Fusion würde schmerzhafte Einschnitte mit sich bringen
Analyse: Deutsche Bank und Merrill Lynch - ein Riese auf tönernden Füßen

In Bankenkreisen in Frankfurt rechnet man bei einem Zusammengehen der beiden Häuser mit einem großen "Hauen und Stechen" und einer riesiegen Fluktuation. Ob die Institute denmöglichen Verlust ihrr hochqualifizierten Investmentbanker in Kauf nehmen wollen, erscheint sehr fraglich. Aufgrund des noch nicht vorhandenen Listings in New York fehlt der Deutschen Bank zudem vorerst noch die Akquisitionswährung.

vwd FRANKFURT. Durch ein Zusammengehen zwischen der Deutsche Bank AG, Frankfurt, und Merrill Lynch & Co Inc, New York, würde zwar weltweit die Nummer eins im Investment Banking entstehen, aber der neue Riese könnte schon bald auf tönernen Füßen stehen. Am Frankfurter Finanzplatz will zwar niemand ausschließen, dass sich innerhalb der Deutschen Bank Teams mit möglichen Fusionsmodellen beschäftigen, gleichwohl wird bezweifelt, ob auch nur einer von beiden der Gewinner einer solchen Transaktion sein kann. Denn das unvermeidliche "Hauen und Stechen" in beiden Häusern dürfte die Fluktuation in unbekannte Höhen treiben.

Bei einer Fusion ergibt sich sowohl für die Deutsche Bank als auch für Merrill Lynch ein Restrukturierungsaufand. Ob einer von beiden tatsächlich bereit ist, die dadurch zu erwartenden Unruhen beim Personal, insbesondere bei der knappen Ressource qualifizierter Investmentbanker, in Kauf zu nehmen, erscheint mehr als fraglich. Gerade die Deutsche Bank dürfte durch die Überschneidungen in den USA zu schmerzhaften Schnitten gezwungen sein. Welchen Sinn dann die Übernahmen von Bankers Trust und zuletzt National Discount Brokers Group machen, dürften sich nicht nur Analysten, sondern auch Aktionäre fragen.

Ein weiteres Hindernis stellt für die Deutsche Bank das derzeit noch nicht vorhandene Listing in New York dar. Damit fehlt ihr vorerst noch eine Akquisitionswährung, die sie bei einem Zusammenschluss mit Merrill Lynch in jedem Fall benötigt, auch wenn die Fusion offiziell als merger of equals verkündet würde. Die Notierungsaufnahme in New York erwartet die Deutsche Bank Mitte des kommenden Jahres. Bis dahin schließen Analysten einen Coup in dieser Größenordnung aus. Ab dem zweiten Halbjahr 2001 können sie sich indes eine andere Ausgangslage vorstellen.

Neben dem dann vollzogenen Listing in New York rückt für die Deutsche Bank die Realisierung stiller Reserven infolge der ab 2002 geltenden Steuerbefreiung bei Beteiligungsverkäufen näher. Dies könnte die Fantasie durchaus anregen, zumal ab der Hauptversammlung 2002 der Schweizer Josef Ackermann den Vorstandsvorsitz von Rolf-E. Breuer übernehmen wird. Für ihn dürfte die Ertragsperspektive entscheidend sein und nicht Bedenken, dass die Deutsche Bank bei einer Fusion mit Merrill Lynch zu einem US-Institut würde. Für ein Zusammengehen spricht die nahezu identische Marktkapitalisierung beider Häuser: rund 47 Mrd $ bei Merrill Lynch und 53 Mrd Euro bei der Deutschen Bank.

Auch strategisch gebe es Ansatzpunkte. Während sich Merrill Lynch in Europa stärken möchte, hat die Deutsche Bank eine weitere Expansion in den USA im Visier. Aber die Gefahr bleibt bestehen, dass der Riese auf Grund der Grabenkämpfe schnell auf tönernen Füßen stehen könnte.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%