Fußball EM
Luca Toni, die Hoffnung Italiens

Im Schlechten das Gute zu finden, ist eine Kunst des Überlebens. Italiener beherrschen sie ziemlich gut, und so wird schon wieder viel gelacht im Süden Wiens – und aus der Not flugs eine Tugend gemacht: Nach dem Ausfall von Abwehrchef Cannavaro setzt der Weltmeister beim Favoriten-Gipfel gegen die Niederlande auf die Offensive um den Bayern-Stürmer.

WIEN. Ob auf dem Trainingsgelände in Maria Enzersdorf oder in der „Casa Azzurri“ in Oberwaltersdorf, der Begegnungsstätte von Fußballern, Fans, Sponsoren und Journalisten: Die Spieler scherzen, singen, palavern. Selbst Antonio Cassano hat auf einmal prächtige Laune.

Vorige Woche war das noch ganz anders, nach der Verletzung von Kapitän Fabio Cannavaro bei einem Zweikampf mit Ersatzverteidiger Giorgio Chiellini. Als der im nächsten Training auch Ersatzstürmer Cassano in die Parade fuhr, rastete das Problemkind des italienischen Fußballs mal wieder aus. „Willst du uns allen wehtun?“, fauchte er Chiellini an. Trainer Roberto Donadoni gelang es halbwegs, die Wogen zu glätten („Antonio, Ruhe. Antonio, es reicht. Antonio, halt' die Klappe“), tags darauf umarmten sich die Streithähne und vor dem ersten Spiel heute gegen Holland, das Cannavaro dank Uefa-Sondergenehmigung auf einem Klappstuhl neben der Trainerbank verfolgen darf, reden alle wieder nur von einem Ziel: dem ersten EM-Titel für Italien seit 40 Jahren.

Denn man kann die Sache mit Cannavaro ja so oder so sehen. Italien war immer dann am stärksten, wenn es mit Widerständen zu kämpfen hatte. Wie bei der WM 2006, als die Spieler nach dem Manipulationsskandal „Calciopoli“ von den eigenen Fans beschimpft wurden. Und am Ende mit dem Titel heimkehrten.

Logischerweise geht ein Weltmeister als Favorit in die nächste EM, aber nur Frankreich hat es 2000 geschafft, das Double perfekt zu machen. Andere scheiterten oft an Selbstgefälligkeit, doch diese Gefahr scheint nach Cannavaros Malheur gebannt. Mittelfeldmann Gennaro Gattuso sagt: „Die Arroganz eines Weltmeisters hilft uns nicht weiter. Wir müssen mit dem Messer zwischen den Zähnen auflaufen.“ Bei ihm bestehen da die geringsten Zweifel – zum Zeichen seiner Kampfestüchtigkeit hat Italiens Adrenalinritter sich Haare, Bart und Koteletten wieder auf Räuber-Hotzenplotz-Länge wachsen lassen.

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