Fußball EM
Klagenfurt fürchtet Invasion der Hooligans

In der Bevölkerung von Klagenfurt am Wörthersee geht vor dem EM-Spiel zwischen Deutschland und Polen die Angst vor gewaltbereiten Fans um.

Die Politiker verharmlosen die Gefahr. Mit einer möglichen Bedrohung durch gewaltbereite Fans beim Euro-Spiel zwischen Deutschland und Polen am kommenden Sonntag gehen sie ganz nonchalant um. In der Bevölkerung von Klagenfurt am Wörthersee geht dagegen längst die Angst um. Nicht nur die Geschäftsinhaber zittern vor dem Mob, der über die Stadt und damit ihre Läden hereinzubrechen droht, wie der Sport-Informations-Dienst (sid) bei einem Ortstermin feststellte.

"Ich mache mir große Sorgen. Wir alle haben Angst vor den Hooligans. Unseren Laden wollten wir verbarrikadieren. Als wir aber den Kostenvoranschlag sahen, mussten wir davon Abstand nehmen. 9 000 Euro sind für uns einfach zu viel", sagt Maria Malzner, Seniorchefin eines Blumenladens in der Klagenfurter Innenstadt. Wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen rund um die Fanzone kann sie nur hoffen, dass ihre Scheiben auch nach dem Spiel noch unversehrt sind.

Panik im Juweliergeschäft

"Wir haben doch nichts verbrochen. Es ist schon schlimm genug, dass durch die Absperrungen in der Innenstadt unser Geschäft massiv leidet. Da brauchen wir nicht noch marodierende Gewalttäter, die unser Inventar zerstören", meint die Geschäftsinhaberin. Auch im benachbarten Juweliergeschäft herrscht Panik: "Nur gut, dass wir am Sonntag geschlossen haben. In mir kriecht schon seit Tagen die Angst vor diesen Chaoten hoch", sagt die Angestellte Monika Koch.

Beängstigend für die Klagenfurter ist auch, dass Politik und Polizei keinerlei Warnungen ausgesprochen haben. "Uns hat niemand über mögliche Übergriffe von ausländischen Hooligans während der EM informiert. Wir sind hier überhaupt nicht vorbereitet", beschwert sich Brigitte Palkovitz, die in der Innenstadt ein Reformhaus führt.

Dass Deutschland ausgerechnet in Klagenfurt gegen Polen (8. Juni) und anschließend gegen Kroatien (12. Juni) spielt, rief beim österreichischen Assistenztrainer Andreas Herzog bereits bei der Gruppenauslosung für ein mulmiges Gefühl hervor. "Der Doktor Marek kriegt jetzt einen Herzinfarkt", sagte der frühere Bundesliga-Profi. Günther Marek ist EM-Sicherheitsbeauftragter und erfreut sich drei Tage vor dem Spiel der DFB-Auswahl gegen Polen bester Gesundheit. Doch Marek weiß auch: "Klar ist, dass die Spiele in Klagenfurt eine besondere sicherheitstechnische Herausforderung werden."

Pilz: "Spiel könnte problematisch werden"

Der Hannoveraner Fan-Forscher und Sportsoziologe Prof. Gunter A. Pilz blickt ebenfalls besorgt auf die ersten beiden Spiele der deutschen Mannschaft. "Wenn in Klagenfurt die ersten beiden Spiele gut über die Bühne gehen, kann man sich sicherlich etwas entspannen. Durch die Nähe Klagenfurts zu Kroatien könnte auch das Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Kroaten problematisch werden", sagte Pilz im sid-Interview.

Rund 2000 Polizisten, 900 Rettungskräfte und 400 Feuerwehrleute sind allein in Klagenfurt an den Spieltagen im Einsatz. Dennoch ist sich die Politik in Österreich der Gefahr durch Hooligans offenbar nicht bewusst. "Es gibt keine Hinweise, die auf ein mögliches sicherheitspolitisches Problem hindeuten könnten. Wir gehen davon aus, dass mehr als 99 Prozent friedliche Fans kommen werden", sagt Innenminister Günther Platter.

Dass vor dem Spiel der Deutschen gegen die Polen bei der WM 2006 insgesamt 429 Krawallmacher in Gewahrsam genommen wurden, wird verharmlost. "Die Zahl der Festnahmen in Dortmund spiegelt nicht die wahren Ausschreitungen wider", meint Marek.

Bis zu 150 000 Gäste erwartet

Das größte Problem von Klagenfurt: Die Stadt ist mit ihren 92 000 Einwohnern zu klein. Bei den Spielen werden allerdings bis zu 150 000 Gäste erwartet. Eine Dimension, die in der Landeshauptstadt von Kärnten unbekannt ist. Da werden im Public-Viewing-Bereich auch ein massives Polzeiaufgebot und das Verbot harter Alkoholika kaum helfen.

"Viele Unternehmer, die im engeren Bereich der Fanzone oder auf dem Verbindungsweg zum Stadion ansässig sind, sind verängstigt, weil sie nicht wissen, was 70 000 bis 150 000 zusätzliche Menschen bedeuten", sagt Wolfgang Dörfler, EM-Koordinator der Wirtschaftskammer Klagenfurt.

© SID

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