Fußball EM
ORF sendet fiktives Sommermärchen

Das ORF sendet vor Beginn der EM eine fiktive Dokumentation über den Titelgewinn der Österreicher. Als "Schauspieler" ist neben Franz Beckenbauer auch Günter Netzer zu bewundern.

Das ORF sendet einen Tag vor Beginn des Turniers eine ungewöhnliche Dokumentation über den fiktiven Titelgewinn der Österreicher. Das ganze Land ist darin völlig aus dem Häuschen und feiert das zweite Cordoba - das "Wunder von Wien" ist tatsächlich Wirklichkeit geworden.

Günter Netzer liefert eine gestochen scharfe Analyse des "deutschen Debakels". Zumindest in der ungewöhnlichen Dokumentation des ORF, der einen Tag vor dem Eröffnungsspiel schon den Turnier-Rückblick ausstrahlt - mit packenden Szenen, weinenden Anhängern und den "Schauspielern" Günter Netzer, Franz Beckenbauer und Herbert Prohaska.

Netzer: "Die Enttäuschung ist sehr groß"

Das 45-minütige Werk von Regisseur und Satiriker David Schalko soll die EM-Euphorie im Gastgeberland schüren und den Glauben an die Stärke der Nationalmannschaft zurückbringen. Das Film-Geschehen spielt vier Wochen nach der EM, und alle Beteiligten blicken zurück auf eine der größten Sensationen der Fußball-Geschichte.

"Die Enttäuschung ist sehr groß", schimpft Netzer im Studio nach dem verlorenen Halbfinale gegen Österreich glaubhaft, "das ist eine sehr schlechte Leistung gewesen. Man muss befürchten, dass das hier als zweites Cordoba gilt." Nationaltrainer Josef Hickersberger erinnert sich an den Moment, in dem er plötzlich sogar an den Titel glaubte: "Wir wussten, wer Deutschland schlägt, der kann sicher auch Europameister werden."

ORF-Sportchef Hans Huber wandelt gedankenverloren über den heiligen Rasen des Wiener Ernst-Happel-Stadions. "Hier, hier ist es geschehen. Hier haben wir Fußball-Geschichte geschrieben." Gerhard Delling muss diese Niederlage im ARD-Studio eingestehen: "Das zieht einen jetzt richtig runter."Österreich gewinnt auch das Endspiel - Beckenbauer, Hans Krankl, Giovanni Trapattoni kommentieren eine fast unglaubliche Wiederauferstehung einer Fußballnation.

Hruska schießt Deutschland aus dem Rennen

Alle Szenen wurden mit den Prominenten im Februar gedreht - einzige Ausnahme ist Wunderstürmer Peter Hruska, der Deutschland eiskalt aus dem Rennen schießt. Der fiktive Held steht bei Bayern München unter Vertrag und muss sich auf einige ungemütliche Monate einrichten. Netzer ("Ein Phoenix aus der Asche") schluckt nach der Pleite, Hickersberger spricht mit Tränen in den Augen vom "größten Tag" in seiner Karriere.

Wenn es schon nicht zu einem "Sommermärchen" reicht, soll zumindest satirisch der wenig wahrscheinliche Titelgewinn gefeiert werden. Und wer weiß? Vielleicht klappt es ja. Am 29. Juni, 20.45 Uhr, wissen wir mehr. Wenn Deutschland Österreich dann nicht schon längst ausgeschaltet hat...

© SID

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