Fußball EM
Die Euro-Splitter vom 4. Juni

Die Schweizer EM-Gastgeber bereiten sich auf ungebetene Gäste vor: Die Stadt Basel öffnete für die Euro ein ehemaliges Gefängnis und entfernte in einem Stadtpark die Sitzbänke. Was richtige Gastfreundlichkeit ist, zeigt dagegen eine Zeitung in Bern.

Die Splitter der Euro 2008 vom 4. Juni (zusammengestellt vom Sport-Informations-Dienst):

Crashkurs: Mit einem Sprachen-Crashkurs bereitet die Berner Zeitung die Fußball-Fans unter ihren Lesern auf die Euro vor. Da die Niederlande ihre drei Vorrundenspiele im Wankdorf-Stadion austragen wird, lernt der Eidgenosse in der täglichen Rubrik "Nederlands voor beginners" neben der Erkundigung nach der Toilette (Waar is het toilet?) weitere wahrscheinliche und grundlegende Fragen der Oranje-Gäste zu verstehen. Beispiel: Hebben jullie in Zwitserland ook een koningin? Soll heißen: Hat die Schweiz auch eine Königin?

Knast: In Basel wird das ehemalige Gefängnis Schällemätteli während der EM wieder in Betrieb genommen. Damit verhaltensauffällige Fans dort in Gewahrsam genommen werden können, hat die Schweizer Armee den Knast erweitert. Es gibt sogar einen Saal, in dem Verhandlungen stattfinden können. Bis zu 350 Leute haben im Schällemätteli Platz. Randalierer werden jedoch weiterhin ins Untersuchungsgefängnis Waaghof gebracht.

Verlosung: Um ihren Ruf, sie würden zu viele Privilegien genießen, zu korrigieren, wollten 35 Parlamentarier aus Basel ihre geschenkten Tickets an "wahre Fußball-Fans" verlosen. Wer soziales Engagement vorweisen und begründen konnte, warum er eine der Eintrittskarten verdient habe, durfte teilnehmen. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) stoppte jedoch die Verlosung, weil sie "keine politische Werbung" dulde, und zog die Tickets ein.

Vorsorge: Eigentlich wollte sich Basel für die Euro richtig herausputzen. So wurde unter anderem ein Park gegenüber dem Bahnhof De Wette-Park für die vielen internationalen Gäste für viel Geld neu gestaltet - allerdings ohne neue Bänke. Aus Angst, die Fans könnten die Sitzgelegenheiten ruinieren, wurden diese gar nicht erst aufgestellt. Und weil, wer nicht sitzen kann, vielleicht auf dumme Gedanken kommen könnte, wurden auch noch alle Bäume - äußerst einladend - mit Holzbrettern ummantelt.

STÜLPI: Ein Kondommännchen mit Torwart-Handschuhen, das auf den passenden Namen "Stülpi" hört, soll die Fußball-Fans während der EM zu Safer Sex animieren. "Stülpi" prangt derzeit auf Plakaten der Aids-Hilfen in Österreich. "Tormänner tragen Handschuhe, um scharfe Bälle besser fangen zu können und ihre Hände zu schützen. Ebenso selbstverständlich sollte der Gebrauch von Kondomen beim Sex sein", sagte Elke Schlitz, Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wien.

Durst: Das eigens für die EM errichtete Cafe Kreml in Igls hat sich auf die Trinkfestigkeit der russischen Fans eingestellt, die zu den zwei Vorrundenpartien der "Sbornaja" im nahegelegenen Innsbruck erwartet werden. Barkeeperin Anna, selbst Russin, weiß, dass eine Menge Arbeit auf sie zukommen wird: "Russen trinken viel. Tagsüber Bier und nachts Wodka. Österreicher verstehen das nicht, weil sie körperlich nicht mithalten können."

Zeitung: Damit die Fußball-Fans während der EM immer auf dem neuesten Stand bleiben, wird im Spielort Klagenfurt die EM-Zeitung "Euro 11" an elf Tagen kostenlos verteilt. Das Blatt erscheint nicht nur in den Sprachen Deutsch und Englisch, sondern auch in polnischer und kroatischer Version. Die Auflage soll 20 000 bis 40 000 Stück betragen.

Wild-Pinkeln: Experten der Universität für Bodenkultur schlagen Alarm: Das zu erwartende exzessive Wild-Pinkeln würden erhebliche Schädigungen für die Bäume und Sträucher in den Fan-Zonen darstellen. Wenn die Fans schon ihre gute Kinderstube vergessen, dann sollten sie es nach einem intensiven Bier-Konsum tun. Laut der Universität mindert der Gerstensaft den Salzgehalt im Urin.

Euroschool: Wie die Profis ermitteln in den nächsten Wochen auch die Teilnehmer von Euroschool 2008, dem offiziellen Schulprojekt der EM, ihren Europameister. In sieben Vorturnieren vertreten die Jugendlichen aus Österreich, der Schweiz sowie Lichtenstein "ihr" Land, das ihnen durch den Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zugelost worden war. Das Finale steigt vom 26. bis 29. Juni in Innsbruck. Neben dem Turnier setzen sich die Schüler auch im Unterricht mit der jeweiligen Kultur des Landes auseinander.

Katakomben: Vor dem Spiel, in der Halbzeit und nach der Partie sind sie auf dem Rasen, wenn das Spiel läuft, nur Nebendarsteller. Die Platzwärte müssen während der Partie den Stadion-Innenraum verlassen. Dies berichtete der Berner "Greenkeeper" Sven Welti der Berner Zeitung. "Wir werden die Spiele in den Katakomben vor dem Fernseher verfolgen", sagte er etwas enttäuscht. Auf die Tribüne darf Welti nur einige Stunden vor dem Anpfiff: "Ob wir den Rasen sauber geschnitten und die Linien exakt gezogen haben, sieht man nur von dort oben." Immerhin.

Literatur: Fußball-Kommentare mit gehobenem Niveau verspricht das Grazer Literaturhaus: An vier Abenden werden Fußballexperten aus der Literaturszene wie Ferdinand Schmatz, Wendelin Schmidt-Dengler oder Thomas Brussig dort Spiele kommentieren. Um eine entsprechende Atmosphäre zu schaffen, wird das Auditorium des Literaturhauses in ein Stadion verwandelt.

Rezept: Wie der tschechische Torhüter-Hüne Petr Cech zu bezwingen ist, davon hat Erich Burgener eine genaue Vorstellung. "Chli tütschiniere", erklärte der Torwarttrainer der Schweizer Nationalmannschaft im Walliser Dialekt, müsse man den Welttorhüter stets. Rätselraten bei einigen Journalisten, doch der Tagesanzeiger klärt auf: "Hart attackieren" ist das Geheimrezept.

Handschlag: Nette Geste von Oranje: Als Dank für das hervorragend hergerichtete Trainingsgelände in Lausanne erhielten die 20 Bauarbeiter von jedem der 23 niederländischen Nationalspieler nach der ersten Übungseinheit einen Handschlag verpasst. Zusätzlich gab es einen kurzen, aber lieb gemeinten Kommentar von Bondscoach Marco van Basten: "Danke. Wirklich vielen Dank."

© SID

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