Fußball EM
Rehhagel: "Erste Enttäuschung ist überwunden"

Der Trainer der griechischen Nationalelf, Otto Rehhagel, gibt sich vor dem zweiten EM-Spiel gegen Russland optimistisch: "Ich denke, dass wir die Enttäuschung überwunden haben."

Otto Rehhagel, Trainer der Griechen, weiß, worauf es im Fußball ankommt. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) spricht der 69-Jährige über sein Zukunft als Trainer und die Aussichten des Europameisters von 2004 bei der diesjährigen EM.

Frage: "Wie ist Ihre Einschätzung vor dem Spiel gegen Russland?"

Otto Rehhagel: "Nachdem wir die erste Enttäuschung überwunden hatten, blieb uns nicht viel Zeit. Wir mussten die Mannschaft wieder aufrichten. Die ersten beiden Tage waren schwer, aber ich denke, dass wir die Enttäuschung überwunden haben und sie in positive Energie umwandeln können."

Frage: "Ein Sieg gegen Russland könnte positiven Schwung bringen. Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn Sie das nicht schaffen, insbesondere mit Blick darauf, dass Sie Ihren Vertrag bis 2010 verlängert haben?"

Rehhagel: "Hier spielen die besten 16 Mannschaften Europas. Ich hatte den Spielern vorher auch gesagt, dass ein einziger Fehler über Sieg und Niederlage entscheidet. Wir haben in der entscheidenden Sekunde einen entscheidenden Fehler gemacht. Und wir haben auch keinen Ibrahimovic, der spielt in Schweden. Bei uns muss alles stimmen, wir müssen unsere Fehlerquote auf ein Minimum reduzieren, um erfolgreich zu sein."

Frage: "Ihr Kapitän Angelos Basinas hat nach dem Spiel gegen Schweden mehr Offensive gefordert. Wie haben Sie auf diese Aussage reagiert?"

Rehhagel: "Mir hat er das nicht gesagt. Ich reagiere nur auf das, was mir die Spieler sagen. Wir wollten auch offensiv spielen, aber wenn einen der Gegner hinten reindrängt, kann man nicht offensiv spielen. Niemandem wurde verboten, offensiv zu spielen. Ich hätte am liebsten, dass alle meine Spieler in Ballbesitz kommen, durch die gegnerischen Reihen laufen und ein Tor schießen."

Frage: "Wir reagieren Sie auf die harte Kritik internationaler Medien an Ihrer Spielweise?"

Rehhagel: "Wir leben in einer Demokratie. Hier kann jeder sagen, was er will. In Griechenland wurde die Demokratie ja erfunden."

Frage: "Noch einmal ganz direkt: Schließen Sie Rücktritt aus, wenn Sie verlieren?"

Rehhagel: "Ich bin zu alt, um auf Ihre Tricks reinzufallen. Wir spielen gegen Russland, und dann spielen wir gegen Spanien. Wir waren glücklich, dass wir uns qualifiziert haben, aber haben nicht gesagt, wir mischen den europäischen Fußball auf. Wir sagen auch nicht, dass wir 2012 Weltmeister werden oder was weiß ich. Die Möglichkeiten unserer Spieler kenne ich wie kein anderer, danach müssen wir uns richten."

Frage: "Haben Sie vor, offensiver zu spielen, wie es nicht nur Basinas, sondern auch Ioannis Amanatidis gesagt hat?"

Rehhagel: "Dieser Tick zieht bei mir nicht. Basinas hat gesagt, wir wollten ein bisschen offensiver spielen. Da spricht er mir aus dem Herzen, es ging aber nicht. Auch Amanatidis hat mir aus dem Herzen gesprochen. Er hat gesagt, wir haben den Ball etwas zu lange hin und her gespielt. Aber andere Mannschaften spielen den Ball auch sechsmal hin und her, bevor sie eine Chance bekommen."

Frage: "Wir schätzen Sie die russische Mannschaft ein?"

Rehhagel: "Die Russen sind eine junge Truppe, die können sehr gut Fußball spielen. Wir müssen versuchen, dazwischen zu kommen und unsere Stärken auszuspielen."

Frage: "Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Team geschlossen hinter Ihnen und Ihrem Konzept steht?"

Rehhagel: "Wir haben immer alles gemeinsam besprochen und waren uns immer einig, dass das, was ich vorgebe, richtig ist."

Frage: "Ist Griechenland gegen Russland im Vorteil, weil es das ältere und erfahrenere Team ist?"

Rehhagel: Alles was gesagt wird, vorher und nachher, ist vorbei, wenn der Schiedsrichter anpfeift. Lassen Sie doch das Spiel so, wie es ist. Fußball ist ein Spiel der Unwägbarkeiten. Das Fußballspiel stellt Fragen, und wenn man von zehn Fragen nur drei beantworten kann, dann verliert man das Spiel. Eigentlich ist es ganz einfach."

© SID

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