Fußball EM
Rehhagels Hellenen bereits unter Zugzwang

In der Gruppe D kommt es heute schon zu einem echten Endspiel zwischen Titelverteidiger Griechenland und Russland. Beide Teams müssen nach den Auftaktniederlagen unbedingt punkten.

Das EM-Aus vor Augen, Vorwürfe aus der Heimat und den Angstgegner vor der Brust: Otto Rehhagel steht heute mit Europameister Griechenland vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Russland (20.45 Uhr/live im ZDF) in Salzburg schon mit dem Rücken zur Wand. Doch "Rehakles" ließ in einer seiner legendären Pressekonferenzen keinen Trick aus, um den Druck von seinem Team zu nehmen.

"Wir sind glücklich, dass wir uns qualifiziert haben. Niemand hat gesagt, dass wir das Turnier aufmischen", sagte der 69-Jährige und wich Fragen nach seinem möglichen Rücktritt im Falle eines vorzeitigen Ausscheidens aus. "Ich bin schon zu lange im Geschäft, um auf Ihre Tricks reinzufallen", raunzte Rehhagel den Journalisten zu.

Die harten Kritiken nach der Grusel-Vorstellung beim 0:2 gegen Schweden wischte Rehhagel kurzerhand vom Tisch. "Wir leben in einer Demokratie, jeder darf sagen, was er will", erklärte er und bestritt mit einem Grinsen im Gesicht, dass ihm die Rückendeckung aus der Mannschaft allmählich verloren gehe: "Wir haben immer alles gemeinsam besprochen und waren uns immer einig, dass das, was ich vorgebe, richtig ist."

Nur ein Sieg gegen die Russen erhält dem Titelverteidiger noch eine realistische Chance auf den erneuten Viertelfinaleinzug. Rehhagel warnte vor der "Kombinationsmaschinerie" der Russen, verwies aber auf die eigenen Stärken: "Wichtig ist, was wir machen."

Der ehemalige Bremer und Kaiserlauterer Meistercoach gab zu, dass es schwer gewesen sei, die Mannschaft nach dem 0:2 gegen Schweden aufzurichten: "Jetzt sind wir aber so weit, dass wir die Enttäuschung in positive Energie umwandeln können.

Rehhagel philosophiert

Einmal mehr verwies er auf die "Unwägbarkeiten des Spiels" und übte sich einmal mehr als Hobby-Philosoph. "Das Fußball-Spiel stellt Fragen, und wenn man von zehn Fragen nur drei beantworten kann, dann verliert man das Spiel", meinte "Rehakles"

Forderungen nach einer Abkehr von seiner extrem defensiven Taktik, die unter anderem Mittelfeldstratege Konstantinos Katsouranis geäußert hatte ("Wir müssen offensiver spielen, sonst sind wir draußen"), wies Rehhagel zurück. Fragen nach einer möglichen Taktikänderung wich er aus. Er hob hervor, dass er im Spiel gegen Schweden "niemanden verboten hat, offensiver zu spielen".

Abwehr-Hüne Sotirios Kyrgiakos, aus seiner Bundesliga-Zeit bei Eintracht Frankfurt eher als Schweiger bekannt, fand derweil markige Worte vor dem "Endspiel" gegen die Russen: "Wir haben ein Spiel verloren, aber noch nicht den Krieg. In der Qualifikation haben wir 1:4 gegen die Türkei verloren und uns danach ohne Niederlage für die EM qualifiziert. Wir können mit dem Druck umgehen."

In der Qualifikation, als die Griechen mehr Punkte (31) holten als alle anderen Mannschaften, hatten sie allerdings deutlich offensiver gespielt als im ersten EM-Spiel. Doch gegen Schweden hatte Rehhagel anstatt auf seine einst in der Bundesliga berühmte "kontrollierte Offensive" auf den rustikalen Retro-Riegel vom EM-Triumph 2004 zurückgegriffen - und war damit baden gegangen.

Die Kehrtwende muss Hellas jetzt ausgerechnet gegen Russland schaffen, gegen das es schon vor vier Jahren bei der EM in Portugal die einzige Niederlage (1:2) gegeben hatte. In bislang acht Spielen gegen die Sbornaja gab es nur einen Sieg.

Auch für die Russen ist die Partie nach der 1:4-Pleite gegen Spanien bereits ein "Endspiel". "Wir müssen die Griechen nach Hause schicken. Das erwarten auch unsere Fans", sagt Kapitän Sergej Semak. Nach dem vorzeitigen EM-Aus für Torjäger Pawel Pogrebnijak (Meniskusverletzung) bangt er jetzt auch um dessen Ersatz Roman Pawljutschenko (Adduktorenprobleme). Stürmerstar Andrej Arschawin ist noch gesperrt.

© SID

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