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Fußball-Aktie und Finanzprobleme - Der BVB in der Krise

Die fetten Jahre sind vorbei. Borussia Dortmund , seit vier Jahren börsennotierter Fußballverein, glänzt derzeit weder in der Bundesliga noch auf dem Börsenparkett. In der Liga schwimmt der Verein im trüben Mittelfeld, bei der geldbringenden Champions-League oder dem Uefa-Pokal ist er nicht dabei, und an diesem Freitag (8.Oktober) wird er voraussichtlich einen millionenschweren Fehlbetrag in der Bilanz für das Geschäftsjahr 2003/2 004 ausweisen. Analysten munkeln von einem Verlust in Höhe von mehr als 65 Mill. Euro.

dpa-afx DORTMUND. Die fetten Jahre sind vorbei. Borussia Dortmund , seit vier Jahren börsennotierter Fußballverein, glänzt derzeit weder in der Bundesliga noch auf dem Börsenparkett. In der Liga schwimmt der Verein im trüben Mittelfeld, bei der geldbringenden Champions-League oder dem Uefa-Pokal ist er nicht dabei, und an diesem Freitag (8.Oktober) wird er voraussichtlich einen millionenschweren Fehlbetrag in der Bilanz für das Geschäftsjahr 2003/2 004 ausweisen. Analysten munkeln von einem Verlust in Höhe von mehr als 65 Mill. Euro.

Borussia Dortmund ist einer von europaweit etwa 40 börsennotierten Fußballclubs, darunter Vereine wie Manchester United (Manu) und Juventus Turin . In Deutschland hat bislang kein weiterer Fußballverein den Sprung auf das Parkett gewagt - obwohl Analysten Börsengänge in der Branche durchaus begrüßen würden.

Interesse VON Fans und Managern Kann IN Einklang Gebracht Werden

"Die könnten alle an die Börse gehen", sagt etwa HVB-Analyst Peter-Thilo Hasler. Das Interesse von Fans und Managern könne durchaus in Einklang gebracht werden: "So eine Aktie zum an-die-Wand-hängen, das hat doch auch etwas für Fans." Ingo Süßmilch, Fußball-Experte bei der Düsseldorfer WGZ Bank, bestätigt die positive Auffassung. "Wir glauben grundsätzlich schon, dass die wirtschaftliche Seite die sportliche nähren kann und umgekehrt", sagt er.

In einer europaweiten Studie ist die WGZ Bank zu dem Ergebnis gekommen, dass börsennotierte Vereine mehrheitlich besser mit Finanzkrisen klar kommen als nicht-börsennotierte Vereine. Die Unternehmensstruktur der AG biete betriebwirtschaftliche Vorteile, sagt Süßmilch und verwies auf die Studie.

Der BVB allerdings überraschte in jüngste Zeit immer wieder mit Schlagzeilen über seine Finanzmisere. Auch der Einstieg des umstrittenen Großaktionärs Florian Homm wurde kritisch bewertet. Der Hedge Fonds-Manager hatte den Verein dann prompt unter Druck gesetzt: "Wenn die Sanierung des Clubs sich nicht schon in den nächsten Halbjahresbilanzen niederschlägt, können wir sehr unbequem werden", sagte er in einem Interview mit dem "Spiegel".

BVB Will Stadion Zurück Kaufen

Nun hat BVB-Präsident Gerd Niebaum konkrete Pläne zum Rückkauf des Westfalenstadions angekündigt. "Jetzt streben wir an, zu den sechs Prozent, die wir ohnehin noch halten, weitere 94 Prozent zu erwerben", sagte er in einem Interview mit "Focus Money". Das Stadion war vor zwei Jahren für 75,4 Mill. in Form eines "Sell-and-Lease-Back-Verfahren" an den Commerzbank-Fonds Molsiris verkauft worden. Im Jahr 2017 sollte es wieder in den Besitz des Vereins übergehen.

Angesichts der hohen Stadionmiete hatten Analysten allerdings schon in den vergangenen Tagen zu einem Rückkauf der Arena geraten. Dabei drohen jedoch hohe Abfindungen und Schadenersatzzahlungen an die Anteilseigner des Molsiris-Fonds. "Die Frage ist nur, zu welchem Preis", sagt dazu Analyst Hasler. Er habe immer für ein Behalten des Stadions plädiert - nun sei nur zu hoffen, "dass der Verein diesmal richtig rechnet."

Es könnte nach Ansicht von Branchenkennern durchaus an diesen Negativschlagzeilen und nicht zuletzt den Reaktionen enttäuschter Fans liegen, dass sich nicht mehr deutsche Vereine an der Börse gehandelt werden. Der FC Bayern München etwa käme allen voran als Kandidat in Frage, will aber nicht. Manager Karl-Heinz Rummenigge wiegelte erst kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa-AFX ab. Er rechne bis zur Weltmeisterschaft 2006 nicht mit Börsengängen deutscher Fußballklubs. "Wir planen dergleichen überhaupt nicht", sagte er. Dem Beispiel Borussia Dortmund maß Rummenigge wenig Vorbildcharakter zu. "Wenn am Samstag Borussia Dortmund verliert, ärgern sich die Verantwortlichen schon genug. Und am Montag dürfen sie sich noch einmal ärgern, wenn der Börsenkurs leidet."

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