Fusion mit Pro Sieben Sat 1 vorerst abgesagt
Banken verbünden sich zur Rettung des Kirch-Konzerns

In die verfahrenen Gespräche um die Rettung der Kirch-Gruppe kommt Bewegung: Der Münchener Medienkonzern und seine Gläubigerbanken wollen jetzt aufeinander zugehen.

cbu MÜNCHEN. Die acht wichtigsten Gläubigerbanken der Kirch- Gruppe wollen künftig mit einer Stimme sprechen. Nach Informationen des Handelsblatts werden sie noch in dieser Woche einen "Moderator" aus ihren Reihen bestimmen. Die heikle Mission könnte ein ehemaliger Top-Banker übernehmen. "Wir kommen jetzt in die heiße Phase der Rettungsaktion", hieß es am Sonntag aus Bankenkreisen. Bisher hatten sich die Banken, darunter Deutsche, Dresdner, Hypo-Vereinsbank und Bayerische Landesbank, nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können.

Zudem lasse der Druck der Deutschen Bank auf Kirch spürbar nach, hieß es aus Bankenkreisen. Vor allem das Frankfurter Kreditinstitut und sein Chef Rolf-E. Breuer hatten bisher ein gemeinsames Vorgehen der Gläubigerbanken blockiert und offenbar auf eine Zerschlagung des Konzerns spekuliert. Vor zwei Wochen hatte die Hypo-Vereinsbank dann signalisiert, sie sei an einem Erwerb der 40 %-Beteiligung Kirchs an Springer interessiert. Damit hatte die Bank dem Münchener Unternehmen Luft verschafft. Seitdem tagen die Banken ohne Ergebnis.

Auch die Kirch-Gruppe selbst schaltet einen Vermittler ein. Der Düsseldorfer Anwalt Wolfgang von Betteray soll die Krise beim hoch defizitären Kirch-Sender Premiere lösen und bei der Restrukturierung der Mediengruppe mitwirken, sagte ein Kirch-Sprecher dem Handelsblatt. Betteray war bereits an der Rettung des Ferienfliegers LTU und der Vulkan-Werft beteiligt. Auch die Banken akzeptieren Betteray als neuen Gesprächspartner.

Zudem sagten Kirch Media und die TV-Tochter Pro Sieben Sat 1 Media angesichts der Finanzkrise des Kirch-Konzerns die geplante Fusion vorerst ab. Die Pro-Sieben-Aktie, die seit der Ankündigung der Fusion schwer gelitten hatte, machte daraufhin einen Satz nach oben.

Dieter Hahn, Vizechef der Kirch- Gruppe, bezifferte die Gesamtschulden des Konzerns mit 6,5 Mrd. Euro und schließt einen Verkauf der Formel-1-Beteiligung nicht mehr aus. "Der Verkauf ist eine Alternative, aber die letzte", sagte Hahn dem "Spiegel". Der Medienmanager räumte ein, nicht mehr Herr der Kirch-Sanierung zu sein.

Auch Leo Kirch selbst hat sein Schweigen erstmals gebrochen. Zu einer möglichen Übernahme durch Rupert Murdoch und dessen News Corp. sagte der 75-jährige Medienunternehmer: "Wenn es notwendig sein sollte, halte ich ihm alles hin. Dann frisst er mich eben. Der Herr hat?s gegeben, der Herr hat?s genommen. Die Knochen wird auch Murdoch mir schon lassen."

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