Fußball EM
Adler und Marin überzeugen im DFB-Trainingslager

Die Überraschungs-Neulinge Rene Adler und Marko Marin fühlen sich im Kreise der deutschen Nationalmannschaft pudelwohl. "Wir sind hervorragend aufgenommen worden", bekannten beide.

Schuften statt faulenzen: Anstatt in den wohlverdienten Urlaub zu fahren, schwitzen seit Montag Rene Adler und Marko Marin Seite an Seite im EM-Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf Mallorca. "Wir sind beide hervorragend aufgenommen worden, spüren eine familiäre Atmosphäre", sagen die beiden Neulinge, die am vergangenen Freitag jeweils von der Nominierung durch Bundestrainer Joachim Löw überrascht worden waren, übereinstimmend nach ihren ersten Tagen im Kreis der A-Mannschaft.

"Ich werde versuchen, auf dem Platz den Bundestrainer zu überzeugen, dass ich zu Recht dabei bin. Ich will meine Stärken auch in der Nationalmannschaft zeigen", berichtet ein selbstbewusst auftretender Marin, den Löw zwar durchgängig Markus ruft, ihn aber zugleich liebevoll "der Kleine" nennt. Der 1,69m große "Zauberzwerg" von Bundesliga-Aufsteiger Borussia Mönchengladbach hat es dem Bundestrainer offensichtlich besonders angetan. "Ich habe ihn persönlich nur einmal beobachtet und wusste nach zehn Minuten, den nehme ich mit" schwärmt Löw von dem trickreichen Mittelfeldspieler.

Löw lobt Marins Unbekümmertheit und "positive Frechheit"

Den Ausführungen von Löw entnimmt man, dass sich Marin wohl keine Sorgen machen muss, dass er zu den drei Spielern gehört, die nach dem Mallorca-Casting am 28. Mai noch aus dem vorläufigen Kader gestrichen werden. "Marko besticht vor allem in Eins-gegen-eins-Situationen, diese Unbekümmerheit muss er auch in der Nationalmannschaft beibehalten", fordert Löw von dem 19-Jährigen, dessen "positive Frechheit" er auch bei den bisherigen Einheiten in Palma wohlwollend registriert hat. Marin, der sich trotz seiner Vorfahren aus Bosnien-Herzegowina frühzeitig für eine Karriere in den DFB-Farben entschieden hatte, weiß aber: "Als Neuling muss man damit rechnen, dass es einen trifft."

Dies kann Torwart Rene Adler, der Timo Hildebrand aus der Mannschaft gedrängt hat und der noch einmal Mitgefühl für den enttäuschten Konkurrenten äußerte, nicht passieren. "Aber natürlich gibt es auch bei den Torhütern einen Konkurrenzkampf, obwohl es bei uns sehr kameradschaftlich zugeht, meint der Keeper von Bayer Leverkusen, der aber weit davon entfernt ist, große Ansprüche zu stellen. "Ich will bei der Nationalmannschaft täglich lernen und bin mir auch nicht zu schade, von Jens Lehmann, der für mich aufgrund seiner Leistungen in der Vergangenheit die Nummer eins ist, und Robert Enke wertvolle Tipps zu holen."

Adler will nicht "erst mit 30 Jahren Stammtorwart in der Nationalelf" werden

Nichtsdestotrotz strebt der 23-Jährige, der Piotr Trochowski, Mario Gomez und Marcell Jansen aus seinen Zeiten in diversen Junioren-Nationalmannschaften kennt, auf Dauer einen Stammplatz an. "Wenn man schon so weit gekommen ist, dann muss man sich auch neue, höhere Ziele setzen. Es muss ja nicht unbedingt so bleiben, dass man erst mit 30 Jahren Stammtorwart in der Nationalelf wird", berichtet der lange Blonde, der sich selbst als "offensiven Torwart, der ein Spiel lesen kann" beschreibt.

Marin sieht seine Stärken in seiner ausgefeilten Technik, mit der er körperliche Defizite wettmachen kann. Das Leichtgewicht Marin (63 kg), das Mehmet Scholl, Cristiano Ronaldo von Champions-League-Sieger Manchester United und Dejan Savicevic, in den 90er-Jahren genialer Mittelfeldspieler beim AC Mailand, als seine Vorbilder nennt, hat selbst keine Probleme mit seiner Statur. "Ich war eigentlich immer der Kleinste. Lediglich in der B-Jugend von Eintracht Frankfurt gab es mal einige im Vorstand, die an mir gezweifelt haben. Ich habe mich aber immer durchgesetzt."

Dass sein Vereinscoach Jos Luhukay angemerkt hatte, die EM käme für ihn "wegen seiner körperlichen und mentalen Voraussetzungen" noch zu früh, lässt Marin kalt. "Er hat sich für mich gefreut, nur das zählt für mich." Zudem hat er seit Donnerstag einen weiteren prominenten Fürsprecher: "Da sehe ich keine Probleme, der spielt genauso wie ich früher", meint Olaf Thon, der ebenfalls als kleiner Virtuose 1990 Weltmeister wurde.

© SID

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