Fusion von Granada und Carlton angekündigt – Kartellwächter hegen Bedenken
Britische Fernseh-Konzerne verbünden sich

Bei der Transaktion, die sich schon seit Tagen abzeichnete, übernimmt die größere Granada den kleineren Konkurrenten für rund 1 Mrd. Pfund (gut 1,6 Mrd. Euro). Die künftige ITV plc wird mit mehr als 2,5 Mrd. Pfund bewertet.

fs LONDON. Carlton und Granada besitzen zusammen rund 90 % an dem wichtigsten britischen Privatsender ITV. Auch aus diesem Grund ist die Fusion noch nicht unter Dach und Fach: Sie steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. Der britischen Wettbewerbshütern könnte Sorge bereiten, dass der künftige Konzern mehr als 50 % der Werbeerlöse im TV auf sich vereinen würde. Dem Vernehmen nach bereiten die Haupt-Konkurrenten - von Rupert Murdochs BskyB bis zur BBC umfangreiche Unterlagen für die Wettbewerbshüter wie das Office of Fair Trading vor. Vor einer dominanten Stellung und möglicherweise steigenden Preisen fürchten sich auch die Werbetreibenden. Bereits im Vorfeld der gestrigen Ankündigung hatte der für den Markt wichtigste Werber Procter & Gamble damit gedroht, bei einem Zusammengehen die Werbungen auf ITV komplett herunter zu fahren.

Granada und Carlton haben auf die Kritik reagiert, deshalb planen sie ein Zusammengehen in zwei Schritten: Die Carlton-Sendelizenzen sollen zunächst in einem separaten Unternehmen gehalten werden. Erst nachdem das Gesetz zur Begrenzung des Marktanteils einzelner Sendeanstalten geändert worden ist, sollen die Unternehmen dann komplett fusionieren.

Kommt der Zusammenschluss wie geplant zu Stande, halten die Aktionäre von Granada am Ende maximal 68 % an der gemeinsamen Firma. Sie bekommen zudem für ihre Aktien neben Anteilen an der neuen Firma eine Barauszahlung von 200 Mill. Pfund. Die Aktionäre des kleineren Partners vereinen rund 32 % an dem gemeinsamen Unternehmen auf sich.

Meldungen über das geplante Bündnis kamen bei Aktionären und Analysten in den vergangenen Tagen nicht gut an. Ein Zusammengehen werde das Ergebnis von Granada nachhaltig belasten, fürchtete etwa die Investment-Bank Morgan Stanley. Schon jetzt leiden beide Häuser stark unter dem wegbrechenden Werbegeschäft. Insofern klang es wei eine Beruhigungspille für die Analysten, dass Granada gestern ebenfalls mitteilte, man erwarte "angesichts der momenanen Marktbedingungen" ein befriedigendes Gesamtjahr. Seit Mai 2002 seien die Werbeeinnahmen im Jahresvergleich wieder nach oben gegangen. Für die zweite Hälfte des am 30. September endenden Geschäftsjahres erwarte der Konzern ein Plus bei den Reklameerlösen von mehr als 3 Prozent.

Gespräche über das Zusammengehen beider Firmen hatte es schon früher gegeben. Sie scheiterten entweder an Streitigkeiten über Bewertungsfragen oder das künftige Management. Das ist nun anders: Carlton-Chairman Michael Green wird Chairman der neuen Firma, Granada-Chairman Charles Allen wird Chief Exectuive.

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