Fußball EM
"Feldherr" Terim plant seinen Abgang

Der türkische Nationaltrainer Fatih Terim hat nach dem EM-Aus gegen Deutschland seinen Rückzug angekündigt. Der türkische Verband will den 54-Jährigen unbedingt halten.

Er kam, sah, verlor - und verließ endgültig seinen Feldherrenhügel: Für "Imperator" Fatih Terim war die Mission als türkischer Nationaltrainer nach der 2:3 (1:1)-Niederlage im EM-Halbfinale gegen Deutschland beendet. Während seine Spieler noch der verpassten Finalchance nachtrauerten und die Fans von Basel über Berlin bis Belek enttäuscht ihre Fahnen einrollten, kündigte der 54-jährige Coach seinen Rücktritt an. "Meine Arbeit ist getan. Den nächsten Schritt mit dieser Mannschaft werden andere machen", sagte Terim.

Noch in der Kabine unmittelbar nach dem Spiel verabschiedete sich der Trainer von jedem einzelnen Spieler mit Handschlag und einem Kuss auf die Stirn als Zeichen seiner Wertschätzung. "Ich habe ihnen gesagt, wie stolz ich auf sie bin und ihnen viel Glück für die Zukunft gewünscht", erklärte Terim. Sein Abgang kam dabei nicht unerwartet: "Ich habe ja schon vor dem Turnier gesagt, dass meine Zukunft wohl nicht in der Türkei liegen wird und ich wahrscheinlich ins europäische Ausland gehen werde."

Terim soll es erneut nach Italien ziehen, wo er schon von 2000 bis 2002 beim AC Florenz und AC Mailand tätig war. In den türkischen Medien wurde er bereits mit dem SSC Neapel in Verbindung gebracht.

Im Vorfeld der Euro und selbst zu Turnierbeginn hatten der Trainer und sein Team hingegen noch reichlich Kritik einstecken müssen. Nach der 0:2-Auftaktniederlage gegen Portugal war sogar sein Rauswurf gefordert worden. Am Ende jedoch wäre sogar ein noch größerer Erfolg als das Halbfinale möglich gewesen. "Wir haben der großen Fußball-Nation Deutschland Paroli geboten und verlassen das Turnier erhobenen Hauptes", meinte Terim.

Lob von türkischen Medien

Auch die türkischen Medien, die lange Zeit nicht mit Kritik gespart hatten, waren wie schon nach den beiden letzten Siegen voll des Lobes. "Wir haben den Deutschen eine Fußball-Lehrstunde erteilt - auch wenn wir den Platz letztlich als Verlierer verlassen", kommentierte Türkspor die knappe Niederlage. Derweil konstatierte die Tageszeitung Sabah: "Das türkische Fußball-Märchen ist zu Ende. Aber auf diese Mannschaft kann man nur stolz sein." Für das Blatt Maraton ist die Türkei ohnehin "der Europameister der Herzen".

Für die Heimkehr der Mannschaft, die am Donnerstagnachmittag auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul landen soll, wurde deshalb ein großer Empfang vorbereitet. "Die Mannschaft hat den Menschen tollen Fußball geboten und sie damit für die etwas weniger guten Spiele entschädigt. Ich weiß, dass in diesem Spiel die Herzen von 70 Mill. Türken bei unserem Team waren", so Terim.

"In Zukunft ist die Türkei ein Titelkandidat"

Bayern-Profi Hamit Altintop, der als Mittelfeldmotor der herausragende Akteur bei den "Halbmonden" war, erklärte unterdessen, dass die Mission dieser noch längst nicht beendet sei: "Wir sind ein junges und hungriges Team. Wenn wir weiter an uns arbeiten, werden wir bei den nächsten großen Turnieren ganz bestimmt zu den Titelkandidaten gehören."

Davon ist auch Terim überzeugt. "Die Türkei wird auch in Zukunft von sich reden machen. Sie wird fester Bestandteil großer Turniere werden und in den nächsten Jahren noch einiges erreichen." Doch das wird dann in der Hand eines anderen Trainers liegen.

"Werden Fatih Terim nicht gehen lassen"

Der türkische Fußball-Verband TFF will Trainer Fatih Terim trotz seines angekündigten Rücktritts unbedingt halten. "Wir werden Fatih Terim nicht gehen lassen. Er soll uns in die Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika führen", sagte TFF-Präsident Hasan Dogan am Donnerstag unter Verweis auf den bis 2010 laufenden Vertrag mit dem 54-Jährigen.

Auf dem Rückflug aus der Schweiz nach Istanbul habe er ein langes Gespräch mit Terim geführt, ergänzte Dogan. "Ich habe ihn gebeten, über seinen Rücktritt noch einmal nachzudenken und uns nicht zu verlassen", sagte er über die Unterredung.

Auch Sportminister Murat Basesgioglu hat sich für eine weitere Zusammenarbeit mit Terim ausgesprochen. "Wir möchten, dass Fatih Terim bei der Mannschaft bleibt. Ich werde versuchen, ihn in einem Gespräch umzustimmen", sagte er.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%