Fußball-Bundesliga
Hansa Rostock stößt mit Cola an

Hansa Rostock nimmt Abschied von den bislang vertrauten Bundesliga-Niederungen und stößt mit Cola auf Platz zwei an Erfolge mit einem Spritzer Zitrone.

Verschwörungstheoretiker wissen es: Der Erfolg liegt am schwarzen Trank, der "nicht so süßen Cola mit dem Spritzer Zitrone". So preist Hansa Rostocks neuer Hauptsponsor, die Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH, ihr Erfrischungsgetränk "Vita Cola". Der Brause muss was beigemischt sein, meinen Verschwörungstheoretiker, etwas, das Profis Beine macht.

Gewöhnlich wehren sich die Rostocker Jahr für Jahr gegen den Abstieg, kämpfen mehr als sie spielen: 14., 12. und 15. waren sie zuletzt. Der aktuelle Höhenflug in Zahlen: Nach fünf Spielen Zweiter hinter dem FC Bayern, vier Siege, eine Niederlage. Nur in einem Spiel kassierte Torhüter Mathias Schober Gegentreffer. Sein Team hat schon jetzt so viele Siege beisammen wie vergangene Saison in den 16 Spielen nach der Winterpause - die Liga staunt.

Manfred Wimmer, Vorstandschef des FC Hansa, schmunzelt über die Cola-Doping-Theorie. Im Westen kaum bekannt, ist Vita Cola im Osten hinter Coca-Cola und vor Pepsi die Nummer zwei der Cola-Getränke. Kurz vor der Saison kam der Zwei-Jahres-Vertrag zustande. Zwei Millionen Euro bekommt Hansa pro Saison. Sven Olaf Jensen, Marketingleiter der Thüringer Waldquell Mineralbrunnen, einer Tochter der Brau und Brunnen AG, sagt: "Es haben sich mit Hansa und Vita Cola der beliebteste Verein und eine der beliebtesten Marken des Ostens gefunden." Mag sein, doch für Wimmer steht fest: "Der sportliche Erfolg hat andere Gründe. Der gute Trainer und das solide Management."

Armin Veh habe "großen Anteil am Tabellenplatz", ist Wimmer überzeugt. "Wir wollten ihn unbedingt." Seit Jahresbeginn trainiert der 41-Jährige das Team. Die Fachwelt schätzt den Bayern schon länger. Nach zäher Eingewöhnungsphase, mit viel Krampf im Abstiegskampf, praktizieren seine Spieler nun, was der ehemalige Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach und Trainer des SSV Reutlingen zum Amtsantritt versprochen hatte: "Attraktiven Offensivfußball."

Als weiterer Erfolgsfaktor gilt neben Veh das Management um Aufsichtsratschef Horst Klinkmann und Vorstandschef Wimmer. Es hält sich, was das Sportliche anbelangt, im Hintergrund und wirtschaftet nüchtern, aber erfolgreich. Beispiel Fußballinternat: Seit 1998 steht die Einrichtung direkt hintem Ostseestadion. Mit U 21-Nationalstürmer Marco Vorbeck (21) und Kevin Hansen (23) haben sich die ersten Spieler in den Profikader gekickt.

Verdienst des Managements ist auch Hansas wirtschaftliche Gesundung: Die Schulden früherer Jahre waren zwischenzeitlich abgebaut. "Aktuell sind die Bilanzen wegen geringerer Fernseheinnahmen ganz leicht rot", sagt Wimmer. Die Mannschaft konnte trotz des im Vergleich zum Vorjahr um drei Millionen Euro niedrigeren Etats von 25 Millionen Euro nach den Wünschen des Trainers massiv umgestaltet werden: 13 Profis gingen. Zwölf neue kamen: Erfahrene wie Jochen Kientz und Jüngere wie Gerd Wimmer und Rade Prica. "Veh hat jetzt das Team, das er wollte", sagt ein Hansa-Kenner. Und Wimmer stellt klar: "Ein Strohfeuer soll der gute Saisonstart nicht sein."

Dem Anspruch muss Hansa noch gerecht werden. Am besten gleich am Samstag gegen Borussia Dortmund. Denn Cola-Doping hin oder her: Seit das Vita-Cola-Logo bunt von den Leibchen der Hansa-Kicker lacht, spielen diese Erfrischungs-Fußball wie früher im Ostseestadion nur Auswärtsteams. Interessante Parallele: Mit Bochum (derzeit 3.) und Bremen (5.) sind just jene zwei Klubs, die wie Rostock bis kurz vor Saisonstart keinen Trikotsponsor hatten, die Überraschungen der Liga. Oft genug aber trafen sich Überraschungsteams sehr schnell am anderen Tabellenende wieder.

Vor dem Heimspiel gegen den Meister ist Manfred Wimmer dennoch optimistisch: "Eine Überraschung ist möglich, wenn die Jungs - und das glaube ich - aus den Fehlern der Niederlage gegen Leverkusen gelernt haben." Die Ziele bleiben aber bescheiden: "Wir dürfen nicht vergessen, wer wir sind. Am Ende wollen wir drei Teams hinter uns lassen", sagen Wimmer und Veh.

Bei einem Sieg am Samstag läge Hansa acht Punkte vor Dortmund - gut möglich, dass BVB-Trainer Matthias Sammer dann ins Grübeln gerät und das von ihm ausgesprochene Cola-Verbot für seine Spieler aufhebt.

Quelle: Handelsblatt

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