Fußball-Bundesliga
Spielergehälter auf dem Prüfstand

Werden mit einer Bundesbürgschaft die Gehälter von überbezahlten Jung-Millionären gesichert und der Fußball als nationales Kulturgut gesichert? Auch innerhalb der Branche gibt es unterschiedliche Stimmen.

hon DÜSSELDORF. "Es kann doch nur ein Scherz sein, wenn Steuergelder zur Finanzierung von Fußball-Profis herangezogen werden sollen. Es rächt sich jetzt bitter, dass den Spieler das Geld in den Rachen geworfen worden ist", sagte Bremens Bildungssenator und ehemaliger Werder-Bremen-Manager Willi Lemke gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Für Lemke wäre es "ein Riesenskandal, wenn der Bund oder die Länder bei einer Kirch- Insolvenz eine Bürgschaft von 200 Millionen Euro übernehmen würden". Es müsse eine Gesundung bei den Zahlungen der Spielergehälter geben und alles auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt werden, fordert Lemke.

Stattdessen regte Lemke eine Art "Fußball-Länderfinanzausgleich" mit Champions League-Einnahmen an. Das heißt, die reichen Clubs könnten den anderen aus diesen Einnahmen etwas abgeben. Außerdem könnten die Gehälter der Kicker "um 20, 30 Prozent" heruntergeschraubt werden, meinte Lemke.

"Wenn man den Bauarbeitern von Holzmann weniger Geld zumuten kann, dann geht das auch bei den Einkommensmillionären im Fußball", sagte Lemke.

Ernst Thoman, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler e.V. (VdV), widerspricht Lemke naturgemäß heftig. "Zu sagen, mit Steuergeldern würden die Gehälter der Jung-Millionäre subventioniert, ist doch Unsinn." Thoman verweist darauf, dass der Fußball auch eine soziale und kulturelle Aufgabe habe und deshalb nicht einfach mit Holzmann & Co über einen Kamm geschoren werden könne. Die Spielergewerkschaft begrüße das staatliche Rettungsangebot "ausdrücklich", so Thoman.

Dennoch gibt sich die Spielergewerkschaft VdV kompromissbereit, was die künftigen Spielergehälter betrifft. "Wenn die Ertragskraft des Fußballs zurückgeht, muss die Ausgabenpolitik überprüft werden, einschließlich der Spielergehälter", so Dafür gäbe es allerdings lediglich einen "moralischen, keinen rechtlichen Anspruch". Das komme nur in Frage, wenn auch alle anderen Ausgaben - einschließlich der Vorstandsbezüge - abgespeckt würden. Vor allem sollte aber bei den Transferausgaben gespart werden. Thoman: "Da wurden seit Jahren Millionen in den Sand gesetzt."

Mittelfristig sind sich Branchenexperten einig, dass der Preis für die Fernsehrechte sinken wird. Thoman erwartet daraus aber keine Folgen für die Spielergehälter. "Ich rechne damit, dass die Gehälter stagnieren, aber nicht zurückgehen werden."

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