Fusion mit Kirch wäre schlecht für die Bonds von Pro Sieben Sat 1 Media
Kündigung der Pro-Sieben-Anleihen umstritten

Die geplante Fusion der Pro Sieben Sat 1 Media AG mit der Muttergesellschaft Kirch Media AG wäre schlecht für die Kreditwürdigkeit von Pro Sieben Sat 1 Media. Darin sind sich Kreditanalysten weitgehend einig.

cü/mv FRANKFURT/DÜSSELDORF. Nicht nachvollziehen können sie allerdings das Vorgehen einiger Anleihebesitzer. Sie wollen einen Bond mit einem Zinsschein von 5,875 %, der Ende März 2006 fällig wird, vorzeitig zurückbezahlt bekommen. Vertreten werden die Kläger durch die Kanzlei Norton Rose, die ein Viertel der Gläubiger der Anleihe über 400 Mill. Euro vertritt.

Nach Ansicht von Rechtsanwalt Rüdiger Litten erlauben die Bedingungen des Eurobond-Prospekts die vorzeitige Kündigung. Denn Pro Sieben Sat 1 habe im Prospekt zugesichert, jede Transaktion mit der Kirch-Gruppe nur vorzunehmen, wenn sie auch mit jedem anderen Marktteilnehmer sinnvoll wäre (so genannte Arms-Length-Klausel). Das jedoch sei angesichts der wirtschaftlichen Situation der Kirch Media AG bei der angestrebten Fusion nicht der Fall. Außerdem könnten die Inhaber der Eurobonds dann eine vorzeitige Auszahlung verlangen, wenn der ursprüngliche Gläubiger der Anleihe nach einer Fusion nicht mehr existiere. Und das genau passiere bei einer Verschmelzung, wie die Fusion rechtstechnisch genannt wird. Nach den Fusionsplänen werde das Vermögen der Pro Sieben Sat 1 AG auf die Kirch Media AG übertragen, und nur letztere bleibe als Rechtsträger erhalten. Dass die Geschäftstätigkeit von Pro Sieben Sat 1 fortgeführt werde, ändere daran nichts, meint Litten.

Torsten Rossmann, Sprecher von Pro Sieben Sat 1, kann die Bedenken der Anleiheinhaber nicht nachvollziehen, da erst Ende März der Verschmelzungsbericht vorgelegt werde und daher auch das Umtauschverhältnis der Aktien noch nicht bekannt sei. Zudem werde es noch ein zusätzliches Gutachten der Deutschen Bank zur Kapitalmarktfähigkeit der Fusion geben.

Rechtsanwalt Litten will dennoch zügig die weitere Strategie beschließen: Das Umtauschverhältnis betreffe nur die Aktionäre, die Tausch oder Abfindung gerichtlich überprüfen lassen könnten. Die Bond-Inhaber müssten dagegen "einen guten Schuldner gegen einen unberechenbaren eintauschen."

Kreditanalysten wie Carmen Hummel von der Hypovereinsbank meinen dagegen, dass die Anleihebedingungen keine vorzeitige Rückzahlung vorsehen. Hummel hält die Anleihe über 400 Mill. Euro, die derzeit zu einem Kurs von etwa 75 % notiert, zur Zeit für günstig. Die Verschuldung von Pro Sieben Sat 1 Media falle nicht aus dem Rahmen. Dennoch hat die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit von Pro Sieben Sat 1 vergangene Woche auf Ba3 von zuvor Ba1 innerhalb der Spekulationsklasse um zwei Stufen zurückgestuft. Begründet wurde dies unter anderem mit den Sorgen über die Verschuldung der Kirch-Gruppe. Noch im Dezember lag das Rating bei Baa2 und damit in der sichereren Investitionsklasse.

Pro Sieben Sat 1 hat noch eine weitere nicht mit einem Kreditrating versehene Anleihe über 250 Mill. DM mit Fälligkeit im April 2005 ausstehen. Die Kirch-Gruppe selbst ist nicht mit Bonds am Kapitalmarkt vertreten. Bis 2010 läuft eine variabel verzinste Anleihe, die mit Forderungen auf die Einnahmen von Formel-1-Fernsehrechten besichert ist. Sie wurde mit einem Volumen von derzeit noch knapp 1,1 Mrd. Dollar 1999 über eine Zweckgesellschaft begeben, als Kirch noch nicht an der Formel 1 beteiligt war. Inzwischen hält Kirch einen Anteil von 58 % an der Formel 1.

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