Fusion von Hewlett-Packard und Compaq
Walter Hewlett gibt Kampf auf

Walter Hewlett hat den Kampf gegen die Übernahme von Compaq durch Hewlett-Packard vor Gericht verloren. Nun beginnt für Hewlett-Packard-Chefin Fiorina die eigentliche Arbeit: die Zusammenführung der Konzerne.

SAN FRANCISCO. Für Carleton Fiorina, die kämpferische Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP) Co., war es ein Sieg auf ganzer Linie: Der Richter am Gericht im US-Bundesstaat Delaware wies die Klage ihres Widersachers Walter Hewlett als unhaltbar zurück. Der Erbe von Konzerngründer Bill Hewlett hatte Fiorina vorgeworfen, im Kampf um die Übernahmen des Konkurrenten Compaq Computer Corp. mit unsauberen Methoden gearbeitet zu haben. Dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen zum größten Computerhersteller der Welt steht nach dem Gerichtsurteil vorerst nichts mehr im Weg.

Richter William Chandler III. schrieb in der Urteilsbegründung, es sei Walter Hewlett nicht gelungen zu beweisen, dass Fiorina den Aktionären wichtige Informationen vorenthalten oder Stimmen erpresst habe. "Nichts in den Unterlagen deutet darauf hin, dass HP gelogen oder die Aktionäre in Bezug auf die Integration fehlgeleitet hat", schrieb der Richter. Fiorina hofft nun, dass das Gemeinschaftsunternehmen am 7. Mai an den Start gehen kann. Nach der Bekanntgabe des Urteils fiel der Kurs der HP-Aktien am Mittwoch im frühen Handel an der New Yorker Börse deutlich, Compaq-Papiere hingegen stiegen.

Walter Hewlett hatte Fiorina unter anderem verklagt, weil sie angeblich das positive Votum des Investmenthauses Deutsche Bank Asset Management, das etwa 17 Millionen Stimmen hielt, nur durch Drohungen erhalten habe. Im Laufe des Gerichtsverfahrens erwiesen sich diese Vorwürfe gegen die HP-Vorstandschefin jedoch als unhaltbar.

Ein Verdacht lastet dagegen auf der Deutschen Bank: An einer Telefonkonferenz am 19. März dieses Jahres, bei der Fiorina die Fondsmanager des Finanzinstitutes von den Vorteilen der Fusion überzeugen wollte, nahmen auch Vertreter der Investmentabteilung der Deutschen Bank teil. "Das wirft Fragen über die Integrität der internen ethischen Mauer auf, die angeblich das Investmentgeschäft vom kommerziellen Bankgeschäft trennt", schrieb Richter Chandler in seiner Stellungnahme.

Nach seiner Niederlage vor Gericht kündigte Walter Hewlett an, keine weiteren Schritte gegen den Zusammenschluss der Firmen zu unternehmen. "Ich werde alles tun, um die erfolgreiche Umsetzung der Übernahme zu unterstützen", schrieb er. Er plane daher keine Klage vor dem Berufungsgericht.

Ganz los wird Fiorina den Widersacher jedoch nicht: Hewlett bleibt Chairman der William and Flora Hewlett Foundation, die einer der größten Aktionäre von HP und damit auch des gemeinsamen Konzerns ist. Damit wird er weiterhin in die Geschicke des Unternehmens eingreifen können, obwohl er kürzlich seinen Sitz im Aufsichtsrat des Konzerns aus Palo Alto wegen seines acht Monate andauernden Kampfes gegen den Zusammenschluss mit Compaq verloren hatte.

Weil der Rechtsstreit die Integration beider Unternehmen verzögert hat, drängt nun die Zeit. "Fiorina läuft Gefahr, den derzeitigen Aufschwung bei Hardware-Investitionen zu verpassen", sagt Paul McGuckin, Research-Direktor beim Marktforschungsunternehmen Gartner. "HP sollte so schnell wie möglich - am besten noch im Mai - bekannt geben, welche Produktlinien beibehalten werden", rät McGuckin. Experten gehen davon aus, dass zunächst beide Markennamen, Compaq und HP, bestehen bleiben. Unterdessen sagte Michael Dell, Gründer des US-Konzerns Dell Computer Corp., auf einer Analysten-Konferenz, er rechne damit, durch eine Verwirrung der Kunden infolge der Fusion zwischen HP und Compaq Marktanteile zu gewinnen.

Vor wenigen Tagen war die vorläufige Auszählung der Stimmen der HP-Aktionäre bekannt gegeben worden. Demnach haben die Anteilseigner die Übernahme mit einem relativ geringen Vorsprung von 45 Millionen Stimmen genehmigt. 51,4 % der Aktionäre hatten für den Firmenzusammenschluss, 48,6 % dagegen gestimmt. Im Laufe der nächsten Woche soll das offizielle Auszählungsergebnis vorliegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%