Fusionen sind vorerst nur in Skandinavien zu erwarten
Telekom-Anbieter in der Zwickmühle

Die europäischen Telekom-Konzerne wandern nach Ansicht von Analysten auf einem schmalen Grat: Einerseits müssen sie ihre Schulden reduzieren. Andererseits riskieren sie den Verkauf von Vermögen unter Wert und verspielen so Chancen für Wachstum. Das verspricht in Zukunft vor allem der Mobilfunk.

DÜSSELDORF. Das schönste Kompliment, dass Analysten einem Telekom-Unternehmen zur Zeit machen, lautet offenbar "langweilig". "Das war für uns einer der besten Kommentare, die wir seit Monaten gehört haben", freute sich Pat Gallagher, Manager von British Telecom (BT), nach Vorlage der Quartalszahlen vergangene Woche. Analysten vermissen zwar eine langfristige Wachstumsstrategie, honorieren aber, dass der britische Telekom-Riese einen Ausweg aus der Schuldenkrise gefunden hat. Das Ergebnis: BT senkte seine Verbindlichkeiten im vergangenen Quartal um etwa 10 Mrd. £ auf 17,5 Mrd. £ und gab damit auch dem Aktienkurs wieder etwas Auftrieb.

Schuldenabbau ist für die europäischen Telekom-Konzerne in diesem Jahr zur absoluten Priorität geworden. Unter dem Druck der Rating-Agenturen, die die Unternehmen in ihrer Bonität immer stärker nach unten korrigierten, beendeten die Telekom-Anbieter ihre Einkaufstouren. Konsolidierung ist jetzt der meistgebrauchte Begriff. Die Unternehmen verkaufen alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört, wie Immobilien und Minderheitsbeteiligungen.

Experten warnen vor Schuldenabbau um jeden Preis

Doch langsam kommen die Konzerne in eine Zwickmühle: Einerseits müssen sie ihre Schulden senken. Der erfolgreiche Abbau von Verbindlichkeiten sei entscheidend für die weitere Entwicklung dieses Sektors, schreiben Analysten von HSBC in einer Studie. Andererseits laufen die Unternehmen aber Gefahr, Vermögen unter Wert zu verkaufen. HSBC-Experten warnen daher vor einem Schuldenabbau um jeden Preis und der damit verbundenen Wertvernichtung.

Vor allem BT und auch die niederländische KPN sind dabei, ihren Schuldenstand nach Kräften zu senken und ihr Portfolio zu bereinigen. BT holt seinen Gewinn in erste Linie aus dem Kerngeschäft, der Festnetztelefonie. Der Marktanteil ist dort stabil, dafür ist aber kaum Wachstum zu erwarten.

Wesentlich ambitionierter und damit als ein riskanteres Investment gelten France Télécom und die spanische Telefónica Móviles. "France Télécom tanzt auf allen Hochzeiten", sagt ein Londoner Analyst, "die Schulden sind mit 61 Mrd. ? sehr hoch, das Wachstum aber auch". Telefónica Móviles hofft auf Profite durch ihr starkes Engagement in Lateinamerika. Dort schwächelt die Wirtschaft aber zur Zeit.

Großes Wachstumspotenzial

Mobilfunk hat nach Ansicht von Analysten ein großes Wachstumspotenzial. Derzeit sind in diesem Bereich aber noch große Investitionen nötig. Wann im Mobilfunk endlich gutes Geld verdient wird, hängt für die Experten von UBS Warburg vor allem davon ab, ob die Unternehmen die Durchschnittumsätze ihrer Kunde erhöhen können. Das sei aber erst möglich, wenn Handys für die schnellere Datenübertragung über GPRS auf den Markt kommen mit überzeugenden Datendiensten.

Fusionen sind angesichts der Schuldenprobleme der Konzerne vorerst nicht zu erwarten - mit wenigen Ausnahmen. Telia, Telenor und Tele Danmark verhandeln über einen Zusammenschluss. Und nach dem Einstieg von Pirelli bei Telecom Italia werden auch die Italiener als Übernahmekandidat gehandelt - vor allem für die Deutsche Telekom. Doch das werde noch dauern. "Die Telekom muss erst ihre Schulden abbauen", sagt Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin, "um mehr Spielraum zu haben." Strategische Kooperationen seien wahrscheinlicher.

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