Fusionsgespräche sind härter geworden
Commerzbank und Dresdner Bank streiten über Bewertung

Mit zunehmender Verbissenheit wird um Bewertungsfragen gerungen. Dabei spielt offenkundig auch die Frage eine große Rolle, welcher Wert Managementleistungen und effizienten Organisationsstrukturen beizumessen ist.

HB DÜSSELDORF.Die Gespräche über eine Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank sind härter geworden. Während in der vergangenen Woche noch eine Bewertungsrelation von 55 % für die Dresdner Bank und 45 % für die Commerzbank von beiden Seiten für annehmbar gehalten wurde, soll nun die Dresdner eine Verschiebung in Richtung 60 % zu 40 % anstreben, heißt es aus den verhandelnden Banken. Eine "politische Bewertung" sei nicht mehr erforderlich; jetzt zählten nur noch Substanz und Ertragskraft. Damit gerate das geplante "Pooling of Interest" außer Reichweite, ist zu vernehmen.

Während die Dresdner Bank darum bemüht ist, aus den stillen Reserven in ihren Nichtbanken-Beteiligungen, die in einer Größenordnung von etwa 15 Mrd. Euro vermutet werden, möglichst viel Kapital zu schlagen, versucht die Commerzbank, ihrem Verhandlungspartner deutlich zu machen, dass auch sie einiges zu bieten hat. Verhandlungsnahe Kreise veranschlagen die in Finanzbeteiligungen schlummernden stillen Reserven bei der Commerzbank auf wenigstens 9 Mrd. Euro. Zu diesen Engagements zählt nicht zuletzt der erst vor kurzem an der Börse eingeführte Direktbroker Comdirect; hinzu kommen Rheinhyp, Hypothekenbank in Essen, die Luxemburger Commerzbank-Tochter, die Beteiligung an der polnischen Bre-Bank sowie der Vermögensverwalter Jupiter. Zugleich macht man geltend, dass die Dresdner Bank in dieser Beziehung viel weniger zu bieten habe. Ihre stillen Reserven dürften sich insgesamt auf 18 Mrd. Euro summieren. Hinter vorgehaltener Hand unterstellen Beobachter der Dresdner Bank eine "gewisse Unfairness", sind aber nach wie vor davon überzeugt, dass ihr Vorstand an einem Erfolg der Gespräche interessiert ist. In der Commerzbank gibt es den Verdacht, dass die Dresdner Bank eigene Aktien und Papiere ihres Großaktionärs Allianz aus dem Markt kauft oder kaufen lässt, um so den Kurs nach oben zu pflegen, und gezielt Commerzbank-Titel abgibt. Ein Sprecher der Dresdner Bank dementierte dies auf Anfrage. Befürchtet wird, dass ein zunehmendes Misstrauen auf die Gespräche einen Schatten werfen könnte. Bei der Commerzbank wächst offenbar die Sorge, bislang zu "blauäugig" agiert zu haben

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