Fusionen könnten Synergieeffekte bringen
Deutsche Banken sind noch immer zu klein

Der Konkurrenzdruck im Finanzgewerbe hat sich mit Einführung des Euros erhöht, und er wird sich weiter verschärfen. Für die Bundesbank stellt die fortschreitende Konzentration weder eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems dar, noch behindert sie nach ihrer Einschätzung die Wirkungsweise der Geldpolitik.

kr FRANKFURT/M. Zwar hat die Zahl der Kreditinstitute in Deutschland im Laufe der Jahre stark abgenommen. Die Konzentration hält sich aber nach Wertung der Bundesbank in Grenzen. Ihr Chef-Volkswirt, Prof. Hermann Remsperger, geht indes davon aus, das sich der Konzentrationsprozess beschleunigen wird.

Aus Sicht des Zentralbankers steht eine Verschärfung des Wettbewerbs der Wirkungsweise der Geldpolitik nicht im Wege. Vielmehr spreche einiges für die Annahme, dass die Durchsetzungskraft der Geldpolitik mit dem Wettbewerbsdruck im Finanzgewerbe steige. Grenzüberschreitende Zusammenschlüsse und eine länderübergreifende Annäherung von Finanzmarktstrukturen würden nach Remsperger "das Problem einer asymmetrisch wirkenden Geldpolitik reduzieren".

Vor der Deutschen Sparkassenakademie in Berlin wies er darauf hin, dass sich der Wettbewerbsdruck im Bankgewerbe durch die Einführung des Euros weiter verschärft hat. Wechselkursrisiken und Anlagebeschränkungen seien weggefallen, die Transaparenz habe zugenommen, das Marktzutrittspotenzial sei gewachsen. Herausgefordert sieht er die Banken durch andere Finanzintermediäre, die Wertpapiermärkte und Unternehmen "jenseits" des Finanzsektors. Das Internet werde die gegenseitige Marktdurchdringung noch beflügeln.

Einen zwangsläufigen Zusammenhang zwischen zunehmender Konzentration und abnehmendem Wettbewerb innerhalb eines Marktes verneint Remsperger. Die Zahl der Banken oder die Größe der Marktanteile gebe nur sehr bedingt Aufschluss über das Ausmaß des Konkurrenzdruckes. Oft sei nicht die Zahl der tatsächlich auf dem Markt agierenden Anbieter für das Wettbewerbsverhalten entscheidend, sondern der drohende Markteintritt potenzieller Konkurrenten.

Fusionen können Synergieeffekte bringen

Die Notenbanken, die schon aus gesamtwirtschaftlichen Gründen an einem stabilen Finanzsystem interessiert seien, sehen seiner Darstellung nach die Stabilität durch fortschreitende Konzentration nicht gefährdet. Im Gegenteil: "Falls sich die erwarteten Synergieeffekte durch Fusionen realisieren lassen, dürfte die Stabilität des Finanzsystems eher steigen", so der Volkswirt. Nach Remsperger lag der zusammengefasste Marktanteil der fünf größten Institute in Deutschland Ende 1999 bei 19 %. Für die zehn größten Banken nannte er einen Anteil von knapp 32 %. Mit diesem Konzentrationsmaß markiere Deutschland das untere Ende in der Europäischen Union. Schweden mit 90 % Marktanteil der fünf größten Institute und die Niederlande mit 80 % lägen am oberen Ende; der ungewichtete EU-Durchschnitt betrage 53 %.

In Deutschland habe sich die Konsolidierung, die zu einem Rückgang der Zahl der Kreditinstitute von 13 360 Ende 1957 auf derzeit etwa 3 000 führte, vor allem innerhalb der einzelnen Bankengruppen abgespielt. Die Zahl der Sparkassen schrumpfte laut Remsperger von 871 auf 578, die der Kreditgenossenschaften von 11 765 auf 2 035. Die Zahl der Zweigstellen wuchs dagegen von 13 000 auf den Spitzenwert von 45 600 Einheiten (1992) und sank danach auf 41 240 (Postbank, Bausparkassen und Kapitalanlagegesellschaften wurden hier nicht mitgezählt).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%