Fusion Easyjet und Go
Billigflieger wird Marktführer - Probleme für Flugzeugbauer

Die britische Billigfluglinie Easyjet hat die Übernahme des Konkurrenten Go-Fly für 374 Mill. Pfund besiegelt. Mit dem Kauf überholt Easyjet die irische Ryanair und wird zum größten Anbieter von Billig-Flügen in Europa. Zudem werden die Aufträge für die Flugzeugbauer spärlicher fließen.

Reuters/vwd LONDON. Die Übernahme der britischen Billigfluglinie Go Fly Ltd durch ihren Konkurrenten EasyJet verschärft den Wettbewerb unter den Flugzeugherstellern. EasyJet plc, London, ließ am Donnerstag verlauten, geplante Neuanschaffungen würden nach der Einigung mit Go überprüft.

Beide Gesellschaften hatten zuvor über Neubestellungen von Verkehrsmaschinen verhandelt. Go stand kurz vor der Bestellung von 80 Airbus-Flugzeugen, während EasyJet sowohl mit Boeing als auch mit Airbus über den Kauf von 75 Maschinen verhandelte. Nach der Fusion dürfte der Bedarf an neuen Maschinen geringer ausfallen, hieß es.

EasyJet wird bei Preisverhandlungen eine stärkere Position haben. Sowohl die Boeing Co, Chicago, als auch die Airbus Industrie, Toulouse, benötigen dringend Aufträge. Boeing werde wegen der schwachen Nachfrage bald gezwungen sein, ihre Produktion zu halbieren, vermuten Beobachter. Airbus wolle dagegen unbedingt Billigfluglinien als Kunden gewinnen. Dieser Markt wird bislang von Boeing beherrscht. Boeing-Sprecher Charlie Miller verwies in einer Stellungnahme auf die langjährigen Geschäftsbeziehungen sowohl mit EasyJet als auch mit Go.

Bei Airbus hieß es, dass ein möglicher Großauftrag von EasyJet nicht zwangsläufig nur geringe Margen einbringe. Ein solcher Auftrag berge ein hohes Kostensparpotenzial, da in relativ kurzer Zeit eine große Zahl von Maschinen des gleichen Typs gebaut werden könne, erklärte ein Sprecher.

Easyjet teilte mit, bei der Übernahme werde ein Unternehmenswert von 257,6 Mill. Pfund bei einem Go-Barvermögen von 116,4 Mill. Pfund zu Grunde gelegt. Die Akquisition werde ab dem nächsten Geschäftsjahr (Ende 2003) ergebniswirksam. Easyjet-Aktien stiegen in einem freundlichen Londoner Marktumfeld um fast neun Prozent auf 498,9 Pence. Im frühen Handel hatten die Titel allerdings zunächst etwas verloren, nachdem die Fluggesellschaft angekündigt hatte, den Go-Kauf unter anderem durch die Ausgabe von Bezugsrechten und neuer Aktien finanzieren zu wollen. Easyjet verspricht sich davon Einnahmen von 277 Mill. Pfund.

Analysten nannten den vereinbarten Preis gut für easyjet. "Wir haben etwa 300 bis 400 Mill. Pfund erwartet", sagte Amanda Forsyth von Standard Life Investments. Ihr Haus hält zahlreiche Easyjet-Aktien. Go-Fly im vergangenen Jahr für 110 Mill. Pfund an das Go-Management und institutionelle Investoren unter Federführung der Risikokapital-Fonds 3i Group PlC verkauft.

Nach der Übernahme sollen die Flugpreise nach Worten von Easyjet-Chef Ray Webster stabil bleiben. "Dies ist eine Gelegenheit, die Preise niedrig zu halten. Zur Stimulierung des Marktes, den wir entwickeln, brauchen wir niedrige Ticketpreise", sagte Webster. British Airways hatte

Easyjet ist derzeit auf Expansionskurs. Vor einer Woche hatte die Gesellschaft zusätzlich zur Übernahme von Go-Fly eine Option zum Kauf der defizitären British Airways-Tochter Deutsche BA erworben. Durch die beiden Akquisitionen würde die Gesellschaft ihre Flugzeugflotte mehr als verdoppeln.

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