Fusion zur Eurohypo gilt als Durchbruch für die Zusammenarbeit in Teilbereichen
Analyse: Kleine Kooperationen sparen großen Banken viel Geld

Die Fusion der Hypothekentöchter von Deutscher, Dresdner und Commerzbank ist - milde gesagt - kein Allerweltsproblem. Drei Häuser mit sehr selbstbewussten Müttern und zahllosen Überschneidungen reibungslos zusammenzuführen ist eine extrem schwierige Aufgabe. Die Suche nach einer unterschriftsreifen Lösung kostete alle Beteiligten Nervenstärke und unangenehme Kompromisse. Und die erst beginnende Integration wird noch eine Vielzahl von weiteren Problemen aufwerfen.

Doch diese Fusion ist ein hervorragendes und notwendiges Training für die Banker, denn sie können bei der Hypothekenfusion nicht stehen bleiben. Die Erfahrungen, die sie jetzt machen, sind wertvoll für die Zukunft. Denn steigende Renditeansprüche der Aktionäre, die Konzentration auf die Kernkompetenzen und eine bessere Eigenkapitalausstattung für die wirklich wichtigen Geschäftsfelder - das sind nicht nur die Motive für die Hypobankenfusion. Sie treiben die Großbanken auch zu weiteren Kooperationen.

Die Zusammenlegung von Wertpapierabwicklung und Zahlungsverkehr (Transaction-Banking) ist ein offensichtliches Feld. Die direkten Kundenkontakte werden nicht beeinflusst, aber die Größenvorteile sind enorm. Zwar steckt hier der Teufel im Detail, und knifflige IT-Fragen stellen die Verhandlungsführer vor große Herausforderungen. Doch die Vorteile liegen auf der Hand und sollten über kurz oder lang zu einer weiteren Dreierfusion im Dunstkreis der Großbanken führen.

Renditedruck hat Tabus gebrochen

Immobilienfinanzierung und Transaction-Banking sind längst ungeliebte Kinder der großen Institute, die sie als Kernfelder abgeschrieben haben. Der Renditedruck hat mittlerweile aber auch in vielen anderen Bereichen die Tabus gebrochen. Alles steht in den Banken jetzt auf dem Prüfstand - mit Ausnahme der Geschäfte mit direktem Kontakt zu hoch profitablen Kunden und "intelligenten" Produkten, die hohe Margen rechtfertigen und Einzigartigkeit im Markt ermöglichen.

Das standardisierte Privatkundengeschäft ist hingegen ein verlockender Kandidat für einen Schulterschluss der Großbanken. Ebenso das weitgehend standardisierte Geschäft mit kleinen und mittleren Firmenkunden, die voraussichtlich niemals die Kapitalmarktreife erlangen und damit nicht in für die Banken attraktive Renditeregionen vordringen werden. Dabei wird das Feld, auf dem die strategischen Gedankenspiele stattfinden, schrittweise immer größer: Haben sich die Banken zunächst nur mit Restrukturierungen innerhalb ihrer Konzerne beschäftigt, so laufen jetzt lebhafte Gespräche zwischen den Konzernen, vor allem im Inland. Der Sprung über die Landesgrenzen und über die Grenzen der Institutsgruppen Private, Öffentlich-Rechtliche und Genossen ist selten oder findet noch gar nicht statt. Das wird kommen.

Doch die bittere Dimension der Hypo-Fusion ist: Der drastische Stellenabbau von knapp einem Drittel zeigt, wie groß die Überkapazitäten in der Branche sind. Im Transaction-Banking steht der gleiche Einschnitt bevor. Im Privat- und Firmenkundengeschäft sind umfangreiche Stellenstreichungen zwar bereits angekündigt. Doch bei Verschmelzungen wird es noch schlimmer kommen. Neue Beschäftigungschancen sind auf der anderen Seite selbst mittelfristig nicht in Sicht.

Die Aufweichung des Spezialbankprinzips rückt in greifbare Nähe

Die Fusion der drei Hypothekentöchter hat noch eine weit reichende Konsequenz für die Bankenindustrie: Eine Aufweichung des Spezialbankprinzips in Deutschland rückt bedeutend näher. Der Geschäftsradius der reinen Hypothekenbanken, die den strengen Regeln des Hypothekenbankgesetzes (HBG) unterworfen sind, soll ausgeweitet werden. Damit nähern sie sich den Universalbanken an, weil sie neue renditestarke Märkte brauchen.

Der Verband deutscher Hypothekenbanken diskutiert eine weitere Novelle des HBG, die den reinen Hypothekenbanken mehr Geschäftsmöglichkeiten einräumen soll - ohne das Privileg für Pfandbriefemissionen aufzugeben. Das räumte Karsten von Köller, designierter Vorstandschef der neuen Eurohypo und zugleich Verbandschef, ein.

Eurohypo und Rheinhyp werden auf die Deutsche Hyp verschmolzen, die über einen Gemischtbankstatus verfügt und keine reine Hypothekenbank ist. Dieser Status gibt der Bank die Geschäftsmöglichkeiten einer Universalbank. Da auch die Branchengrößen HVB Real Estate und Depfa Deutsche Pfandbriefbank keine reinen Hypothekenbanken sind, ist die Ausnahme längst zur Regel geworden.

Dass es mit dem geplanten 4. Finanzmarktförderungsgesetz eine Novelle des HBG geben soll, die den Geschäftsradius schon etwas erweitert, ist für die reinen Hypothekenbanken ein schwacher Trost. Denn bis die Novelle kommt, die sie mit den Gemischten gleichziehen lassen, leiden sie unter der Wettbewerbsverzerrung.

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