Fußball am Arbeitsplatz
Viele Firmen wollen zur WM TV-Geräte erlauben

Wenn in Japan und Südkorea das Abendspiel angepfiffen wird, ist es hierzulande gerade Mittag. Etliche Unternehmen wollen den Fußball-Fans am Arbeitsplatz entgegenkommen.

ap BERLIN. Kraftstrotzende Spiele der deutschen Elf, elegante Tricks von Zinedine Zidane, Außenseitersiege von Costa Rica: Am 31. Mai beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Die Zeitverschiebung bringt es mit sich, dass alle Spiele hier zu Lande zwischen 07.30 Uhr und 15.15 Uhr übertragen werden. So dürfte es für die meisten Arbeitnehmer schwierig werden, ihrer Leidenschaft zu frönen - es sei denn, ihre Chefs drücken ein Auge zu und erlauben, die Übertragungen über Fernsehen oder Radio mitzuverfolgen.

Tatsächlich wollen viele Unternehmen und Behörden in Deutschland ihren Mitarbeitern entgegen kommen. Besonders gut haben es die Angestellten der Deutschen Bahn. Via Bahn-TV werden sie sofort über die Endergebnisse informiert. Zudem werde überlegt, die Beschäftigten mit Hilfe des Intranets mit den notwendigen Informationen zu versorgen, kündigt ein Sprecher an. Es bestünde sogar noch die Möglichkeit, kurzfristig für die WM Urlaub einzureichen - allerdings nur, wenn es das Geschäft erlaubt.

Daimler-Chrysler will in seiner Stuttgarter Hauptverwaltung in der Cafeteria sogar extra einen Großbildfernseher aufstellen. Dieser werde dann im Rahmen der normalen Pausen und nach Feierabend eingeschaltet, erzählt Sprecher Marc Binder. Auch bei Siemens können kurzfristig in Casinos Monitore aufgestellt werden. Allerdings gebe es für das Aufstellen der "medialen Fremdkörper" an Arbeitsplätzen, die die ständige Konzentration der Mitarbeiter forderten, strikte Verbote, sagt Sprecher Constantin Birnstiel.

Die Angestellten des Bremer Raumfahrtunternehmens Astrium können die Spiele ebenfalls im Fernsehen verfolgen - allerdings mit einer Einschränkung: Deutschland muss mindestens das Viertelfinale erreichen. Dann werden die Begegnungen auf den 20 Werksfernsehern, die üblicher Weise ein "Business-TV" zeigen, übertragen. Und in der Deutschen Bank 24 in Frankfurt am Main können die Angestellten in den Pausen das Geschehen auf Monitoren in den Aufenthaltsräumen verfolgen.

Nicht alle Unternehmen sind jedoch so tolerant. Immerhin wollen einige wie der Reifenhersteller Continental Radiohören erlauben. Auch bei BMW dürfen die Arbeiter an den Montagebändern die Spiele im Radio verfolgen. Fernsehen ist hier jedoch tabu: "Wir haben Ziele gesetzt und können nicht einfach die laufende Produktion stoppen. Das eine ist Arbeitsleben, das andere Privatleben", erklärt eine Sprecherin.

Ähnlich geht auch die Stadtverwaltung in München vor: Radiohören ist okay, Fernsehen jedoch nicht. "Mit Hilfe des modernen Videorekorders wird es sicherlich möglich sein, das aufzunehmen und nachmittags anzugucken", sagt ein Sprecher. Und in der Stadtverwaltung Frankfurt am Main weiß man: "Wenn der eine oder andere reinhört, wird vermutlich keiner etwas sagen."

Auch wenn Sitzungswochen anstehen, werden für die Bundestagsabgeordneten im Reichstag keine Monitore aufgestellt. In den meisten Büros stünden jedoch Fernseher, sagt ein Sprecher. Auch bei Fußballfan Gerhard Schröder im Kanzleramt wird es keine zusätzlichen Monitore geben.

Neue Form der Mitarbeitermotivation

Einige Unternehmen bringen überhaupt kein Verständnis für Fußball-Fans auf. Im VW Werk in Mosel seien hochsensible Fertigungsstraßen installiert, die die Aufmerksamkeit der Arbeiter zu hundert Prozent erforderten, erklärt ein Sprecher. "Fernsehgeräte und Radios werden nicht am Arbeitsplatz aufgestellt", heißt es bei BASF.

Genau solchen Firmen wollen einige Politiker und Gewerkschafter ins Gewissen reden. Die Arbeitgeber sollten den Mitarbeitern so weit wie möglich freigeben und später nacharbeiten lassen, fordert der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck in einem Interview. Auch Wolfgang Gerhardt, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, hofft, dass eine Einigung zwischen Betrieben und Mitarbeitern möglich ist. Und IG-Metall-Chef Klaus Zwickel findet es spannend, zur WM flexiblere Arbeitszeiten einzuführen und Fernsehgeräte aufzustellen.

Dies sei eine neue Form von Mitarbeitermotivation. In Großbritannien setzte sich sogar die Handelsministerin Patricia Hewitt für flexible Arbeitszeiten während der WM ein. Das schaffe ein besseres Betriebsklima und könne zudem den Profit des Unternehmens erhöhen. Ansonsten fürchte sie, dass sich viele Fans einfach krankmeldeten.

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