Fusionsverhandlungen ohne Einigung beendet
Analyst: Wedeco hat Glaubwürdigkeit verloren

Der Hersteller von chemikalienfreien Wasseraufbereitungsanlagen Wedeco hat nach einem Verlust im Auftaktquartal seine Gewinnerwartung für das Gesamtjahr deutlich reduziert. An der Börse büßten die Aktien zu Handelsbeginn mehr als ein Drittel ihres Wertes ein.

Reuters DÜSSELDORF. "Wir gehen vorsichtig geschätzt von einem Überschuss von sechs Mill. ? aus", sagte Finanzvorstand Christoph Dicks am Donnerstag. Noch Ende März hatte Wedeco für 2003 einen Anstieg des Jahresüberschusses auf 10,5 Mill. ? nach 8,4 Mill. ? im Vorjahr in Aussicht gestellt. Allerdings hatte die Gesellschaft damals bereits schon ihr Umsatzziel auf 170 von 175 Mill. ? leicht zurückgenommen. Wedeco bekomme derzeit die zurückhaltende Investitionsbereitschaft seiner Kunden zu spüren. Zudem seien außerordentliche Aufwendungen für inzwischen beendete Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit einem ausländischen Wettbewerber angefallen.

Die Börse reagierte enttäuscht auf die Quartalsergebnisse und die abgeschwächten Aussichten für das Gesamtjahr. Zu Handelsbeginn büßten die im Technologie-Index TecDax notierten Aktien mehr als 36 Prozent ein und notierten bei 9,20 Euro. Im weiteren Verlauf reduzierten sich die Kursverluste auf rund 25 Prozent. "Das sind desaströse Zahlen des Unternehmens", sagte der HSBC-Analyst Burkhard Sawazki. "Damit hat das Management seine Glaubwürdigkeit verloren", fügte er hinzu.

Dicks schließt Personalabbau nicht aus

Im ersten Quartal sei der Umsatz "im zweistelligen Prozentbereich" unter den Vorjahreswert von 28 Mill. ? gesunken, sagte Dicks ohne genauere Angaben zu machen. Zuvor hatte die Gesellschaft für die ersten drei Monaten einen Verlust von 3,5 Mill. ? bekannt gegeben. Wedeco werde nun seine "Hausaufgaben" machen und Kosten senken. Dicks schloss einen Personalabbau nicht aus. Nach dem traditionell schwachen ersten Quartal erwarte der Vorstand im weiteren Verlauf aber eine Geschäftsbelebung und sukzessiv steigende Gewinne. Weitere Details zum Geschäftsverlauf im Quartal sollen am 13. Mai bekannt geben.

Neben Einbußen im operativen Geschäft nannte Wedeco als weiteren Grund für den Quartalsverlust außerordentliche Aufwendungen für inzwischen beendete Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit einem ausländischen Wettbewerber. Zu dem Verhandlungspartner machte Wedeco keine Angaben. Aus Bankenkreisen verlautete aber, es habe sich um ein kanadisches Unternehmen gehandelt. Die Realisierung des Zusammenschlusses sei aber gescheitert wegen "nicht ausreichender Unterstützung nordamerikanischer Banken". Der kanadische Wasseraufbereiter Trojan Technologies teilte am späten Mittwochabend mit, die seit Monaten geführten Verhandlungen mit einem deutschen Konkurrenten über deren vollständige Übernahme seien gescheitert. Man bedauere, dass es zu keiner Einigung gekommen sei, da ein Zusammenschluss sowohl für die Unternehmen wie auch für die Aktionäre von Vorteil gewesen wäre. Trojan nannte den Namen des deutschen Verhandlungspartners nicht.

Übernahmefantasien sind nun raus

"Das sind desaströse Zahlen des Unternehmens. Wir hatten mit plus minus null gerechnet und jetzt gibt es einen hohen Verlust," sagte HSBC-Analyst Sawazki. "Nachdem bereits im Vorjahr die Jahresplanung verfehlt wurde, wird jetzt schon wieder zurückgerudert, obwohl bis zuletzt noch gesagt wurde, dieses Jahr würden die Schätzungen konservativ sein. Damit hat das Management seine Glaubwürdigkeit verloren." HSBC stuft die Aktie mit "Reduce" ein. "Die Übernahmefantasien, die den Kurs in den vergangenen Wochen noch gestützt hatten, sind mittlerweile raus. Und jetzt kommen auch noch operative Probleme hinzu."

Auch Aktienhändler äußerten sich enttäuscht zu den Quartalszahlen und Aussichten für das laufende Jahr. "Das kam derart überraschend, dass ich davon auf jeden Fall die Finger lassen werde", sagte ein Frankfurter Händler.

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