Fusion unter Gleichen?
Daimler: Kerkorian hat Dokumente vernichtet

Der US-Milliardär Kirk Kerkorian hat nach Angaben von Daimler-Chrysler Dokumente vernichten lassen, die seiner Milliardenklage gegen den deutsch- amerikanischen Autobauer womöglich im Wege gestanden hätten.Daimler-Chrysler habe daher bei Gericht beantragt, drei der acht Klagepunkte von Kerkorians Beteiligungsfirma Tracinda von vornherein abzuweisen, sagte ein Sprecher des Autokonzerns am Mittwoch in Stuttgart.

Reuters STUTTGART. Eine Sekretärin des 85-Jährigen habe bei der Vernehmung gestanden, dass fünf Tage vor der Einreichung der Klage die Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen dem ehemaligen Chrysler-Großaktionär Kerkorian und dem damaligen Chrysler-Chef Bob Eaton vernichtet worden seien, in denen Eaton ihn über den Fortgang der Verhandlungen auf dem Laufenden hielt. Kerkorian fehlten damit alle Beweise für die drei Anklagepunkte. "Wir sehen bessere Chancen denn je", sagte der Sprecher.

Kerkorians Anwalt Terry Christensen bezeichnete den Antrag der Stuttgarter als Ablenkungsmanöver und wies die Forderungen zurück. "Daimler-Chrysler strickt eine erfundene Geschichte und lügt. [...] Sie werden dafür im Gerichtssaal bezahlen müssen", teilte er mit. In Unternehmenskreisen hieß es, es habe nie detaillierte Aufzeichnungen gegeben, vor allem keine, die den Ausgang des Verfahrens beeinflussen könnten.

Kerkorian fühlt sich um Aufschlag betrogen

Kerkorian, der vor der Fusion rund 14 % an Chrysler hielt, hatte im Herbst 2000 den fusionierten Konzern auf 8 Mrd. $ verklagt, weil der Zusammenschluss keine "Fusion unter Gleichen", sondern eine Übernahme gewesen sei. Damit habe ihn Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp getäuscht und um einen höheren Aufschlag auf den Aktienkurs gebracht. "Dass Tracinda höchst wichtige Beweisstücke vernichtet hat, ist unglaublich", hieß es in einer Stellungnahme aus Stuttgart. Möglicherweise gehe es dabei um hunderte von Unterlagen. Dies habe Tracinda überdies im Nachhinein zu verheimlichen versucht. Stattdessen habe Kerkorian seine eigene, nicht mehr beweisbare Version der Gespräche mit Eaton vorgebracht.

Am vergangenen Montag war die Frist für die Einreichung der Klageschriften beider Seiten bei dem Gericht im US-Bundesstaat Delaware abgelaufen. Nach einer fünftägigen Stillhalteperiode muss ein Bundesrichter in den nächsten Wochen entscheiden, ob die Klage verworfen oder vom 19. Mai an verhandelt wird. Zuvor hatten Anwälte auf beiden Seiten Kerkorian, Schrempp und deren Mitarbeiter stundenlangen Verhören unterzogen.

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