Fußball EM
Ex-Referee Meier für Profis an der Pfeife

Der ehemalige Schweizer Schiedsrichter Urs Meier hat die Einführung von Profi-Schiedsrichtern gefordert: "Die besten Unparteiischen müssten laufend intensiv geschult werden."

Weltverbands-Boss Joseph S. Blatter fordert den Profi-Schiedsrichter schon lange und ZDF -"Oberschiri" Urs Meier hat sich seinem Landsmann angeschlossen. Doch im Gegensatz zu den beiden Schweizern halten die deutschen Unparteiischen-Bosse trotz der Fehlentscheidungen bei der EM nach wie vor nichts vom hauptberuflichen Referee.

"Die Einführung des Profitums sollte kommen. Der Fußball ist noch athletischer geworden, der Einfluss von außen noch größer. Der Schiedsrichter ist ein wichtiger Teil dieses Spektakels", erklärte der frühere Fifa-Referee und ZDF-Experte Meier: "Die 30 bis 50 besten Unparteiischen Europas müssten deshalb zusammengenommen und laufend intensiv geschult werden."

Mit dieser Forderung rennt Meier beim Weltverband offene Türen ein. Die Fifa möchte in die Schiedsrichter-Ausbildung bis zur WM 2010 rund 32 Mill. Euro investieren. Ziel soll es sein, dass die WM-Spiele nur noch von Profis geleitet werden.

"Wir müssen das Schiedsrichterwesen einfach professioneller gestalten", sagte Blatter. Von Unparteiischen, die keinem anderen Beruf mehr nachgehen und sich ausschließlich mit der Leitung von Spielen beschäftigen, erhofft sich Blatter eine "einheitlichere Regelauslegung".

Graham Poll als schlechtes Beispiel

Allerdings haben die Gegner des Profi-Schiedsrichters leichtes Spiel bei ihrer Argumentation. Sie müssen nur auf eine der gravierendsten Fehlentscheidungen der WM-Geschichte hinweisen. Schließlich war der englische Referee Graham Poll, der bei der WM 2006 in Deutschland dem Kroaten Josip Simunic im Vorrundenspiel gegen Australien (2:2) in Stuttgart drei Gelbe Karten zeigte, der einzige professionelle Unparteiische des gesamten Turniers.

Für Lutz-Michael Fröhlich, den Schiedsrichter-Abteilungsleiter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist die Debatte vollkommen überflüssig. "Die Diskussion um den Profi-Schiedsrichter ist oft arg populistisch. Entscheidend ist die professionelle Einstellung, und die muss man fördern und erhalten", erklärte der Berliner.

Nach Fröhlichs Ansicht "spielt es keine Rolle, ob man sich von morgens bis abends oder nur zeitweise" mit seiner Aufgabe als Referee beschäftigt: "Für einen Fifa-Schiedsrichter auf Top-Ebene ist es sowieso schon heute nicht mehr machbar, sich zeitlich mehr als 50 Prozent einer anderen Tätigkeit zu widmen."

Ohnehin scheinen die Vorstöße von Meier und Blatter nicht zu Ende gedacht zu sein. Schließlich gibt sogar Meier zu, dass es immer Fehlentscheidungen geben wird. "Einzelne Fehler wird es immer geben. Das ist normal auf diesem Niveau der Fußballer", betonte der Schweizer.

Zudem stellte Meier den mehr oder weniger halbprofessionellen EM-Unparteiischen trotz der Patzer ein gutes Zeugnis aus: "Wir haben viele hervorragende und fair geführte Partien gesehen. Daran hatten die Schiedsrichter einen wesentlichen Anteil."

© SID

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