Fußball-Bundesliga
Ausblick: Szenarien für die Zeit nach Kirch

Der deutsche Volkssport Nummer eins wäre nicht mehr der selbe, wenn die Gelder für die Fernsehrechte ausblieben.

hon DÜSSELDORF. Im Schnitt stammen nach Angaben der Deutschen Fußball-Liga (DFL) rund 30 Prozent der Einnahmen der Profi-Vereine aus den nationalen Fernsehrechten. Dieser Anteil schwankt aber erheblich von Club zu Club. Bei begüterten Vereinen sind es weniger - bei Borussia Dortmund beispielsweise 25 Prozent. Bei den Erstliga-Clubs aus der zweiten Reihe können es bis zu 60 Prozent, in der zweiten Liga noch mehr sein. "Die zweite Liga wäre komplett tot", meint Ernst Thoman, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler e.V. (VdV).

Paul Sibianu, Analyst bei der WGZ-Bank, hält die Gedankenspiele um einen Ausfall der Kirch-Gelder für hypothetisch: "Fußball ist zu attraktiv, als das sich für die Fernsehrechte nicht noch andere Unternehmen finden würden." Die Frage sei nur, zu welchen Bedingungen. Andere Vermarkter würden wahrscheinlich nicht mehr wie Kirch 360 Millionen Euro, sondern nur noch 300 Millionen oder weniger zahlen.

Kurzfristig wären davon vor allem kleinere Vereine betroffen, die größeren könnten den Einbruch leichter kompensieren. Wenn aber die Fernseheinnahmen über längere Zeit zurückgingen, müssten auch Spitzenclubs damit rechnen, die Spielergehälter nicht mehr auf dem derzeitigen Niveau zahlen zu können. Die Folge: Die Stars würden ins Ausland abwandern.

Ob die Fernsehsender aber wirklich Schlange stehen, ist keineswegs selbstverständlich. WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat wiederholt abgewunken. Bundesligarechte seien zwar wünschenswert, aber zu teuer.

ARD-Sprecher Rüdiger Oppers räumt ein, dass es verlockend sei, die Rechte für die Übertragung der Bundesligaspiele zu haben und die gute alte Sportschau wieder aufleben zu lassen, aber: "Das Geld ist dafür nicht da." Es gebe keine Beratungen und aus Sicht der ARD auch keinen Handlungsbedarf, betont Oppers. Die Politik sei auch noch nicht an die ARD herangetreten.

Auch RTL gibt sich offiziell desinteressiert. "Unsere drei Sportstandbeine sind Formel 1, Skispringen und Champions-League", sagte Unternehmenssprecherin Ingrid Haas. Wichtig sei der Event-Charakter. Und gerade bei der Fußball-Champions-League denkt RTL darüber nach, den Vertrag nach Ende der Saison 2003 nicht mehr zu verlängern. Dort gebe es "zu wenig Event für zu viel Geld, besonders bei den Zusammenfassungen", so Haas.

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