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Fusionen in der europäischen Börsenlandschaft kommen nicht voran

Europas Börsen haben eine Jahrhunderte lange Tradition. Erst in den 1990er Jahren sorgten die weltweite Vernetzung der Finanzmärkte und der Siegeszug des elektronischen Handels dafür, dass sich regionale Börsen zusammenschlossen und nationale, zum Teil sogar internationale Handelsplätze entstanden. Der Stolz auf die eigene, unabhängige Börse bleibt jedoch nach wie vor ein nicht zu unterschätzender Faktor. Zuletzt erteilte die Schweizer Börse in Zürich einer Fusion mit der Deutschen Börse in Frankfurt eine deutliche Absage, obwohl beide seit langem erfolgreiche Kooperationspartner sind.

dpa-afx FRANKFURT. Europas Börsen haben eine Jahrhunderte lange Tradition. Erst in den 1990er Jahren sorgten die weltweite Vernetzung der Finanzmärkte und der Siegeszug des elektronischen Handels dafür, dass sich regionale Börsen zusammenschlossen und nationale, zum Teil sogar internationale Handelsplätze entstanden. Der Stolz auf die eigene, unabhängige Börse bleibt jedoch nach wie vor ein nicht zu unterschätzender Faktor. Zuletzt erteilte die Schweizer Börse in Zürich einer Fusion mit der Deutschen Börse in Frankfurt eine deutliche Absage, obwohl beide seit langem erfolgreiche Kooperationspartner sind.

Drei große Börsenkonzerne haben sich in Europa herausgebildet: Die London Stock Exchange (LSE) , die aus den Börsen in Paris, Amsterdam und Brüssel fusionierte Börse Euronext und die Deutsche Börse. Alle drei sind selbst börsennotiert und stehen daher bei ihren Aktionären in der Pflicht, wachsende Umsätze und Gewinne vorzuweisen. Je mehr Geschäfte die Finanzdienstleister über ihre Plattformen abwickeln können, desto höher sind die Erträge, ohne dass die Kosten in gleichem Umfang ansteigen - ein schwer gewichtiges Argument für Übernahmen oder Fusionen.

Akteure Wünschen Wenige Handelsplätze

Doch auch die internationalen Akteure an den Börsen wünschen sich möglichst wenige Handelsplätze. Derzeit sind die Aktien großer Konzerne - die so genannten Blue Chips - oft an mehreren Börsen gelistet. Unterschiedliche Systeme und Zeiten für die Ausführung schaffen Undurchsichtigkeit. "Für die großen Vermögensverwalter wäre eine effiziente, paneuropäische Plattform absolut wünschenswert", meint Lutz Johanning, Professor an der European Business School in Oestrich-Winkel. Diese Großanleger würden ohnehin bis zu 90 % ihrer Geschäfte mit Blue Chips tätigen. Regionale Börsen könnten sich als Nischen-Anbieter auf Nebenwerte konzentrieren.

Es ist also keine Überraschung, dass die Börsenmanager eifrig Fusionspläne schmieden. "Die große Übernahmeschlacht wird um London geführt werden", meint Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die LSE ist zwar gemessen am Börsenwert der an ihr notierten Unternehmen die größte der drei international ausgerichteten Handelsplätze. Doch ihr eigener Wert an der Börse ist niedriger als der von Euronext und dem Spitzenreiter Deutsche Börse. Das liegt auch daran, dass das Geschäft der LSE fast nur aus dem klassischen Kassamarkt besteht - also Wertpapiergeschäften, die anders als am Terminmarkt mit seinen Optionen und "Futures" sofort ausgeführt werden.

Deutsche Börse Breiter Aufgestellt

Die Deutsche Börse ist hingegen viel breiter aufgestellt: Sie ist durch die Übernahme des Luxemburger Unternehmens Clearstream auch hinter den Kulissen, bei der Abrechnung von Handelsgeschäften und der Aufbewahrung von Wertpapieren, eine Größe und betreibt gemeinsam mit der Scheizer Börse das Joint Venture Eurex, die größte Terminbörse der Welt. "Die Bedeutung der Terminmärkte nimmt immer mehr zu", betont Analyst Kayser. Schlechte Karten also für die einseitig ausgerichtete Londoner Börse. Andererseits ist es nur schwer vorstellbar, dass die Banker in der Londoner City das Symbol ihres Finanzplatzes, die eigenständige Börse, aufgeben würden.

Zu Zeiten des Internet-Booms, also unter ganz anderen Vorzeichen, war eine Fusion zwischen Deutscher Börse und LSE im Jahr 2000 bereits einmal gescheitert. Der neue Handelsplatz sollte damals den futuristischen Namen "iX" tragen. Durch die jüngste Absage der Schweizer Eidgenossen an eine Fusion könnte die europäische Konsolidierung wieder einmal ins Stocken geraten sein, vermuten Branchenkenner. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass die lange Tradition der europäischen Börsen noch eine Weile erhalten bleibt.

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