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Fusionsplan der Deutsche Börse und der LSE verzögert sich

Der Versuch des schwedischen Finanzmarktbetreibers OM Gruppen, die Londoner Börse zu übernehmen, hat dem ersten Echo in den Bankenvierteln Londons und Frankfurts zufolge keine großen Aussichten auf einen Erfolg. Die London Stock Exchange (LSE) lehnte die Offerte kategorisch ab, und in Finanzkreisen wurde das Werben der Skandinavier nicht als ernsthafte Gefahr für den Aktienmarkt an der Themse bewertet.

Reuters FRANKFURT. Einen großen Effekt hat das am Dienstag von den Stockholmer unterbreitete Angebot jedoch hervor gerufen: Der Fusionsplan der Deutsche Börse AG und der LSE verzögert sich. Die für den 14. September angesetzte Eigentümerversammlung zu der Verschmelzung werde verschoben, teilte die LSE am Nachmittag ohne Nennung eines neuen Termins mit. Ob auch die für den selben Tag geplante Hauptversammlung der Deutsche Börse AG verschoben wird, blieb zunächst offen.

Völlig überraschend hatte OM Gruppen am Freitagabend eine Übernahmeofferte für die Londoner Börse in Aussicht gestellt und dieser Ankündigung am frühen Dienstagmorgen Taten folgen lassen. Umgerechnet rund 2,5 Mrd. DM will der Eigentümer und Betreiber der Stockholmer Börse für die LSE zahlen, was einer Prämie von 15,7 % auf der Basis des Schlusskurses des LSE-Papiers am Freitag entspreche.

Die LSE wies das Angebot in einer offiziellen Stellungnahme als "völlig unangemessen" zurück. Eine Fusion von Stockholm und London würde einen geringeren Nutzen für Eigentümer und Kunden bringen, als er aus der geplanten Verschmelzung mit Frankfurt zu erwarten sei. Zudem würden die Eigentümer der Londoner Börse bei dem OM-Angebot nur 18,5 % an der neuen Gesellschaft erhalten, hieß es weiter. "Das Angebot ist höhnisch und bewertet unser Geschäft und unsere Potenzial fundamental zu niedrig", wie das Statement der Londoner Börse schloss.

Bei Finanzmarktbeobachtern und in den Börsen nahe stehenden Kreisen wurde der OM-Offerte sehr wenig Aussicht auf Erfolg bescheinigt, zumal OM Gruppen die Ehe nur bei einer Zustimmung von 90 % der LSE-Aktionäre schließen will. Bereits am Vorabend hatte es mit Blick auf das Angebot geheißen, die Offerte sei nicht ernst zu nehmen. Eine echte Gefahr für die von London und Frankfurt geplante "Superbörse" iX bestehe nicht, hieß es dann am Dienstag. Stockholm würde eine viel zu geringe Mitgift in die Ehe einbringen, und einen Anteil von weniger als ein Fünftel an einer britisch-schwedischen Börse würden die traditionsbewussten Londoner Banker niemals hinnehmen, hieß es weiter. Schließlich täten sich die Eigentümer der LSE bereits mit der angebotenen Frankfurt-Variante sehr schwer.

In der Tat war die geplante Fusion der Aktienmärkte an Themse und Main auch ohne das Auftauchen von OM Gruppen alles andere als eine gemachte Sache. Einige Eigentümer der LSE forderten zum Beispiel mehr Informationen und Details zu den Fusionsplänen, bevor sie sie billigen. Insofern verbuchte der Londoner Kleinbroker-Verband Apcims als einer der größten Skeptiker der deutsch-britischen Hochzeitspläne am Dienstag einen Erfolg, da er seine seit langem geforderte Verschiebung der notwendigen Eigentümer-Voten bekam. Die Mitglieder von Apcims halten 30 % an der LSE, die für eine Annahme des Zusammenschlusses mit Frankfurt 75 % ihrer Aktionäre hinter sich bringen muss. Ein anderer einflussreicher Kritiker von iX, der LSE-Großaktionär Guinness Peat, stellte am Dienstag sofort klar, dass die OM-Offerte für ihn unzureichend sei.

Den nur bescheidenen Erfolgsaussichten des Übernahmeversuchs von OM Gruppen steht eine große Wirkung gegenüber. In Kreisen nahe der Frankfurter Börse wurde auch eine Terminänderung für die Hauptversammlung der Deutsche Börse AG als sehr wahrscheinlich angesehen. Dies könnte den gesamten Fusionsprozess verzögern und sogar in Gefahr bringen. Finanzmarktexperten rätselten über die Motive der schwedischen Börse. Möglicherweise wolle die Gesellschaft die Fusionspläne nur verzögern, um ihr eigenes elektronisches Handelssystem "Jiway" im November besser verkaufen zu können, hieß es. Die wachsende Konkurrenz aufstrebender Elektronik-Handelssysteme wie "Jiway" zählen dem Vernehmen nach zu den Gründen, warum sich die eigentlichen Erzrivalen LSE und Deutsche Börse überhaupt auf eine Fusion einlassen wollen.

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