Fußball EM
Rehhagel: "Ein Wunder geschieht nur alle 30 Jahre"

Bei Titelverteidiger Griechenland ist die Enttäuschung nach dem besiegelten Vorrunden-Aus riesengroß. Trainer Otto Rehhagel stand nun in einem Interview Rede und Antwort.

Nach dem bitteren Vorrunden-Aus bei der EM herrscht beim bald entthronten Titelverteidiger Griechenland große Enttäuschung. Nun stellte sich "Hellenen"-Coach Otto Rehhagel, vor vier Jahren noch der gefeierte Mann in Griechenland, den Fragen der Reporter.

Frage: "Herr Rehhagel, Griechenland ist nach nur zwei Spielen als Titelverteidiger bei der EM gescheitert. Woran hat es gelegen?"

Rehhagel: "Unsere Mannschaft hat zwei Klassen besser gespielt als gegen Schweden, aber leider schießt sie keine Tore. Was mir gefallen hat, war die unglaubliche Leidenschaft, dieses Spiel gegen die sehr starken Russen noch zu drehen. Das sind alles Sprinter und glänzende Fußballer."

Frage: "Wie sieht Ihre Zukunft und die des griechischen Fußballs aus?"

Rehhagel: "Wir wollten natürlich besser abschneiden. Aber wir sind in einer starken Gruppe, und man konnte nicht davon ausgehen, dass wir jedes Spiel 3:0 gewinnen. So gut sind wir nicht. Wir haben am europäischen Fußball-Festival teilgenommen, in dem auch noch andere Mannschaften scheitern werden, weil am Ende immer nur zwei übrig bleiben."

Frage: "Sie haben die Probleme in der Offensive erwähnt. Wie wollen Sie die bis 2010 abstellen?"

Rehhagel: "Wir haben noch ein Spiel gegen Spanien, darauf werden wir uns vorbereiten. Alles andere kommt später. Das Turnier ist noch nicht vorbei. Wir haben die Pflicht, anderthalb Stunden saubere Arbeit abzuliefern."

Frage: "Wie enttäuscht sind Sie, dass die Mannschaft so früh gescheitert ist?"

Rehhagel: Für mich war wichtig, dass die Mannschaft gegen Russland zeigt, was sie kann. Sie hat mit Leidenschaft bis zur letzten Sekunde versucht, den Ausgleich zu erzielen. Das Spiel gegen Schweden war nicht so gut. Gegen Russland habe ich den Willen erkannt, das Spiel unbedingt zu gewinnen. Ich kann niemandem einen Vorwurf machen. Wir haben gegen eine erstklassige Mannschaft verloren. Gegen Russland werden sich noch ganz andere Gegner wundern."

Frage: "Dennoch: Noch nie ist ein Titelverteidiger in einer EM-Endrunde so früh gescheitert ..."

Rehhagel: "Einmal, im Jahr 2004, hat es ein Wunder gegeben. Ein Wunder geschieht aber nur alle 30 Jahre, nicht alle 14 Tage. Sonst wäre es kein Wunder."

Frage: "Es wird jetzt Diskussionen in Ihrer Heimat geben über das Abschneiden Ihrer Mannschaft und über ihr taktisches Verhalten. Haben Sie ein wenig Respekt vor dem, was jetzt auf Sie zu kommt?"

Rehhagel: "Warum soll ich davor Respekt haben?"

Frage: "Weil die Diskussionen für Sie negativ verlaufen könnten."

Rehhagel: "Ich habe doch schon gesagt, dass wir jetzt hier sind und noch ein Spiel gegen Spanien zu bestreiten haben. Ihre Gedanken, die Sie jetzt haben, die kenne ich. Ich bin viel älter als Sie. Alles, was Sie im Kopf haben, das weiß ich längst, bevor Sie es ausgesprochen haben. In Griechenland ist die Demokratie erfunden worden. Da darf jeder sagen, was er will. Wir leben in Deutschland aber auch in einer Demokratie, und ich sage ebenfalls, was ich will. Die Akropolis steht seit 3 000 Jahren, und wenn wir in 200 Jahren nicht mehr da sind, dann steht sie immer noch."

© SID

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