Fusion von Hypo-Vereinsbank und Commerzbank vorerst kein Thema – Hoher Quartalsverlust durch Wertberichtigungen auf Wertpapiere
Münchener Rück verbreitet Optimismus

Schwere Zeiten für die Münchener Rück: Der Einbruch an den Börsen und die Verluste bei Ergo, Allianz und Hypo-Vereinsbank drücken auf die Gewinne. Doch der Rückversicherer verbreitet Zuversicht. Beteiligungsvorstand Hassford gab Fusionsspekulationen um Hypo-Vereinsbank und Commerzbank neue Nahrung.

cbu MÜNCHEN. Die Münchener Rück verbreitet Optimismus. "Das Schlimmste ist geschafft", lautete gestern das Motto - wie schon bei der Allianz vor zwei Wochen. "Es gibt einen klaren Aufschwung im Rückversicherungsgeschäft", stellte Controlling-Vorstand Jörg Schneider anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen fest. Die Prämien würde weiter steigen, verlustträchtiges Geschäft werde abgebaut.

Und auch an den Börsen gebe es positive Signale: "An den Kapitalmärkten haben wir so etwas wie einen Boden gefunden", meinte Schneider. Der weltweit größte Rückversicherer hatte zuletzt deutlich unter der Flaute an den Finanzmärkten gelitten. Alleine im dritten Quartal 2002 mussten Wertberichtigungen auf Wertpapiere von 2,7 Mrd. Euro vorgenommen werden.

Insgesamt wird der Konzern 2002 unter dem Strich mit schwarzen Zahlen abschließen, betonte Schneider. Dabei zehrt die Münchener Rück noch immer von Veräußerungsgewinnen, insbesondere aus dem Verkauf von Allianz-Papieren, die im ersten Quartal rund 4,7 Mrd. Euro in die Kassen spülten. Das zweite, dritte und voraussichtlich auch das vierte Quartal werden dagegen rote Zahlen bringen. Negativ zu Buche schlagen neben dem Verlust der Tochter Ergo (siehe unten) unter anderem Allianz und Hypo-Vereinsbank. An beiden Konzernen ist die Münchener Rück maßgeblich mit 21 % bzw. 26 % beteiligt. Die Verluste werden deshalb anteilsmäßig in der Rück-Bilanz berücksichtigt und machen insgesamt rund 800 Mill. Euro aus.

Die vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal waren etwas besser als die Analysten-Erwartungen. Die Münchener Rück weist ein Minus von 859 Mill. Euro aus, im Durchschnitt hatten die Experten mit etwa einer Mrd. Euro gerechnet. Die Hochwasser-Katastrophe wird die Gruppe mit bis zu 500 Mill. Euro belasten. Die Aktie, die in diesem Jahr bereits die Hälfte ihres Wertes einbüßte, gab bis zum gestrigen Nachmittag über 5 % nach, was an der Börse mit Gewinnmitnahmen erklärt wurde. "Die Zahlen waren keine böse Überraschung", teilten die Experten der WestLB dazu mit.

Schneider betonte, dass die Münchener Rück kein frisches Kapital brauche: "Wir haben keine aktuellen Pläne für eine Kapitalverstärkung." Zuletzt mussten die Versicherer Swiss Life und Scor das Kapital erhöhen. Die Allianz brachte zwei Anleihen über rund zwei Mrd. Euro an den Markt, um das weitere Wachstum zu finanzieren.

Insbesondere für das Kerngeschäft mit Rückversicherungen ist der Konzern zuversichtlich. Man sei aus dem "Tal der Tränen" heraus. Die "kombiniert Quote" (Kosten/Schäden zu Beiträgen) liege bei 105,7 %. Bei unter 100 % verdient ein Versicherer im Assekuranzgeschäft ohne Berücksichtigung von Kapitalerträgen Geld. Ziel sei es, die Quote möglichst bald unter 100 % zu drücken.

Auch die zuletzt angeschlagenen US-Tochter American Re sei jetzt auf Kurs. Die Münchener Rück musste zuletzt die Reserven der American Re mit zwei Mrd. Euro stärken. Man gehe in die richtige Richtung, sagte dazu der verantwortliche Vorstand Clement Booth. American Re sei schon wieder in der Gewinnzone.

Schneider äußerte sich auch zur Lage des Allfinanzpartner Hypo-Vereinsbank (HVB): "Wir meinen, dass die Bank auf gutem Weg ist und energisch die Themen anpackt, mit denen sie konfrontiert ist." Die HVB machte zuletzt hohe Verluste und verfolgt einen rigiden Sparkurs. Offenbar drängt aber die Rück auf weitere, schnelle Veränderungen. Zu Spekulationen, das Institut könne mit der Commerzbank fusionieren, meinte Rück-Vorstand Heiner Hassford, man nicht prinzipiell dagegen sei. "Aber wir forcieren die Dinge nicht, sondern treten nur als Beobachter auf", fügte er an. Er habe das Gefühl, zunächst müssten die Hausaufgaben gemacht werden, bevor neue Probleme geschultert werden. Ähnlich hatte sich im Oktober bereits HVB-Chef Albrecht Schmidt geäußert.

Die Münchener Rück ist mit über 10 % auch größter Commerzbank-Aktionär. Eine Aufstockung des Pakets sei nicht geplant, stellte Hassford gestern klar. An der Börse legten die Commerzbank-Aktien um gut 5 % zu. Die Äußerungen gaben nach Ansicht von Händlern Fusionsspekulationen eher neue Nahrung.

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