hat inzwischen die Rechtmäßigkeit von Vivendis Ausstiegs bestritten. Er kündigte an, man behalte sich vor, "die Rechte aus dem Vertrag zu wahren". News Corp. könnte ferner versuchen, seine 50 % Anteile an Stream an Telecom Italia S.p.A. zurückzugeben. Denn auch diese Transaktion war an Bedingungen gebunden.

Beide Mediengruppen wollen ihre italienischen Sender zunächst weiter betreiben. Vivendi setzt auf die etwas bessere Ausstattung der Telepiu mit Filme und Sport. Doch machte Messier klar, dass der Beschluss der Kartellwächter nicht zur Lage der Branche passt: "Die jüngsten Entwicklungen im Markt für Bezahlfernsehen bestärken uns in unserem Eindruck, dass wir keine zusätzlichen Auflagen akzeptieren können."

Die Wettbewerbsbehörde hatte zwar generell die Fusion der beiden italienischen Pay-TV Sender unter Auflagen genehmigt. Demnach darf Telepiu künftig mit den Fußballvereinen keine Verträge zur Übertragung von Spielen abschließen, die länger als zwei Jahre laufen.

Aktuell liegen die üblichen Vertragslaufzeiten zwischen drei und fünf Jahren. Zudem räumt das Kartellamt den Clubs ein Kündigungsrecht nach jeder Saison ein. So will Italien die Einstiegshürden für Konkurrenten in den Pay-TV Markt möglichst gering halten.

Von ANDREAS BOHNE, MARCELLO BERNI, Handelsblatt

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