Fusionsgespräche bestätigt - Neuer Mediengigant würde einen Umsatz von 68 Mrd. Euro erzielen
Vivendi und Canal Plus wollen Unterhaltungskonzern Seagram übernehmen

Der französische Mischkonzern Vivendi will mit der Übernahme des kanadischen Seagram-Konzerns den Abstand zu Time Warner/AOL verringern.

dpa/jgo PARIS/MONTREAL. Der aggressiv im Multimediabereich expandierende französische Mischkonzern Vivendi will zusammen mit Canal Plus den kanadischen Unterhaltungs- und Getränkekonzern Seagram Co. im Zuge eines Aktientauschs übernehmen. Vivendi SA ist Frankreichs größtes Verlagshaus, Internet Serviceprovider und mit 49 Prozent am Pay-TV-Sender Canal Plus beteiligt. Die Unternehmen haben ihre Fusionsgespräche am Mittwoch bestätigt. Preise wurden nicht genannt.

Nach Angaben der "New York Times" würde ein Unternehmen mit einem Konzernumsatz von 65 Mrd. $ (133 Mrd. DM/68 Mrd. Euro) und einem Börsenwert von 100 Mrd. $ entstehen. Das fusionierte Unternehmen soll nach Informationen der Pariser Wirtschaftszeitung "Les Echos" Vivendi Universal heißen. Das klassische Seagram-Geschäft mit Alkoholika und anderen Getränken solle verkauft werden.

Die "New York Times" bezifferte den Kaufpreis auf 30,6 Mrd. $ oder mehr als 70 $ je Seagram-Aktie. Die Seagram- Aktien notierten in New York mit 53 $. Das "Wall Street Journal" rechnet mit einem Kaufpreis von mindestens 32,7 Mrd. $ oder 75 $ je Aktie.

Seagram bestätigte nur, dass es bei den Verhandlungen mit Vivendi und Canal Plus um einen Tausch von Seagram-Aktien in Aktien der Gesamtgruppe geht, doch nannte das kanadische Unternehmen keinen Preis.

Technikanbieter auf der Suche nach Inhalten

Vivendi, Seagram und andere große Medienunternehmen sind durch die geplante Übernahme des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner durch den Online-Branchenführer America Online für 113 Mrd. $ in Zugzwang geraten. Der Fusionsdruck wächst: so hat sich Telewest Communications, der zweitgrößte britische Kabel-TV-Betreiber, das Medienunternehmen Flextech gesichert; der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica übernahm den niederländischen Programmproduzenten Endemol.

Vivendi könnten dank Seagram wertvolle Inhalte für das neue Portal Vizzavi zuwachsen. Das Internet-Joint-Venture von Vivendi und Vodafone Airtouch soll noch in diesem Monat an den Start gehen und 70 Millionen Verbraucher erreichen. Ursprünglich hatte Jean-Marie Messier das Konzept Anfang Juni auch auf dem Medienforum in Köln vorstellen sollen. Damals hatte der Vivendi-Chef sich entschuldigen lassen und einen wichtigen Termin im anglo-amerikanischen Raum als Verhinderungsgrund genannt.

Dem Vernehmen nach soll Messier auch in der neuen Gesellschaft den Ton angeben. Edgar Bronfman jr., der Seagram-Konzernchef, solle eine "bedeutende Rolle" in der Gesamtfirma spielen, hieß es. Die Bronfman-Familie ist mit 25 Prozent an Seagram beteiligt.

Seagram war schon lange als Übernahmekandidat gehandelt worden

Seagram ist mit der Universal Music Group und Polygram der weltgrößte Musikkonzern. Zu den Interpreten, die unter Vertrag sind, gehören Beck, Bon Jovi, Elton John und Luciano Pavarotti. In den vergangenen Monaten hatte sich das Unternehmen massiv gegen Internet-Raubkopien zur Wehr gesetzt. Allerdings waren Versuche mit sicheren Download-Standards und einem Internetportal nicht unbedingt von Erfolg gekrönt.

Zweites wichtiges Standbein ist das Hollywoodstudio Universal (mit zahlreichen Studios) und die Kabelfernsehfirma USA Networks, an der Seagram zu 45 Prozent beteiligt ist.

Seagram betreibt zudem mehrere Freizeitparks. Die Gesellschaft ist außerdem einer der weltgrößten Spirituosenhersteller. Seagram hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres (30. Juni) zwölf Mrd. $ umgesetzt und 168 Mill. $ verdient. In Deutschland ist das Unternehmen, das im Rahmen von Kirchs Premiere World auch Filmkanäle anbietet, bislang eher zurückhaltend aufgetreten.

Dass Edgard Bronfman auf Partnersuche war, galt nicht als Geheimnis. Immer wieder war der Unternehmenslenker in den vergangenen Monaten mit potenziellen Übernahmekandidaten im Gespräch, unter ihnen Vivendi und die von Rupert Murdoch kontrollierte News Corp.

Vivendi hat sich in den vergangenen Jahren vor allem im Bereich Telekommunikation, Multimedia und Unterhaltungselektronik engagiert. Dem Zukunftsgeschäft gilt Messiers große Leidenschaft, die sich auch darin zeigte, dass er bei der Zweiteilung des Konzerns in Vivendi Environment und Vivendi Communications dem Wassergeschäft die Schulden aufbürdete.



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